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Ariana Grande (live in London, 2019) © Getty Images/Kevin Mazur

Der Tourauftakt von Ariana Grande bietet eine Show mit großer Unterhaltung. Mit viel Licht, gut inszenierter Laune und ihrer ausgeprägten Stimmpower begeistert sie ihr Publikum. Dennoch scheint die Sängerin etwas verloren zu haben.

Die Besucher in der mit über 17.000 Besuchern ausverkauften Lanxess-Arena erwarten mit Spannung den deutschen Tourauftakt von Ariana Grande. Eines ist aber von Beginn an offensichtlich: Der Terroranschlag von Manchester hat das Leben von Ariana Grande spürbar verändert.

Nicht nur, dass vor dem Konzert die Halle mit Sprengstoffspürhunden abgesucht wird und in der Halle nur durchsichtige Beutel erlaubt sind. Auch ein vorher geplantes Fan-Treffen wurde kurzfristig abgesagt, da Ariana Grande offenbar mit Panik- und Angstzuständen zu kämpfen hat.

Aufgetischt

Die Show startet mit ohrenbetäubendem Geschrei, als sich der Boden öffnet und ein riesiger Tisch mit Sitzbänken herauffährt. Ariana räkelt sich lasziv inmitten ihrer Dance-Crew, singt dabei als Opening "Raindrops (An Angel Cried)". Sie ist trotz leicht verzerrtem Sound gut zu hören und zieht auf der Bühne eine sehr unterhaltsame Show ab.

Die Videowand im Hintergrund der Bühne ist ein besonders stylisches Element, da sie durch die hervortretende Rundung zu einer Art verzerrtem Spiegel der Bühnenshow wird. Ariana Grande und ihre Crew liefern eine sexy Dance Show von "God Is A Woman" bis zum ersten Rundlauf um den Inner Circle. Als Highlight gibt es einen Lap-Dance der Girls samt Ariana für ihre Tänzer, die auf mehreren Stühlen auf dem Rundweg sitzen. So kommen die Fans im Innenraum ganz nah an Ariana ran.

Stimmexplosion

Es fasziniert, wie perfekt die Songwriter die Musik auf die Stimme von Ariana Grande zuschneiden. Ein Song wie "Be Alright" ist die perfekte Symbiose aus groovendem Rhythmus und Arianas mitreißendem Gesang. Das absolute Highlight ist der Moment, als sie stimmlich bei "Sweetener" plötzlich nach oben ausbricht: Ihre 4 1/2 Oktavenstimme zerreißt förmlich den Raum, sie schmettert ihre ganze Power mitten durch die bunte Lichterwelt dieser ekstatischen Dance-Party.

Die ganze Show besitzt den Charakter einer quietschebunten Mädchenwelt. In gewisser Weise symbolisiert sie eine Wunschvorstellung abseits des Terrors, den sie in der realen Welt erlebt hat. Die ausgelassene Power-Party von "Side To Side", ein pinker Traum mit rosa Klamotten und rosa Auto auf der Bühne bei "7 Rings" oder der nachgezogene Lippenstift in der Choreo von "Make Up", die Show scheint ihre Vorstellung einer perfekten Welt zu sein.

Effektvoll

Für die ganz besondere Atmosphäre sorgt im 4. Block die große Kugel, die von der Decke herab schwebt. Zunächst als beleuchtetes Zentrum eines großen Lichterspektakels bei "NASA" wird daraus für "Only 1" ein Abbild des Mondes, der sich nun über Ariana dreht. Dazu singt die Sängerin mit so viel Kraft und Ausdruck, es ist wirklich beeindruckend.

Mit voller Wucht läuft die Show auf das große Finale zu. Mit "Into You" heizt sie die Stimmung wieder mächtig an und bringt mit dem elektrisierenden Dance-Rhythmus die Halle zum Tanzen. Die Zuschauer, die von Anfang an auch auf den Rängen fast durchgehend stehen, sind wie bei "Dangerous Woman" stets voll in Bewegung, auch bei ihrem Dance-Hit "Break Free".

Das Finale

Mit dem Smash-Hit "No Tears Left To Cry" setzt sie einen weiteren Höhepunkt. Sie läuft mit Regenschirm über die Bühne, das Publikum singt und tanzt dazu. Der Abschluss "Thank U, Next" gleicht dem perfekten Mädelsabend. Ariana zieht entspannt mit ihren Dance-Girls los, nicht ohne an der passenden Stelle wieder eine Explosion ihrer Powerstimme loszulassen.

Mit Regenbohnenfahnen in der Hand und jetzt mit der ganzen Dance-Crew geht es im Flittergewitter noch einmal über den Rundweg nah zu den Fans, bevor sie unter großem Geschrei im Bühnenboden versinken.

Die Unschuld verloren

Die Zuschauer erleben eine perfekt inszenierte Show, der es stellenweise etwas an echtem, persönlichem Zugang mangelt. Aber vielleicht kann Ariana Grande gerade nicht anders.

Die unbekümmerte, wild aus dem Fenster der Lanxess Arena winkende Ariana, die noch 2015 auch nach der Show den Kontakt zu ihren Fans gesucht hat, ist irgendwie verloren gegangen. Sie scheint sich selbst hinter dieser inszenierten Wunschwelt ein Stück weit zu verstecken. Man kann ihr nur wünschen, dass sie die Ängste überwindet, die sie zu quälen scheinen.

Setlist

Raindrops (An Angel Cried) / God Is A Woman / Bad Idea / Break Up With Your Girlfriend, I'm Bored / Childhood (Video) / R.E.M. / Be Alright / (Sweetener / Successful) / Side To Side / 7 Rings / Adore (Video) / (Love Me Harder / Breathin) / Needy / Fake Smile / Make Up / (Right There / You'll Never Know / Break Your Heart Right Back) / NASA / Only 1 / In My Head (Video) / Boyfriend / Everytime / The Light Is Coming / Into You / My Heart Belongs To Daddy (Video) / Dangerous Woman / Break Free / No Tears Left To Cry // Thank U, Next (Video und Live)

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