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Opeth (live in Wiesbaden, 2019) © Peter H. Bauer

Mit ihrem aktuellen Album "In Cauda Venenum" machen Opeth im Schlachthof Wiesbaden Station und beeindrucken ihre Fans mit einem abwechslungsreichen Set und spielerischen Fähigkeiten, die über jeden Zweifel erhaben sind.

Im Studio haben sich Opeth schon vor Jahren von ihrer Death-Metal-Vergangenheit gelöst. Auf ihre Konzerte trifft dies allerdings nicht zu, sodass man von der Band stets ein sehr vielseitiges Set erwarten kann, dass alle Stärken der Band in sich vereint. In Wiesbaden ist das sicher der Fall.

Da das aktuelle Album "In Cauda Venenum" auf sehr gute Kritiken gestoßen ist, wäre es anzunehmen, dass Opeth sich vor allem auf dieses konzentrieren. Und obwohl drei Songs des Albums ihren Weg in die Setlist finden, ist das Konzert dennoch sehr ausgeglichen und bevorzugt ansonsten weder eine Phase, noch ein bestimmtes Album der Band.

We come from the land of ice and snow

Bevor jedoch die Headliner die Bühne betreten dürfen The Vintage Caravan zeigen, was sie so können - und das ist nicht unbedingt wenig. Zumindest live zählt das isländische Trio zu den besten Vertretern der inzwischen wieder abgeflauten Retrorock-Welle. Blickfang ist dabei Bassist Alexander Örn Númason, dessen Energielevel schlicht beeindruckend ist.

Highlight des etwa dreiviertelstündigen Auftritts ist "Innerverse", ein sehr abwechslungsreicher Song vom 2015er Album "Arrival", bei dem vor allem Gitarrist Óskar Logi Ágústsson zu beeindrucken weiß, sei es mit gefühlvollen Soli oder harschen Riffs. Überhaupt klingt die Band live um einiges roher als auf Platte, was ihr definitiv gut zu Gesicht steht.

Audiovisuelle Kollaboration

Der Opeth-Auftritt beginnt mit dem ersten Song des aktuellen Albums, "Livets Trädgård", der vom Band erklingt. Schon hier fällt die Leinwand auf der Bühne auf, die den gesamten Auftritt mit sehr unterschiedlichen visuellen Eindrücken unterstützen wird.

Beim ersten richtigen Song handelt es sich um "Svekets Prins", ebenfalls von "In Cauda Venenum". Hier fallen zunächst zwei Dinge auf: Die Band ist unglaublich gut aufeinander eingepielt - und Mikael Åkerfeldt singt auf Schwedisch. Letzteres ist nur konsequent, denn das neue Album wurde sowohl auf Englisch als auch auf Schwedisch eingesungen und laut der Band ist letztere Version die "richtige".

Auf den Einstieg mit aktuellem Material folgt mit "The Leper Affinity" von "Blackwater Park" der erste Klassiker und die Publikumsreaktionen sind mehr als nur euphorisch. Die beeindruckende Lautstärke, die das Publikum teilweise erreicht sind jedoch kaum überraschend, wenn man betrachtet, wie extrem gut gefüllt der Schlachthof an diesem Abend ist.

Gesangliche Finessen

Bei "The Leper Affinity" packt Åkerfeldt auch erstmals bei diesem Auftritt seinen Death-Metal-Gesang wieder aus - und der ist nach wie vor vollkommen großartig. Besonders beeindruckend fällt sein Wechselgesang später im Set bei "The Lotus Eater" auf. Es ist vollkommen unglaublich, wie diese beiden grundverschiedenen Stimmen aus dem selben Menschen kommen können.

Selbstverständlich ist aber nicht nur Åkerfeldt selbst beeindruckend. Es fällt schwer, einen der anderen Musiker hervorzuheben, auch wenn Gitarrist Fredrik Åkesson sicherlich erwähnenswert ist. Doch das sind seine Mitmusiker ebenfalls, das spielerische Niveau von Opeth ist ein ums andere Mal erstaunlich.

Das Spannende an ihnen ist, dass sie anders als andere Prog-Bands nicht auf ewige Solo-Eskapaden setzen, um ihr Können zu beweisen. Stattdessen wirkt es als würde sich die gesamte Band in einen kollektiven Rausch spielen, der jedoch immer kontrolliert scheint. Genau diese Kontrolle mag die Band für manche langweilig machen, doch gerade live ist das Ergebnis bewundernswert.

Ein ausgewogenes Set

Im weiteren Verlauf des Konzertes kommen auch die älteren Alben "Ghost Reveries" und "Damnation" noch zum Zuge. Das veranlasst Åkerfeldt dazu, zu erklären, dass Opeth stets versuchen, einen dynamischen Mittelweg zwischen ihren musikalischen Ausrichtungen zu finden.

Ein tolles Beispiel für einen Song, der viele Elemente der Band in sich vereint, ist "Moon Above, Sun Below" vom "Pale Communion"-Album, vielleicht das absolute Highlight des Abends. Åkerfeldt kündigt den Song als sehr kompliziert an, aber umso beeindruckender ist das vielseitige und mitreißende Ergebnis.

Einen schönen Kontrapunkt zur doch sehr ernsthaften und auch kopflastigen Musik von Opeth setzen wie immer Mikael Åkerfeldts humorvolle und oft auch alberne Ansagen. So erzählt er von grimmigen Plattenladen-Besitzern in Wiesbaden und einem furchtbaren Auftritt in einem mexikanischen Restaurant in Salt Lake City.

Es geht auf das Ende zu

Als Abschluss des regulären Sets wählen Opeth den aktuellen Song "Allting Tar Slut", dessen hymnisches Ende eigentlich absolut optimal wäre um ein Konzert zu beenden. Doch selbstverständlich lassen die Schweden ihre zahlreich angereisten Fans nicht ohne Zugaben nach Hause gehen.

Der Zugabenblock beginnt mit "Sorceress", einem für Opeth-Verhältnisse relativ eingängigen und für die späte Phase relativ harten Song. Nach diesem stellt Åkerfeldt die Band vor, bevor er den letzten Song als Longtrack ankündigt. Es folgt das 13-minütige "Deliverance", bei dem die Band wirklich noch einmal alle Register ihres Könnens zieht.

Auf dem Papier sollten Opeth keine aufregende Liveband sein. Durch Mikael Åkerfeldts Ausstrahlung, die beeindruckenden technischen Fähigkeiten und das zwar nicht immer eingängige, aber trotzdem hochklassige Songmaterial gelingt es ihnen in Wiesbaden problemlos das Publikum für zwei Stunden zu fesseln.

Setlist Opeth

Livets Trädgård (Intro) / Svekets Prins / The Leper Affinity / Hjärtat Vet Vad Handen Gör / Reverie/Harlequin Forest / Nepenthe / Moon Above, Sun Below / Hope Leaves / The Lotus Eater / Allting Tar Slut // Sorceress / Deliverance

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