Das Kulturzentrum Schlachthof in Wiesbaden ist schon alleine immer eine Reise wert. Schöner Aussenbereich, tolles Ambiente innen, gute Akustik und sehr nettes Personal. Und das Bier ist nicht, wie sonst, das günstigste Getränk, denn ein Mineralwasser kostet nur einen Euro. Das sollte eigentlich immer so sein.
Zudem ist die Halle gut gefüllt, sicher auch weil die letzte Garbage Tour schon 5 Jahre zurückliegt. Im Publikum sind alle Altersstufen und erwartungsgemäß auch viele interessante Outfits vertreten.
Grandioser Einstieg
Der Support Act, die schottische Band Lucia & The Best Boys kommt verdientermaßen mit ihrer Mischung aus Indie und Synthpop beim Publikum sehr gut an. Beim Sound und der Lightshow werden hier nicht, wie so oft, Abstriche gemacht.
Überhaupt war die Lightshow den ganzen Abend unter anderem durch die vielen auf der Bühne verteilten Lichtsäulen sehr interessant und stylish gestaltet.
Sängerin Lucia Fairful wirkt auf der Bühne, als wäre sie über 2 Meter groß und beeindruckt sowohl mit ihrer Performance als auch mit ihrer Stimme, die bis in höchste Höhen vordringt. Die Songs erinnern vom Arrangement, aber auch aufgrund der hohen Stimme von Lucia, manchmal sogar an Kate Bush.
Charismatischer Hauptact
Schon im ersten Song "Crush" teilt die gutgelaunte und charismatische Shirley Manson dem Publikum mit, dass sie "beten, stehlen, töten und sogar sterben" würde. Auch ihr buntes Outfit mit Schottenrock und grünen Strümpfen ist sehenswert.
Die Stimmung ist von Anfang an super: Es wird viel getanzt und mitgesungen. Neben den beiden alten Mitstreitern Duke Erikson und Steve Marker an Gitarre und Keyboards und dem sehr groovigen Schlagzeuger Butch Vig, der übrigens damals das legendäre Album "Nevermind" von Nirvana produziert hat, wird Bassistin Ginger Pooley mit der Begründung willkomen geheissen, daß Shirley nicht noch einen "Penis", sondern lieber noch ein paar "Tits” und eine "Vagina" in der Band haben wollte.
Ein anderer Grund wird aber sicher die musikalische Qualität ihres Auftritts und das gute Zusammenspiel mit Butch Vig gewesen sein. Kein Wunder, denn sie hat früher den Bass bei den Smashing Punpkins und Gwen Stefani bedient und auch schon mit Grössen wie Slash, Tom Morello oder Flea zusammengespielt.
Großes Vergnügen
Die insgesamt 22 Songs aus allen Schaffensphasen von Garbage lassen zu keinem Zeitpunkt Langeweile aufkommen. Als einziges Cover gibt es in der zweiten Hälfte eine rockige Version von Siouxsie and the Banshees "Cities in Dust" zu hören.
Ein Wermutstropfen ist der Sound bei Garbage. Der Gesang ist zwar schön im Vordergrund, aber Butch Vigs Schlagzeug war etwas zu dominant und mächtig und erschlägt die gute Gitarrenarbeit manchmal etwas.
Mit den beiden noch fehlenden Hits "Milk" und "Only Happy When It Rains", das interessanterweise als Klavierballade beginnt und sich dann aber wieder zum Rocker steigert, findet das Konzert seinen krönenden Abschluss.
Die "pour your misery down on me" Chöre aus dem Publikum unterstützten nochmal die gute Stimmung an einem wirklich gelungenen Konzertabend, der noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Setlist
#1 Crush / Godhead / Think I'm Paranoid / Cherry Lips (Go Baby Go!) / Special / The Men Who Rule the World / Metal Heart / Run Baby Run / Hammering in My Head / The Creeps / The Trick Is to Keep Breathing / Bleed Like Me / Stupid Girl / Wolves / No Gods No Masters / Cities in Dust / Vow / When I Grow Up / Why Do You Love Me / Push It // Milk / Only Happy When It Rains


