Das Konzert der Bleachers im E-Werk in Köln ist das perfekte Beispiel für die positiven Synergieeffekte zwischen Band und Publikum. Die Bleachers spüren von Anfang an die Begeisterung des Publikums und lassen es dann musikalisch richtig krachen.

Schon der Auftakt des Konzertabends ist sehr gelungen. Amy Allen ist als Sängerin in Deutschland noch weitgehend unbekannt. Wesentlich bekannter ist ihre Arbeit als Songwriterin. Sie hat unter anderem am Radiohit "Espresso" von Sabrina Carpenter mitgeschrieben, ebenso wie an "Adore You" von Harry Styles.

Nun kehrt Amy Allen zurück zu ihren Wurzeln als Sängerin und liefert mit klarer Stimme berührende Balladen und explosive Popmelodien. Die zwischenzeitliche Hinwendung zum Songwriting hat sie als Künstlerin extrem voran gebracht. Jetzt startet sie als gereiftere Sängerin durch.  

Aus dem Studio auf die Bühne

Der Titel der aktuellen Tour lautet: "From the studio to the stage". Die Bleachers, viele Jahre bekannt als hervorragende Studioband, spielen gekonnt mit dem Klischee. Nach dem eingespielten Intro geht in der Dunkelheit plötzlich eine beleuchtete Tafel an. Darauf steht, wie bei einem Aufnahmestudio: "Recording. Studio In Use". 

Als die Bleachers mit "I Am Right On Time" anfangen, ist es wie eine Explosion. Die Fans sind vom ersten vom Moment da. Die sechs Musiker drücken von Anfang an aufs Gas. Auch "Modern Girl" wird frenetisch abgefeiert und mitgesungen, während trotz der Hitze im Saal alle Körper in Bewegung sind.

Vielseitige Musiker

Die ersten drei Songs, alle vom neuen Album "Bleachers", sind einfach elektrisierend. Das findet seinen ersten Höhepunkt mit "Jesus Is Dead". Der Up-Tempo Song mündet in einer ersten Entladung mit Hinknien, Aufspringen und Abfeiern. Das Publikum feiert und klatscht frenetisch mit, die geballte Energie im Saal ist greifbar.

Angetrieben wird der Song von den Doppeleinlagen der beiden Musiker, die vom Keyboard nun zum Saxophon wechseln. Die geballte Bläserpower in Kombination mit Sänger Jack Antonoff ist das krasse Gegenteil zur nachfolgenden Ballade "How Dare You Want More".

Während die beiden Musiker zurück ans Keyboard gehen, wechselt ein anderer Musiker vom zweiten Schlagzeug an die Gitarre. So passen sie ihre Instrumente an die Stimmung der Songs an. Die Zuschauer gehen die intensive Ballade emotional mit, singen und schwenken die Arme.

Songs mit Tiefgang

Trotz aller Energie erschaffen die Bleachers auch die besonderen Momente mit Tiefgang. Emotional aufwühlend ist "Everybody Lost Somebody". Sänger Jack Antonoff sitzt auf der Bühne, umgreift die Beine des Saxophonisten, als ob er eine Person ist, die er nicht gehen lassen möchte. 

Auch die Lichteffekte sind perfekt an die Stimmung der Songs angepasst. Beim ergreifenden "Chinatown", bei dem es um Mitgefühl und Traurigkeit geht, wechselt das Bühnenlicht in eine blutrote Farbgebung, als Jack Antonoff die Zeilen singt: "Gimme, gimme, gimme, gimme that big red light, and take the sadness out of Saturday night."

Ebenso eindrucksvoll ist die aufwühlende, aber auch temporeiche Ballade "Self-Respect", die zwischen verzweifelter Liebe und Selbstachtung pendelt, dabei emotional unter die Haut geht.

Effektvoll

Ein echtes Schauspiel ist "Rollercoaster". Jack Antonoff zelebriert rund fünf Minuten mit dem Publikum ein überlanges Intro, stellt Fragen und heizt alle Zuschauer an, bevor das Publikum im Saal einen der bekanntesten Songs der Bleachers mit voller Eenergie zelebriert. Mit jedem Song wird gefühlt die Verbindung zwischen Publikum und den Bleachers intensiver. 

Sie schaukeln sich gegenseitig hoch, lassen es auch bei "Let's Get Married" richtig krachen. Total entspannt sind die beiden folgenden Akustiksongs. Jack Antonoff spielt erst Piano bei "91" und dann Gitarre bei "45". Währenddessen sitzen seine Bandkollegen in gemütlicher Runde hinter ihm, chillen und einige rauchen eine Zigarette.

Das große Finale

Das Ende des Abends läutet "Ordinary Heaven" ein. Mitten im Song springt Jack Antonoff hinter den Bühnenaufbau. Seine gesprochene Stimme ist aber noch zu hören. Die Bühne wird dunkel. Nur der Saxophonist steht im leichten Spotlight und spielt seine einsame Melodie. Als der Text endet, wird es komplett dunkel. Das ist der schnelle Übergang in die letzten vier Songs, die sie ohne Pause durchspielen.

Das mitreißende "Tiny Moves" wird ebenso frenetisch abgefeiert wie die bekannten Songs "I Wanna Get Better" und "Don't Take The Money". Aus dem letzten Song "Stop Making This Hurt" wird der gefeierte Abgang hintereinander im Gänsemarsch.

Ein gefeiertes Konzert von Anfang bis Ende. Die Bleachers haben die Energie des Publikums aufgesogen, sie in Spielfreude verwandelt und wieder dem Publikum zurückgegeben.

Setlist:

Drug Free America (Intro, vom Band eingespielt) / I Am Right On Time / Modern Girl / Jesus Is Dead / How Dare You Want More / Alfies's Song (Not So Typical Love Song) / Wake Me / Everybody Lost Somebody / Goodmorning / Me Before You / Chinatown / Don't Go Dark / Self Respect / Wild Heart / Rollercoaster / Let's Get Married / I Miss Those Days / 91 / 45 / Ordinary Heaven / Tiny Moves / I Wanna Get Better / Don't Take The Money / Stop Making This Hurt