Wer Lake Street Dive nicht kennt, hat etwas verpasst. Die 2006 gegründete Band bestand zunächst aus vier Musikern, die alle am am New England Conservatory of Music in Boston studiert haben. Neben Sängerin Rachael Price gehören Gitarrist Mike "McDuck" Olson, Bassistin Bridget Kearney und Schlagzeuger Mike Calabrese zur ursprünglichen Formation.
2017 kam Akie Bermiss am Keyboard in die Band dazu und brachte dadurch noch mehr musikalische Variabilität mit ein. So wandeln sie gekonnt zwischen Pop, Rock, Soul und Blues, immer gewürzt mit Elementen aus Country, Folk, Jazz und karibischen Klängen.
Rhythmisches Feuerwerk beim Opening
Der erste Song "Good Together" deutet schon an, in welche Richtung sich das Konzert bewegt. Der groovige Rhythmus wird immer wieder aufgemischt duch Einlagen vom Keyboard und elektrisierenden Gitarrenriffs. Der kraftvolle Gesang von Rachael Price wird stimmlich durch die anderen Bandmitglieder im teils mehrstimmigen Gesang unterstützt. Alternativ liefern sie kleinere Soloparts.
Auf das mitreißende "Far Gone" folgt mit "Better Not Tell You" ein ganz anderer Stil. Die nun deutlich hörbaren Country-Elemente sind nicht weniger elektrisierend. Die Musik lässt das Publikum wippen und tanzen.
Lounge-Sound
Entspannter Groove bietet "Hypotheticals". Rachael Price schmettert ihren Gesang über die eingängige Melodie, während das aufgeheizte Publikum textsicher mitsingt. Das easy, coole "Seats At The Bar" geht in eine ähnliche Richtung, Die spürbare Leichtigkeit des Songs lässt das Publikum im Rhythmus mitwippen.
Das glatte Gegenteil ist "Get Around". Der schwere, fast schleppende Sound mit dem harten Rhythmus des Schlagzeugs und den explosiven Gitarrenriffs entfaltet pure Kraft. Die nicht minder kraftvolle Ballade "Better Than" explodiert in der Songmitte mit einem Solo der Blues-Gitarre von Mike Olson.
Pure Gänsehaut
Bei so viel durchgängig hohem Konzertgenuss von einem Highlight zu sprechen, ist fast unfair. Dennoch ragt "Baby, Don't Let Me Alone With My Thoughts" heraus. Akie Bermiss eröffnet den Song mit einem Keyboardsolo. Die Zuschauer in der Halle lauschen den Klängen, in denen man erkennbare Jazz-Elemente hört.
Plötzlich dreht der Sound hoch. Mit dem Gesang von Rachael Price erwacht das Publikum wie bei einer Explosion. Der mitreißende Groove und die ätherischen Gitarrenriffs treiben das Publikum zu begeistertem Applaus. Da dürfte auch so mancher Fan die pure Gänsehaut am ganzen Körper spüren.
Karibische Klänge
Auf "Making Do" folgt mit "Party On The Roof" das nächste Highlight. Energetisch und tanzbar macht der Song eine unerwartete Wendung, als Bassistin Bridget Kearney zum Keyboard läuft und plötzlich karibische Calypso-Musik ertönt. Bridget klatscht das Publikum hoch, während sich Gitarrist und Bassistin gegenseitig anfeuern.
Bei "Ophelia" darf nun Schlagzeuger" Mike Calabrese zeigen, dass er auch singen kann. Der deutlich hörbare Country-Stil mit seinem rockigen Charakter passt perfekt in die Stilmischung der Band. Auch "Same Old News", bei dem sich Gitarrist Mike Olson und Bassistin Bridget Kearney erneut gegenseitig anstacheln, wird mit seiner mitreißenden Energie vom Publikum abgefeiert.
Cover mal ganz anders
Das großartig gespielte Kontrabass-Solo von Bridget Kearney bei "I Want Your Back" zeigt erneut die spielerischen Fähigkeiten von Lake Street Dive. Nach "Rabid Animal" zeigt Aki Bermiss am Keyboard, zu was er in der Lage ist. Er verwandelt den Country-Song "You're Still The One" von Shania Twain in eine kraftvolle Soul-Nummer. Akie Bermiss singt dazu mit so viel Soulpower in der Stimme, es geht direkt ins Herz.
Ebenso ergreifend ist die Power-Ballade "Twenty-Five". Akie Bermiss begleitet diesmal nur Sängerin Rachael Price, die in diesen Song so unendlich viel Gefühl reinlegt. Das schon bekannte Gitarrentduett heizt zu "Seventeen" dem Publikum wieder mächtig ein.
Die ultimative Frage
Das Finale ist ein wahres Feuerwerk der Instrumente. Zuerst heizen Lake Street Dive dem Publikum zu "Dance With A Stranger" ein, lassen die Zuschauer auf den kaum zu bändigenden Groove tanzen. Der krachende Up-Tempo Rock von "You Go Down Smooth" ist pure Energie. Das Publikum singt mit und rastet begeistert aus.
Die Zugabe startet mit "Bad Self Portraits" und der treibende Groove ist auch hier spürbar. Mit dem rockigen "Good Kisser" endet ein riesig gefeiertes Konzert. Ach ja, die ultimative Frage lautet: Wer ist am Ende heißer gelaufen? Die Band in ihrer kaum zu bändigenden Spielfreude oder das teils völlig ausflippende Publikum. Schwer zu sagen. Beide performten auf höchstem Niveau und haben sich wohl gegenseitig befeuert.
Setlist
Good Together / Far Gone / Better Not Tell You / Hypotheticals / Seats At The Bar / Get Around / Better Than / Baby, Don't Leave Me Alone With My Thoughts / Making Do / Party On The Roof / Ophelia / Same Old News / I Want You Back / Rabid Animal / You're Still The One / Twenty-Five / Seventeen / Dance With A Stranger / You Go Down Smooth // Bad Self Portraits / Good Kisser

