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Samy Deluxe (live in Frankfurt, 2019) © Peter H. Bauer

Zwar ohne Samples und Scratches aber mit mächtig Krach liefert Samy Deluxe in der Frankfurter Festhalle eine phänomenale Unpluggedshow – mit raphistorisch wertvollen Gästen.

Im August letzten Jahres veröffentlichte Samy Deluxe sein SaMTV Unplugged-Konzert, das herkunftsgerecht auf der MS Bleichen im Hamburger Hafen aufgenommen wurde, und die Resonanz war groß. Die daraufhin von vielen Fans geforderte Tour findet in der Frankfurter Festhalle ein vorübergehendes Ende, und dieser Höhepunkt wurde gebührend gefeiert.

Unter Freunden

Als Voract heizt Afrob, der auf eine lange musikalische Beziehung mit Samy Deluxe zurückblicken kann, der fiebernden Menge mächtig ein. Mit drei neuen Songs, unter anderem seiner neuen Single "Stadtmensch", eröffnet der Rapper eritreischer Herkunft den Abend.

Aber auch sein Backkatalog soll nicht zu kurz kommen, denn Afrob erkennt: „Ihr wollt was Altes hören!“ Begleitet von großem Jubel rappt er sich von seinem DJ begleitet bündig durch seine Diskografie, bevor er Samy Deluxe und seiner pompösen Live-Band die Bühne frei gibt.

Die große Erscheinung

Mit zwei Schlagzeugern, Streichern, Gitarren, Bläsern, einem Pianisten und drei wundervollen Backgroundsängerinnen steht dann kurze Zeit später Samy Deluxe in strahlender Aura auf der Bühne.

Nach dem Eröffnungssong "Poesiealbum" führt er durch ein kurzes Medley seines ganz eigenen Best-Ofs. Die Songauswahl ist bunt gemischt. Schnell erscheint aus dem Nichts der erste hochkarätige Gast: Der junge Chefket betritt die Bühne, um den Hamburger Rapper zu unterstützen.

Denn an diesem Abend wird nicht nur gerappt. Sowohl Chefket als auch Samy zeigen in "Skit" oder "Mama" ihr gesangliches Talent, und schaffen es zwischen langsamen gefühlvollen Gesangseinlagen und Doubletime-Passagen, teilweise nur durch Perkussion begleitet ("Exodus"), eine emotionale und musikalische Berg- und Talfahrt zu inszenieren.

Mimimi

Die Texte von Samy Deluxe thematisieren oftmals seine Kindheit und Jugend, und seinen mit Schwierigkeiten verbundenen Migrationshintergrund. In Songs wie "Mimimi" (Mitbürger mit Migrationshintergrund) oder "Superheld", in dem er das Fehlen schwarzer Superhelden als Vorbilder für seinen Sohn beklagt, erschafft der Rapper durch sein Talent, mit Worten Bilder zu malen, eine ganz besondere Art der Empathie.

Obwohl Hip-Hop das Image "harter" Musik anhaftet, sind es solche emotionalen Augenblicke, die besonderen Eindruck hinterlassen. Die Halle lauscht dann der Musik fast ergriffen und andächtig.

Alle auf die Bühne

Mit dem Erscheinen Chefkets fragt man sich durchweg, was bei dieser Show wohl als nächstes passieren wird. Enttäuscht wird man dabei natürlich keineswegs, wo doch Samy Deluxe zusammen mit Afrob alte Klassiker aus ASD-Zeiten wieder aufleben lässt. Mit Songs wie "Sneak Preview" bringt er die Menge zum Beben und die Technik an ihre Grenzen.

Spätestens bei dem bedeutungsvollen Song "Adriano", der den Tod eines aus Mosambik stammenden Mannes durch die Gewalt Rechtsradikaler betrauert, wird auch die inhaltliche Reichweite Samys sichtbar, der sich bei diesem Lied die Bühne mit Chefket, Torch und Afrob teilt.

Geschwindigkeitswunder

Samy Deluxe schafft es an einem Abend mit über 30 dargebotenen Songs das Publikum zum Lachen, Weinen und Staunen zu bringen. Eigentlich erscheint es anatomisch unmöglich, wie viele Silben er rhythmisch in enormer Geschwindigkeit aussprechen kann, ohne dabei aus Atemnot in Ohnmacht zu fallen.

Bei der Zugabe betreten nochmals alle Künstler die Bühne, inklusive dem Heidelberger Urgestein Toni-L, um gemeinsam leger zu freestylen. Mehr Hip-Hop an einem Abend ist wohl kaum möglich.

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