Laut, wild und voller Energie – so lässt sich der Donnerstagabend in der Alten Feuerwache in Mannheim zusammenfassen. Paula Carolina spielt das letzte Konzert ihrer Tour und feiert dabei einen gebührenden Jahresabschluss.

Für die Sängerin bedeutet das Konzert am 7. November mehr als nur das Ende ihrer Tour: Es ist ein Heimspiel. Paula Carolina lebte selbst in Mannheim und startete dort ihre musikalische Karriere. "Es ist eine Ehre, drei Jahre später hier spielen zu dürfen", erklärt sie dem jubelnden Publikum.

Kein Blatt vor dem Mund

In dieser Zeit hat sich bereits eine treue Fangemeinde gebildet: Schon bevor die Band auf der Bühne steht, tönen laute "Paula"-Rufe durch die Alte Feuerwache. Mit ihrer gesellschaftskritischen Musik, die sie mit tanzbaren Beats verknüpft, trifft sie den Zeitgeist ihrer Generation – und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Der lässige Skaterlook mit den zu Spikes aufgestellten Haaren fügt sich in das auffällige Gesamtbild.

Kein Wunder also, dass Paula Carolinas erstes Album den Titel "Extra" trägt. Damit auch zurück zum Konzert: Die Show ist die letzte der zur Platte gehörenden "Willkommen in der Realität"-Tour.

Lokale Unterstützung

Eingeläutet wird der Abend von Engin, die deutsch-türkischen Indie-Rock spielen. Auch für Engin ist Mannheim kein unbekannter Ort, wie die Band nicht nur mit ihrem finalen Song "Kiosk Yüksel" beweist, der von einem Kiosk im Jungbusch inspiriert ist.

Eine durchdringende Kickdrum und bunte flackernde Lichter verdeutlichen schnell, in welche Richtung sich der Abend entwickeln wird: Es wird getanzt, geklatscht und gesungen. Nach etwas über einer halben Stunde verlassen Engin die Bühne wieder, aber nicht ohne einen Spannungsbogen durch einen letzten Instrumentalpart zu hinterlassen.

Der Startschuss für die Party

Das Publikum ist nun auf Betriebstemperatur. Die Musik vom Band wird laut mitgesungen und grüne Luftballons, ganz im Stil des "Extra"-Covers, fliegen durch die Alte Feuerwache.

Um 21 Uhr ist es so weit: Auf ein Space-Odyssee-Intro folgt ein Klingeln, und eine Tür auf der Bühne öffnet sich. Paula Carolina und ihre Bandmitglieder betreten die Bühne in weißen Overalls und mit grünen Megafonen. Der erste Song ist "Kein Bock" – das Gegenteil beweisen jedoch alle Anwesenden sofort.

Für ein entspanntes Miteinander erklärt Paula Carolina zu Beginn die Regeln für die Moshpits – "Ich habe schließlich sechs Semester Lehramt studiert", scherzt sie. Danach ist aber wieder Zeit für Regel Nummer fünf: Abfahrt!

Egal, welches Lied gespielt wird, das Publikum ist textsicher. Die Energie in der Alten Feuerwache steigt mit jedem Song: Soloeinlagen von Keyboarder Jonas Schmitt, Bassist Charly Härtel, Schlagzeuger Felix Burtscher und Gitarrist Nikolaus Winkelhausen verstärken die Dynamik der Musik und zeigen, warum Paula Carolinas Songs live eine ganz besondere Kraft entfalten.

Ein emotionaler Zwischenpart

Kurzzeitig unterbrochen wird die Partystimmung dann aber von einer Danksagung für die Tour, bei der Paula Carolina ihre Sentimentalität anzumerken ist. Auch auf die vorangegangenen politischen Ereignisse – Donald Trump gewinnt die US-Präsidentschaftswahl und die Ampelkoaliation löst sich auf – und die damit einhergehende negative Stimmung geht die Künstlerin ein.

Die Ballade "Alles wieder gut" als Duett fängt dieses Gefühl ein. Im gelblichen Licht der Scheinwerfer stehen Paula Carolina und Gitarrist Nikolaus Winkelhausen auf einem Podest und verleihen dem Lied dadurch eine besondere Intensität.

Die restliche Band ist bei "Angst frisst Demokratie" wieder dabei. Passend zum Lied werden im Publikum große Pride-Flaggen hochgehalten.

Nochmal Vollgas geben

Nach einer kurzen Anpassung des Bühnenbilds geben Paula Carolina und ihre Band nochmal richtig Gas. Das Publikum dankt es mit dem ein oder anderen Moshpit. Kein Wunder: Es werden tanzbare Lieder am laufenden Band gespielt, bis Paula Carolina nach "Offiziell Glücklich" unter Jubelrufen die Bühne verlässt.

Doch das Finale steht noch aus: Paula Carolina kehrt zurück und spielt "Extra" – ein Lied, das die Energie treffend zusammenfasst: Extra-Laut und Extra-Wild. Mit dem letzten Song "Schreien", der in einem Techno-Remix gipfelt, bringt sie das Publikum ein letztes Mal zum Ausrasten.

Paula Carolina – ein Gruppenprojekt

Obwohl sie die Hauptfigur des Abends ist, wird klar: Paula Carolina sind ein Gemeinschaftswerk. Die fünf Musiker*innen auf der Bühne sprühen vor Teamgeist, und auch die Wertschätzung für das gesamte Tour-Team ist deutlich spürbar.

An diesem Abend zeigt sich die Verbundenheit des Teams immer wieder: Eine niederländische Setlist als Streich, ein Aerobic-Outfit der Fotografin, das Paula Carolina kurz aus dem Konzept bringt, oder ein Geburtstagsständchen für die Mutter des Keyboarders – all das verleiht der Show eine persönliche Note.

Mit diesem Gefühl endet auch der Abend in der Alten Feuerwache. Alle an der Show und Tour beteiligten Personen kommen auf die Bühne und umarmen sich, während im Hintergrund das Friends-Intro "I’ll Be There for You" läuft.

Setlist

Kein Bock / Sie liebt Dich nicht / Trophäe / Danke Dirk / Bitte Bitte / Alles wieder gut / Angst Frisst Demokratie / Otto Normal / Wärs ok? / Alles nur geklaut (Cover) / Es zieht im Paradies / Es regnet Hirn / Willkommen in der Realität / Offiziell glücklich / Extra / Schreien! / Schreien! (Turbo Remix)