Pünktlich um 20 Uhr betritt die Band die Bühne der SAP Arena und spielt los. Aber wo ist Beth Hart? Ihre Stimme erklingt, aber sie ist nicht zu sehen. Plötzlich erhellt ein Lichtkegel das Ende des Innenraums.
Da ist sie, tanzt genüsslich hinter den Stühlen und nimmt zum Auftaktsong "Sick" gleich mal ein Bad in der Menge. Mit gewaltiger Stimme schmettert sie kernigen Blues-Rock in die Halle, während von der Bühne die Gitarren und das hämmernde Schlagzeug dröhnen.
Pure Gänsehaut
Packend und fesselnd ist dagegen die Dramatik von "I Love You More Than You'll Ever Know". Ruhig, fast gehaucht in manchen Momenten, nimmt Beth Hart die Zuschauer mit. Sie sitzt am Ende auf ihren Knien am Bühnenrand und zelebriert diese Ballade, während Gitarrist Jon Nichols mit einem heulenden Gitarrensolo die Zuschauer erbeben lässt.
Wieder ganz anders ist der launige Song "Wanna Be Big Bad Johnny Cash". Der erste Song des Abends vom neuen Album "You Still Got Me" ist ein spritziger Up-Tempo Countrysong. Zurück zum Drama und wieder ganz nahbar ist die Darbietung von "Bang Bang Boom Boom".
Dazu gesteht Beth Hart dem Publikum ihre Faszination von Serienkillern. Der spannungsgeladene Song, der genau davon handelt, klingt wie ein vertontes Gangsterdrama, wie man es oft aus Tarantino-Filmen kennt. Wieder sucht sie den engen Kontakt zum Publikum, kommt herab von der Bühne und erklimmt die Stufen der seitlichen Sitzplätze auf der Tribüne.
Stimmungsgarant
Ein Song, der bei keinem Konzert fehlen darf und stets für Riesenstimmung sorgt, ist der temporeiche und kraftvolle Powerbluessong "Bad Woman Blues". Nicht weniger intensiv ist die Bluesrockballade "Suga N My Bowl".
Die perfekt laszive Verführung mit dem spielend bösen Unterton ist "If I Tell You I Love You". Denn da fehlt der gesungene Zusatz "I'm Lying". Dieses dramatisch gesungene Spiel mit den Emotionen geht mit ihrer rauchig, kratzenden Hauchstimme wieder komplett unter die Haut.
Am Piano
Nun am Piano geht es im gleichen Stil weiter. Die Powerballade "I'll Take Care Of You" beginnt wieder mit der schmetternden Gewalt der Gesangsstimme von Beth Hart, bevor Jon Nichols erneut ein elektrisierend, heulendes Gitarrensolo spielt. Im nächsten Song übernimmt Schlagzeuger Bill Ransom neben Beth Hart die Hauptrolle.
Er treibt bei "Machine Gun Vibrato" den Song mit seinen Schlägen wie eine hämmernde und stampfende Dampfmaschine an. Geradezu berauschend, wie sich gleichzeitig die hauchende Stimme von Beth Hart in die Musik einwebt und stellenweise immer wieder kraftvoll ausbricht.
Eine fast verzweifelte Liebeserklärung ist "Rub Me For Luck". Beth Hart beginnt sanft, um dann ähnlich einem Bond-Song mit purer Kraft und Emotion zu explodieren.
Ganz allein
Nach so viel Emotionen ist "Spirit Of God" trotz des Titels eher spielend leicht. Der schnelle Piano-Song ist wie ein Gottesdienst, bei dem die Besucher am Ende auf den Bänken tanzen. Die nächsten Songs spielt sie ganz allein am Piano ohne die Band. Den Anfang macht sie mit "Mechanical Heart" und wieder fesselt sie das Publikum allein mit ihrer Stimme und ihrer Präsenz.
Emotional noch näher lässt sie das Publikum bei "You Still Got Me" an sich heran. Sie entblößt im Gesang förmlich ihre Seele, packt die Zuschauer mit einer unwiderstehlichen Intensität. Wieder mit Band nimmt sie die Zuschauer bei "Drunk On Valentine" mit in eine Atmosphäre der großen, alten Jazz- und Blues-Clubs.
Das Akustik-Set
Mit "Sugar Shack" ändert sich der ganze Sound und das Szenario erneut. Schlagzeuger Bill Ransom kommt nach vorne und spielt eine Handschlagtrommel. Er klatscht den Rhythmus an, das Publikum klatscht mit. Dann wechselt er bei dem Mini-Schlagzeug an die Sticks. Beth Hart entwickelt mit ihren Musikern eine ausgelassene Spielfreude.
Dies zeigt sich noch mehr bei "Broken & Ugly". Die erste Version ist launig mit erkennbaren Country-Elementen. Nach dem Song will sie plötzlich etwas ausprobieren, den Song deutlich schneller und energetischer spielen. Am Ende lässt sie das Publikum abstimmen und ist sichtlich überrascht, dass den Zuschauern die zweite Version mehrheitlich besser gefällt.
Finale unter Tränen
Kurz vor der Zugabe wie Beth Hart ganz persönlich. Sie erzählt, wie schlecht es ihr bei ihrer letzten US-Tour gegangen ist und wie gut sie sich jetzt endlich wieder fühlt. Das alles erklärt die gerade gezeigte Spielfreude und das, was beim letzten Song passiert. Nach einem letzten, intensiven Gitarrenfeuerwerk geht es in die Zugabe.
Das sanfte, fast spirituell angehauchte "Wonderful World" berührt viele Zuschauer und ein weiblicher Fan kommt am Ende zu Beth Hart an die Bühne. Bei der kurzen Begegnung nimmt Beth Hart sie liebevoll in den Arm.
Am Ende singt sie, nur von Jon Nichols an der Akustik-Gitarre begleitet, den Song "Thankful". Der Moment ist so ergreifend, dass Beth Hart selbst in Tränen ausbricht. Da hat sich wohl in letzter Zeit viel emotionaler Druck aufgestaut, der der sich in dem Moment gelöst hat. Fast alle Zuschauer stehen auf und applaudieren.








