Ausgerechnet in Mannheim wurde aus dem flotten Dreier mit Judas Priest, Saxon und Uriah Heep ein Duo, aus den beiden britischen Metal-Vorreitern, was mancher Zuschauer erst vor der Halle richtig registriert.
Legenden und ihre Fans
Das Publikum ist mit den Bands gealtert und trägt immer noch ärmellöse Jeanskutten mit Badges und T-Shirts aus der jeweiligen Lieblingsphase der favorisierten Band. Wirklich junger Nachwuchs ist unter den rund 8.000 Zuschauern rar gesät.
Die musikalisch erzkonservative Metal-Gemeinde, die sich nach den schwierigen 90s schon länger wieder an den großen Legenden aus den 80s orientiert, ist absolut willig ihre beiden britischen Legenden zu feiern.
Ein Trend, der die Zeit überdauert hat
Als Ende der 70s der Heavy-Metal-DJ Neal Kay im Londoner Club "The Bandwagon" im Wochenrhythmus Tapes von jungen, britischen Metalbands auflegte, blieb das Genre zwischen Punk und New Wave eine subkulturelle Randnotiz.
Kein ernsthafter Musikkritiker jener Zeit dachte, dass headbangende und Luftgitarre spielende Jugendliche mit langen Haaren in Jeans und Leder als Trend die nächsten 45 Jahre überdauern würden. Weit gefehlt!
Unaufhaltsamer Support
Die Geburtsstunde von Saxon und ihren Albumklassikern "Wheels Of Steel" und "Denim & Leather" liegen in dieser Zeit und so sind es auch an diesem Abend wieder vor allem diese stampfenden Hits, die das Publikum hören will und auch bekommt.
Natürlich müssen Biff Byford und seine Mannen zwei passable Stücke vom neuen Album "Hell, Fire & Damnation" darbieten, aber dann regnet es nur noch die Klassiker. "Crusader" schreitet immer noch siegesgewiss in die Schlacht wie 1984, "Princess Of The Night" grüßt mit seiner unwiderstehlichen Hook und "And The Band Played On" erzählt noch einmal stolz vom "Monsters of Rock" Festival in Donington 1980, bei dem die Band der Witterung trotze.
Alter Haudegen und bewährte Gesten
Der 73-jährige Byford ist das einzige verbliebene Gründungsmitglied und hält zusammen mit Langzeit-Drummer Nigel Glockler und jüngerem Nachwuchs an den Saiten die Fahne hoch.
Er kennt jeden Spruch zur Animation des Publikums. Egal ob "Sing it!", "Make some noise!", "I Can't Hear You" oder die Kutten, die ihm Fans aus den ersten Reihen zuwerfen und die sie später wieder signiert zurückerhalten.
Der Hühne mit der weißen Mähne reckt als Ritual beide Fäuste in die Höhe, zeigt sich als bekennender Fan der englischen Nationalmannschaft und ist sowieso Publikumsliebling auf Lebenszeit. Besonders die Metal-Anhänger im Stehbereich sind jetzt auf Betriebstemperatur und bereit für Judas Priest und ihrem Metal God TM Rob Halford.
Starke neue Songs
Schon die furiosen Intros vom Band heizen die Menge an. "War Pigs" von Black Sabbath und das Tourintro zur neuen Platte "Invincible Shield" bauen eine immense Spannung auf, bis der Nackenbrecher TM "Panic Attack" über die Fans hereinbricht.
Mit unerbittlicher Härte und an die kompromisslos gute Vorgängerplatte "Firepower" von 2018 anknüpfend, zeigt später auch der Titelsong, wo der Hammer im Jahr 2024 immer noch hängt. "Crown Of Horns" vom neuen Album hingegen zeigt die melodisch-hymnische Seite von Judas Priest und hat das Potential zum Fanfavoriten.
Die Implementierung der neuen Songs, neben vielen Songs der klassischen Alben aus ihrer NWOBHM Phase 1978-1982 in die Setlist, gelingt an diesem Abend durchweg.
Suche nach dem Sound und aktuelle Bandbesetzung
"Rapid Fire" und "You’ve Got Another Thing Comin" klingen noch etwas übersteuert und suchen ihre klangliche Mitte. Auch der Klassiker "Breaking The Law" entfaltet an einer frühen Position im Set nicht ganz seine gewohnte Sogwirkung.
Andy Sneap vertritt live immer noch Glenn Tipton an der Gitarre und bietet sich zusammen mit dem neuen Mastermind Richie Faulkner die Twin-Guitar-Duelle, die das Publikum sehen will. Die in schwarzes Leder gekleideten Musiker verschwinden immer wieder hinter schweren roten Vorhängen und Gründungsmitglied Ian Hill am Bass lässt sich den Ventilator um das immer noch lange Haupthaar wehen.
Zeremonienmeister Rob Halford
Es ist ein großer Moment, wenn sich der 72-jährige Engländer an den Bühnenrand setzt und sich beim Publikum bedankt und ehrlich und offen auf die letzten 50 Jahre Heavy Metal mit Judas Priest zurückblickt. Er betrachtet die Anfangstage und erwähnt die ebenfalls aus Birmingham stammenden Black Sabbath, bei denen er sogar mal kurz aushalf. Halford blickt auf die Alben zurück, um am Ende mit seiner markant schrillen Stimme "Invincible Shield" zu schreien.
Rob Halford ist die Integrationsfigur des klassischen Heavy Metal. Ein Mann, der durch viele Feuer ging und immer noch als Metal God die Fahne hochhält. Seine einstige 4½ Oktaven-Stimme und die klassischen "Halford Screams" sind an diesem Abend mit zahlreichen Effekten und Hall versehen. Er mag gealtert sein aber seine Anziehungskraft als Frontmann ist ungebrochen.
Mit Turbo Lover in Richtung Ekstase
"Turbo Lover" nimmt jetzt alle mit. Halford lässt den Refrain vom Auditorium singen und vergessen sind alle bösen Worte um den Einsatz von Gitarren-Synthesizern im Jahr 1986. Der Song ist ein Klassiker und das unverwüstliche "The Green Manalishi" hält die Stimmung hoch.
Scott Travis flachst von seinem Schlagzeugpodest aus mit dem Auditorium und fragt nach Publikumswünschen. Sein gewaltiges Schlagzeugintro zu "Painkiller" ist legendär. Der Song nimmt dann wirklich jeden Schmerz und bricht aus den Boxen wie im Jahr 1990, als sich Judas Priest soundtechnisch einen wahren Metallpanzer zulegten. Die SAP-Arena kocht fast über.
Classic Priest: Zugaben auf der Harley
Das wahrlich höllische Intro "The Hellion" und "Electric Eye" vom prominent vertretenen Album "Screaming For Vengeance" sind ein unschlagbarer Einstieg in den Zugaben-Block. Halford fährt auf der Harley vor und bei "Hellbent For Leather" und "Living After Midnight" gibt es kein Halten mehr.
Die Band posiert ikonisch um das Motorrad und Halford gibt ganz in schwarzes Leder gekleidet, mit Kappe und Peitsche den Taktgeber. Judas Priest sind voll in ihrem Element und haben die Menge in der Hand. Die Band bedankt sich danach herzlich und ausschweifend bei den Fans.
Halford verspricht zum Schluss "The Priest will be back" und passenderweise verabschiedet "We Are The Champions" vom Band das Publikum in eine hitzige Mannheimer Sommernacht.
Setlist Saxon
Hell, Fire And Damnation / Motorcycle Man / Power And The Glory / Madame Guillotine / Heavy Metal Thunder / Crusader / Strong Arm Of The Law / Denim And Leather / Wheels Of Steel / And The Bands Played On / 747 (Strangers In The Night) / Princess Of The Night
Setlist Judas Priest
Invincible Shield Tour Anthem / Panic Attack / You've Got Another Thing Comin' /Rapid Fire / Breaking The Law /Riding On The Wind / Love Bites / Devil's Child / Saints In Hell / Crown Of Horns / Sinner / Turbo Lover /Invincible Shield / Victim Of Changes / The Green Manalishi (With the Two Prong Crown -Fleetwood Mac Cover) / Painkiller / The Hellion / Electric Eye / Hell Bent For Leather / Living After Midnight













