Gerade noch waren die fünf Musiker aus Hamm als Support-Act mit Louis Tomlinson auf großer US-Tour, jetzt stehen sie auf dem Mannheimer Maimarkt Gelände und feiern im Palastzelt gemeinsam mit ihren Fans den erfolgreichen Start in eine Reihe weiterer Deutschlandkonzerte im Rahmen ihrer "How Have You Been?"-Tour.

Bevor die Giant Rooks jedoch die Bühne betreten, stimmt das Electronica-Duo Ätna das Publikum auf den Abend ein.

Mit bewegbaren Mischpult, Diskokugel-Helm und Laserschwert-Taschenlampe ist der Auftritt von Demian Kappenstein und Inéz Schaefer nicht nur ein echter Hingucker. Auch musikalisch überzeugen die beiden mit ihren Songs, die sich gekonnt über Genregrenzen hinwegsetzen.

Textsicher durch ein Jahrzehnt

Anschließend betreten die Rooks die Bühne. Nach dem ersten Song "For You", begrüßt Sänger Fred Rabe das bereits jetzt völlig begeisterte Publikum mit den Worten, wie schön es doch sei, wieder zuhause zu sein. Die Freude beruht ganz auf Gegenseitigkeit. Das Publikum zeigt sich von Beginn an euphorisch und textsicher – auch bei den ganz neuen Liedern.

Allgemein begibt sich die fünfköpfige Gruppe auf eine kleine Reise quer durch die Werke ihrer inzwischen bereits zehnjährigen Bandgeschichte. Mit "Bright Lies", "New Estate" und "Mia & Keira (Days To Come)" hat die Band dabei auch ein paar Lieder ihrer allerersten EP im Gepäck.

Zu viele Hits für ein Konzert

Ein paar Publikumslieblinge können an diesem Abend nicht gespielt werden, was jedoch nicht bedeutet, dass die Setlist einen Abtrag erleidet, sondern vielmehr dafür spricht, dass die Giant Rooks inzwischen eine Hitdichte aufweisen, denen ein Konzertumfang nicht mehr gerecht wird.

Als ein paar Fans die Band zu einer Runde Rock-Paper-Scissors auffordern, um diese dazu zu bewegen "Fake Happiness" oder "Misinterpretations" zu spielen, vertröstet Rabe diese mit dem Versprechen, die Songs in die Setlist der nächsten Tour aufzunehmen. 

Der Wunsch nach "Nightingales Of The Walled City" – einem Song, den die Giant Rooks lediglich live performen – sowie die vielen Bandshirts im Publikum verdeutlichen, dass die Show an diesem Abend für einen großen Teil der Besucher*innen nicht das erste Giant Rooks-Konzert ist.

Mit Liebe zum Detail

Dass viele Fans gleich mehrere Shows der Giant Rooks besuchen, ist wenig überraschend, bedenkt man mit wie viel Liebe zum Detail die Band ihre Konzerte inszeniert.

Zeitweise sind gleich zwei Kameras auf der Bühne unterwegs, die alles, was dort vor sich geht auf den Backscreen sowie die zwei seitlich angebrachten Leinwände projizieren. Während "Bedroom Exile" übernimmt dann auch mal Rabe die Kamera und transportiert kurzerhand das Publikum auf die Bildschirme.

Gelungene Inszenierung

Als "What I Know Is All Quicksand" anklingt, wird die Bühne in Nebel getaucht, die Band erscheint im Gegenlicht und wird damit passend zum Liedtext von der Szenerie verschlungen. Nach und nach verstummen die einzelnen Instrumente, bis nur noch die Akkustikgitarre, dann nur noch die Stimme von Rabe zu hören ist, bis am Schluss wieder das gesamte Ensemble zusammenkommt.

Bei "Fight Club" ist die Bühne zunächst komplett in ein eindringliches Rot getaucht, aber nach und nach kämpft weißes Licht gegen dieses an, scheint es auf dem Boden halten zu wollen und gewinnt die Bühne am Ende für sich.

Ein mysteriöses Klavier, das zwar die ganze Zeit mitten auf der Bühne steht aber nie bespielt wird kommt letztendlich dennoch zum Einsatz, indem es Rabe immer wieder als Podest benutzt, von dem er jedes Mal in einem großem Bogen hinunterspringt – und einmal sogar seine Gitarre wirft. Neben der Gitarre regnet es an diesem Abend auch jede Menge Konfetti.

Nicht nur das Publikum ist aufmerksam

Während all das vor sich geht, verliert die Gruppe jedoch ihr Publikum nicht aus den Augen. Als sie durch Handzeichen auf einen medizinischen Vorfall aufmerksam wird, unterbrechen die Giant Rooks das Konzert und schicken ein paar Sanitäter in die entsprechende Richtung.

Bassist Luca Göttner verteilt bereits während dem Konzert fleißig Plektren im Publikum und Schlagzeuger Finn Thomas verschenkt am Ende seine Schlagzeugsticks. 

Quer durch die Zuschauenden

Als die Giant Rooks für die beiden Songs "Wild Stare" und "Watershed" nach lautstarker Zugabeforderung noch einmal auf die Bühne kommen, verlässt Rabe diese direkt wieder und taucht singend im Publikum unter.

Auch als das letzte Lied beendet ist und sich die Band noch einmal ausführlich bei ihrem Publikum bedankt hat, bleibt sie noch ein paar Minuten, um Fans die Möglichkeit zu geben, kurz mit ihnen in Austausch zu treten. Das ist heute eher selten geworden, aber ein schönes Zeichen, wie nahe sich Band und Fans sind.

Setlist

For You / Heat Up / Bright Lies / Pink Skies / Bedroom Exile / Under Your Wings / Cold Wars / New Estate / What I Know Is All Quicksand / Flashlights / Fight Club / Morning Blue / Mia & Keira (Days To Come) / Somebody Like You / Zugabe: Wild Stare / Watershed