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Eels (live in Mannheim 2018) © Rudi Brand

Die Eels sind für ihre stets unterschiedlichen Live-Shows bekannt. In der Batschkapp Frankfurt überraschen sie mit einer rockigen Show mit vielen Cover-Versionen und brechen nebenbei mit ihrem Image.

Bevor die Eels um Mastermind Mark Oliver Everett (der Welt bekannt als "E") die Bühne betreten, bekommt das Publikum in der gut gefüllten Batschkapp erst noch etwas anderes geboten. Als Support-Act spielen Chaos Chaos, zwei junge Frauen im Dresden-Dolls-Line-up (Piano & Drums).

Aus Smoosh wurden Chaos Chaos

Sie beginnen ihre Show mit einem Cover von The Velvet Undergrounds "Pale Blue Eyes", das als Piano-Ballade beginnt und sich dann zu einer eigenständigen Neuinterpretation steigert, die die unterkühlte Melancholie des Originals nach außen kehrt. Das liegt vor allem am ausdrucksstarken Gesang von Sängerin Asya Saavedra, die jedem Song eine eigene Note verleiht.

Tatsächlich könnten ältere Eels-Fans Chaos Chaos noch unter dem Namen Smoosh kennen: 2006 tourten die beiden Schwestern (mit 14 und 12 Jahren!) unter diesem Namen mit E & co. und hatten auch einen Gastauftritt auf dem Live-Album Live and in Person!.

Zum Auftakt etwas Rock-Geschichte

Auf dem ersten Blick gibt es wenige Gemeinsamkeiten zwischen Chaos Chaos und den Eels, vor allem nicht in der Rock-Variante letzterer. Doch eine gibt es: beide beginnen ihre Sets mit Coverversionen. Die Eels sogar mit sage und schreibe drei (!) Stück und drei weitere werden im weiteren Verlauf der Show folgen (gecovert werden u.a. The Who, Prince, The Rolling Stones, The Beach Boys). Erst mit dem vierten Stück "Bone Dry" singt E einen Song, den er auch selbst geschrieben hat.

"Bone Dry" ist nur einer von drei Songs vom aktuellen Album, die sich in die Setlist verirren. Der Rest liest sich wie ein Best of: "My Beloved Monster", "I Like Birds", "Novocaine for the Soul", "Souljacker Part I"… Mit Ausnahme der Rock-untauglichen "End Times" und "The Cautionary Tales of Mark Oliver Everett" ist jedes Eels-Album im Set vertreten.

In neuem Gewand

Man täte den Eels aber Unrecht, wenn man behaupten würde, sie würden einfach nur ihre beliebtesten Songs runterspielen.

Viele Songs klingen nicht nur anders als auf Platte, die Band spielt sie in komplett neuen Versionen, darunter eine Riff-lastige Version von "Novocaine for the Soul". "Dirty Girl" beschreitet hingegen den Mittelweg zwischen seiner lebhaften Album-Version (von "Shootenanny!") und der traurigen Singer/Songwriter-Variante (von "Live at Town Hall").

Comedy-Elemente

Die Eels werden, nicht zuletzt wegen E’s tragischer Familiengeschichte, die er so mitnehmend auf Alben wie "Electro-Shock Blues" oder "Daisies of the Galaxy" verarbeitet hat, als traurige Band wahrgenommen. Auf der aktuellen Tour räumen sie mit diesem Image auf. Dass E einen sehr ausgeprägten Sinn für Humor hat, wissen die meisten Fans, aber dieses Mal kann man schon von regelrechten Comedy-Elementen sprechen.

Es bleibt nämlich nicht nur bei E’s Ansagen, in denen er so gerne Rock-Klischees parodiert ("Are you ready to soft rock, Frankfurt?!"). Als die Band vorgestellt wird, packt er eine Anekdote über Gitarrist The Chet aus, der mit 17 einmal einer Einladung zu einer Art Model-Casting gefolgt sei und daraufhin seine Qualitäten auf dem Laufsteg unter Beweis stellt.

Während der Minuten-langen Feedback-Orgie von "Souljacker, Part I" kommt dann ein Roadie auf die Bühne und rollt einen roten Teppich aus, auf dem alle Bandmitglieder (außer E selbst) selbiges tun.

Im Fokus: Lebensfreude

Ist das jetzt ein Bruch mit der Melancholie, für die die Band ja nicht zu Unrecht steht? Nicht unbedingt, denn die melancholischen Momente der Eels dienen ja der Suche nach der Freude am Leben, die E am Ende eigentlich jeden Albums dann auch findet. Wie das in dieser Hinsicht heftigste Album "Electro-Shock Blues" auch endet die reguläre Setlist mit "PS. You Rock My World", dem Song mit der unsterblichen Zeile "I was at a funeral the day I realized I wanted to spend my life with you".

Wenn man E gut 20 Jahre, nachdem er diese Zeile geschrieben hat, auf der Bühne seine Späße treiben, seinen Vorbildern huldigen und sein Lebenswerk zelebrieren sieht, bleiben wenig Zweifel, dass er sie inzwischen gefunden hat, die Lebensfreude. Zumindest hat er sichtlich Spaß. Zum Schluss stellt er sich an den Bühnenrand und gestikuliert Umarmungen ins Publikum. "We should do this again some time", ruft er. Definitiv, das sollten wir.

Setlist

Out in the Street / Mississippi Delta / Raspberry Beret / Bone Dry / Flyswatter / Dog Faced Boy / I Need Some Sleep / Dirty Girl / Daisies of the Galaxy / Prizefighter / She Said Yeah / Tremendous Dynamite / Open My Present / You Are the Shining Light / My Beloved Monster / I’m Going to Stop Pretending That I Didn’t Break Your Heart / I Like the Way This Is Going / Little Joe! / Today Is the Day / Novocaine for the Soul / Souljacker, Part I / I Like Birds / PS. You Rock My World // Fresh Feeling // Mr. E’s Beautiful Blues / Fresh Blood / Medley: Love and Mercy – Blinking Lights (for Me) – Wonderful, Glorious – The End

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