Der Karlstorbahnhof ist an diesem Montagabend erfreulich gut gefüllt: Ein sehr gemischtes Publikum ist gekommen, um Alvvays zu erleben: junge Fans, Musik-Nerds und junge Musik-Nerds.
Der Grund ist leicht: Die in Toronto ansässige Band hat in den zehn Jahren ihres Bestehens drei gleichermaßen hervorragende Alben mit melodischem, mitreißendem Indie-Rock veröffentlicht.
Auf den Schultern von Riesen
Ihr letztes Werk "Blue Rev" von 2022 kombiniert große Indie-Rock-Melodien mit Anklängen an Big Star, Felt, The Smiths, My Bloody Valentine, Beach House und erinnert an die Zeit, als gitarrenbasierter Indie-Rock der heiße Scheiß war.
"Blue Rev" steht auch im Mittelpunkt ihres Auftritts im Karlstorbahnhof, denn die Band spielt das Album tatsächlich in voller Länge. Dabei zeigt sich, dass die Live-Performance im Vergleich zur Studioversion keine grundsätzlich neuen Erkenntnisse mit sich bringt.
Durchdringend und distanziert
Das ist keineswegs negativ gemeint: Die Melodien strahlen hell und klar und die eindringliche Stimme von Molly Rankin durchflutet den Saal. Die jangeligen Gitarren flirren und Keyboard-Kaskaden wabern über das Publikum.
Nur zum Kuscheln ist hier nichts. Sängerin Molly Rankin gibt sich wie der Rest der Band in bester Shoegaze/Dream-Pop-Manier etwas distanziert. Wer auf lange Erklärungen, lustige Anekdoten oder ähnliches Wert legt, ist hier falsch.
Highlights zuhauf
Die Band eröffnet mit zwei der besten Songs von "Blue Rev" und hat das Publikum sofort auf seiner Seite, bevor "In Undertow" von ihrem zweiten Album "Antisocialites" den glänzenden Start in den Konzertabend beschließt.
Highlights gibt es auch in der Folge zuhauf, beispielsweise "Bored in Bristol", "Belinda Says" oder "Dreams Tonite", das die Musik der Band in einem Song zusammenfasst. Für die größte Begeisterung sorgt dann aber ihr größter Hit: "Archie, Marry Me" von ihrem Debütalbum, der die Zuschauer zum Springen und Tanzen bringt.
Die Zugabe hält die Energie mit "Pharmacist" und "Next of Kin", ebenfalls vom Debüt, hoch. Das Publikum sonnt sich noch einmal in der von der Bühne über sie hinwegströmenden Energie. Man geht danach etwas leichter in die sommerliche Nacht.


