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Jess Glynne (live in Offenbach am Main 2019) © Manuela Hall

Auf ihrem zweiten Album "Always In Between" überrascht Jess Glynne neben Popgroove und Balladenpower mit neuen Facetten. Das tolle Konzert im Capitol Offenbach unterstreicht ihre Entwicklung und lässt nur in einer Hinsicht zu wünschen übrig.

Die britische Sängerin Jess Glynne hat sich in jeder Hinsicht großartig entwickelt. Aktuell stürmt die 28-jährige mit ihrem zweiten Album "Always In Between" weltweit die Charts 

Auch live zeigt sie neue Facetten: Beim Konzert in Offenbach präsentiert sie sich als vielseitige Künstlerin, die ihre Stilarten im Vergleich zu ihrem Auftritt beim SWR3 New Pop Festival 2016 noch deutlich verbreitert und verfeinert hat.

Stilistische Vielfalt

Der energetische Auftakt mit der Hitsingle "Hold My Hand" sorgt dafür, dass das Publikum sofort voll mitgeht und mitsingt. Es folgt eine ganze Welle neuer Songs, die viele neue Stilelemente von Jess Glynne zeigen. Das mitreißende "No One" schlägt eine gelungene Balance zwischen groovendem Pop und ruhigen Passagen, in denen die Engländerin ganz gefühlvoll singt.

Das soulige "Rollin" bietet Party-Pop mit Tendenz zum karibischen Flair, während die Hitsingle "These Days" als besondere Version im Gospel-Stil erklingt: Zuerst singt Jess Glynne mit ihren Musikern im Chor – am Ende mit dem ganzen Publikum. Pure Balladenpower ist "Thursday", das eine eindrucksvolle Kraft voller persönlicher Emotionen besitzt. Jeder Song zeigt, wie sehr sich Jess Glynne abseits der Radiohits als Künstlerin weiterentwickelt hat.

Der Super-Mix

Schon mit dem ersten Album "I Cry When I Laugh" produzierte Jess Glynne Ohrwurmsongs, die auch heute das Publikum anheizen. Der treibende Sound und die vom Keyboard getragene Melodie von "Don't Be So Hard On Yourself" lassen das Publikum ausflippen. So wechseln sich Powersongs und Balladen immer wieder ab. Die neue Powerballade "Hate/Love" ist ebenso pure Emotion wie "Take Me Home".

Mit hohem, vielleicht sogar zu hohem Tempo, jagt Jess Glynne durch das Konzert. Der diskoartige Super-Mix aus vier Songs wirkt fast wie ein Medley. Beginnend mit "So Real (Warriors) spielt sie "Real Love" und "My Love" eigentlich nur an, um am Ende mit "Rather Be" einen gefeierten Höhepunkt zu setzen.

Die Stimmung ist großartig, das Publikum feiert mit dem Up-Tempo Groove von "All I Am" und singt in der Zugabe hingebungsvoll mit, als Jess Glynne zu "I'll Be There" ihre Balladenpower nochmal voll zur Entfaltung bringt.

Festivalkonzept

Qualitiativ gibt es beim Konzert von Jess Glynne kaum etwas zu kritisieren. Der einzige Punkt, über den man diskutieren kann, ist die Länge des Konzerts. Mit 70 Minuten ist das Konzert als Headliner sehr kurz, wenn man – wie Jess Glynne – über zwei Alben und fast 40 eigene Songs verfügt. Zudem ist ein Medley aus vier Songs inklusive eines Hits wie "Real Love" nicht unbedingt nötig. Diese Songs darf sie durchaus komplett ausspielen. 

Das Konzert wirkt daher fast wie ein zusammengeraffter Festivalauftritt mit minutiös getaktetem Zeitplan. Bei der eigenen Headline-Tour hätte sich Jess Glynne durchaus mehr Raum zur Entfaltung geben können, um ihren Fans noch mehr von ihrer neuen Stilvielfalt zu zeigen. 

Setlist:

Hold My Hand / No One / Rollin / Intro / These Days / 123 / Thursday / Ain't Got Far To Go / (Hate/Love) / Don't Be So Hard On Yourself / Take Me Home / Broken / (So Real (Warriors)/Real Love/My Love/Rather Be) / All I Am // I'll Be There

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