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Deichkind (live in Frankfurt 2020) © Torsten Reitz

Krawall und Remmidemmi: Deichkind sind zurück und bringen mit einem kunterbunten Mega-Set über zwei Stunden gepflegte Eskalation in die ausverkaufte Festhalle Frankfurt. Richtig gutes Zeug.

Schmeisst die Möbel aus dem Fenster, die Kombo mit dem Dreieck ist wieder am Start! Mit neuer Platte "Wer sagt denn das?" und neuer Show im Gepäck machen Deichkind Halt in der Festhalle Frankfurt. Die Bude voll People, das Bier läuft, die Meute ist bereit, ans Limit zu gehen.

Lars Eidinger scheint bei Deichkind wohl ein Praktikum zu machen, so oft ist er in deren Videos zu sehen. Im Einspielfilmchen mutiert der Schauspieler zum Aktionskünstler und malt fast nackt und hängend an einem Seil als menschlicher Pinsel ein – ja was eigentlich? Es hat jedenfalls viel Farbe.

Die Party ist tot. Lang lebe die Party!

In bester Krawall und Remmidemmi-Manier schallt es selbstironisch von der Bühne "Wir woll'n keine Party. Was fällt euch eigentlich ein?!" Die Strobolichter untermalen das Gestampfe. Der Bass ballert. "Wollt ihr die ganze Show sehen?" Aber sicher doch!

Deichkind haben einen umfangreichen Trip vorbereitet mit neuem Material und altbewährten Showelementen. Richtig gutes Zeug wie die Stimmungsgaranten "So'ne Musik", "Illegale Fans", die Arbeiterhymne "Bück dich hoch" und natürlich "Remmidemmi" treiben die Fans ans "Limit" und ertönen aus tausenden Kehlen. Man hört wirklich die gesamte Halle. Die Stimmung ist ansteckend.

Dagegen sind Nummern wie "Knallbonbon", "Voodoo" oder der Traptrack "Ich bin ein Geist" Füllmaterial. Deichkind haben die Setliste jedoch clever arrangiert und diese Songs in die erste Hälfte gepackt.

Am Puls der Zeit

Die Hamburger schaffen es wie kaum ein anderer Act gesellschaftliche Themen mit Ironie und Sarkasmus so auf den Punkt zu bringen. Auf der neuen Platte werden Zukunftsthemen wie autonomes Fahren durch den Kakao gezogen. "Hallo Herr Wachmann, ich fahr gar nicht mehr".

Auch der sinnlose Konsum bekommt bei "Dinge" und "Gewinne Gewinne" sein Fett weg. Dazu laufen auf der Bühne Leute als (Geld)waschanlage rum. Sein "Richtig gutes Zeug" hat Kryptik Joe in einem riesigen Backpacker-Rucksack verstaut. Deichkind sind am Puls der Zeit.

Noch ein paar originelle Showelemente hätte man sich bei dem neuen Material aber schon überlegen können. Eine Deichkind-Show lebt auch vom Visuellen. Hier setzt man auf Altbewährtes und viele Choreos, die mehr an eine Mischung aus Theater-AG und Kindergeburtstag erinnern.

Hits und Highlights

Zerstörte Appartements, meterhohe Bierfontänen, wilde Feierei. Ein weiterer Clip auf der Leinwand zeigt Auschnitte aus dem Tour- und Festivalleben der Deichkinder. Wo Deichkind drauf steht, ist Party drinnen. Die zweite Hälfte des Abends ist deutlich dynamischer und gespickt mit Hits und Highlights.

Mit "Komm schon" und "Bon Voyage" gibt es Old-School-HipHop auf die Ohren und auch der internationalen Getränkequalität wird gehuldigt. Mittlerweile eine Tradition bei Deichkind und eine Möglichkeit auf Freibier für die ersten Reihen.

Das Fass!

Dann geht es mit dem legendären rollenden Fass auf Tuchfühlung durch die Arena. Wer zum ersten Mal erlebt wie die Deichkinder direkt an einem selbst vorbeifahren, ist schwer euphorisiert. Zum Abschluss wird bei "Limit" Konfetti geschossen und bei der Partyhymne "Remmidemmi" ein letztes Mal gepflegt eskaliert – natürlich mit Schlauchboot in der Menge und Hüpfburg auf der Bühne. Dann endet der Deichkindergeburtstag.

Als Fazit bleibt zu sagen: Ne, hat mir wirklich gut gefallen. Musste mal sehen. Kann man sich mal angucken. Richtig lange Show. Und in ihrer Gesamtheit einzigartig.

Setliste

Keine Party / Richtig gutes Zeug / So'ne Musik / Dinge / Quasi / Knallbonbon / Endlich autonom / Party 2 / Cliffhänger / Die Welt ist fertig / Wer sagt denn das? / Voodoo / Ich bin ein Geist / Gewinne Gewinne / llegale Fans / Bück dich hoch / Leider geil / Komm schon / Bon Voyage / Alles außer Sunshine / Arbeit nervt / Bude voll People / Roll das Fass rein / Niveau Weshalb Warum / Hört ihr die Signale / 1000 Jahre Bier / Sonate in F-Doll / Limit // Remmidemmi (Yippie Yippie Yeah)

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