Loreena McKennitt setzt ihre musikalische Reise durch ihre drei großen 90er Werke mit der Komplettaufführung von "The Mask and Mirror" fort. Das Konzert bei Summer in The City in Mainz verdeutlicht die Beständigkeit und Klasse der Musik der Kanadierin.

Loreena McKennitts Musik lässt sich schwer in Raum und Zeit einordnen. Die Kanadierin würde das sicherlich als Kompliment verstehen, greift sie doch in ihren Werken vornehmlich auf keltische Traditionen zurück und verarbeitet sie zu musikalischen Stücken, die aus der Tradition leben, aber im Hier und Jetzt bestehen können.

Eindrucksvoll

Es mögen 30 Jahre seit der Veröffentlichung von "The Mask and Mirror" vergangen sein, aber Loreena McKennitts Sopranstimme klingt fast noch so klar und eindringlich wie bei Erstveröffentlichung, was bisweilen Staunen im Publikum auslöst.

Das Konzert profitiert außerdem stark davon, dass McKennitt bei ihrem Konzert von ihren langjährigen Weggefährten Caroline Lavelle (Cello), Brian Hughes (Gitarre, Oud), Hugh Marsh (Violine), Robert Brian (Drums) und Dudley Phillips (Bass) begleitet wird. Die ausgezeichnet aufeinander abgestimmten Musiker entwerfen einen dichten, aber stets einnehmenden Sound, der McKennitts Sopran wunderbar begleitet und inszeniert. 

Traditionell

McKennitts Musik ist ein Zufluchtsort der Schönheit, aber das heißt nicht, dass ihre Lieder eine heile Welt darstellen. Tragische Geschichten, die oft auf keltischen Sagen und der Zeit ihrer Wiederentdeckung im 19. Jahrhundert basieren, finden sich in Songs wie "The Lady of Shalott" oder "The Bonny Swans".

Sie sei einer der analogsten Menschen, den man sich vorstellen könne, erklärt die Kanadierin. Sie glaube an persönliche Gespräche und stehe moderner Technologie und sozialen Medien skeptisch gegenüber. Es ist kein Zufall, dass einer ihrer Songs "The Old Ways" heißt. 

Charmant

Die Stimmung ihrer Songs ist meistens sehnsuchtsvoll, gelegentlich zärtlich und lädt stets zum Eintauchen ein. Das fast rockige "The Bonny Swans" und das beschwingte "Santiago" setzten aber gekonnte Kontrapunkte, so dass nie Eintönigkeit aufkommt.

McKennitt gibt sich als charmante Gastgeberin und Geschichtenerzählerin, kommentiert die unablässig über die Zitadelle fliegenden Flugzeuge, deren Lärm den lauen Sommerabend aber nicht wirklich beinträchtigen kann.

Vielseitig

Sie spielt Klavier, Keyboards, Akkordeon und natürlich Harfe mit großer Ruhe und Souveränität und entführt die Zuschauer in eine Welt, die in sich zu ruhen scheint und die doch unter der Oberfläche ungeheuer spannungsreich ist.

Das Konzert zeigt, wie ausgeglichen die Musik der Kanadierin ist. Es gibt Höhepunkte, aber besonders eindrucksvoll ist die Ausgeglichenheit der Musik. Es gibt einen Grund, warum McKennitt noch immer eine große Anhängerschaft bei ihren Shows zu versammeln mag.

Als das Konzert zu Ende geht, verabschieden die Zuschauer McKennitt mit großem Applaus und Standing Ovations. Lorrena McKennitt hat sie für etwas mehr als zwei Stunden in ihre eigene Welt entführt.

Setlist

Set 1: All Souls Night / On a Bright May Morning / The Gates of Istanbul / Penelope's Song / Ages Past, Ages Hence / Marco Polo / Spanish Guitars and Night Plazas / The Lady of Shalott / The Old Ways / The Mask and Mirror: The Mystic's Dream / The Bonny Swans / The Dark Night of the Soul / Marrakesh Night Market / Full Circle / Santiago / The Two Trees / Prospero’s Speech // Encore: The Mummers' Dance / Dante's Prayer