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Kat Frankie (live in Mannheim 2018) © Rudi Brand

Seit der Veröffentlichung ihres Albums "Bad Behaviour" 2018 ist Kat Frankie auf Tour. Bei ihrem Konzert in der halle02 in Heidelberg bewies sie, dass traurige Lieder nicht deprimieren müssen und fröhliche Lieder zum Nachdenken anregen können.

An besagtem Dienstag Abend versammelt sich eine angenehme Mischung aus Faschingsmuffeln, Musikzeitschriften-Lesern und vor allem aufmerksamen Musikliebhabern in der halle02.

Zum Dank dafür lädt Kat Frankie zu ein paar gemeinsamen Stunden unter Freunden ein und erzählt ihre facettenreichen Geschichten.

Mädchen aus dem Norden

Eröffnen darf die junge Singer-Songwriterin CATT aus einem kleinen Dorf in Deutschlands Norden, die mit ihrer zarten und doch selbstbewussten Art das Publikum verzaubert. In Songs wie ihrer Debüt-Single "Moon" von 2018 malt das Mädchen mit den offenherzigen blauen Augen mit federleichtem Klavierspiel einen atmosphärischen Sternenhimmel, der ihre klare Stimme trägt. 

Während CATT ihre Arrangements mithilfe einer Loop-Station dezent rhythmisch unterstützt, bringt sie mit Trompete und Posaune weitere Klangfarben ins Spiel, die ihren warmen Wohlfühlsound vervollständigen. Dabei erinnert sie an Größen des glockenklaren Gesangs wie Katie Melua und Joni Mitchell. 

Erstmal lockermachen

Das eigentliche Konzert beginnt dann direkt mit einer älteren, zwar rauhen aber dennoch sehr gefühlvollen Rocknummer und einer Panne des Gitarristen, die zu Gesprächen über Fasching in Heidelberg führt und eine allgemeine Auflockerung zwischen Publikum und Band bewirkt.

In einer charmanten Mischung aus Englisch und Deutsch bereitet Kat Frankie das Publikum auf einen Abend mit einer Mischung aus "Depri- und die Sonne geht auf-Songs" vor, wie sie selbst sagt. Dabei hat sie es nicht nötig "everybody's darling" zu spielen, sondern gewinnt ihre Zuhörer mit ihrer entwaffnenden Ehrlichkeit und Bodenständigkeit. 

Verpackung vs. Realität

Kat Frankie zählt zu diesen Sängerinnen, bei denen aus dem Publikumsgetuschel immer wieder der Satz herauszuhören ist: "Wo nimmt sie nur diese Stimme her?". In ihrer Rolle als zierliche Frau, die mit ihrem ausdrucksstarken Selbstbewusstsein in Stimme und Auftreten überwältigt, erinnert sie an die Sängerin L.P., die erst 2016 mit "Lost On You" ihren internationalen Durchbruch feierte.

Eine weitere Gemeinsamkeit: beide Musikerinnen mussten einen sehr langen Atem beweisen, bis ihr Talent öffentliche Anerkennung fand. Seit fünfzehn Jahren lebt Kat Frankie bereits in ihrer Wahlheimat Berlin, wo sie sich jedoch lange nur in Musikerkreisen einen Ruf als begabte Songwriterin, Gitarristin und vor allem Sängerin machte.

Nichts geschenkt

Die Karriere der 40-jährigen Powerfrau aus Sydney verlief alles andere als rasant. Seit Jahren gilt sie als der Geheimtipp unter deutschen Musikern, die sie mit Projekt- und Feature-Angeboten überhäufen. Dennoch blieb der große Durchbruch bislang aus.

Nicht nur Singer-Songwriter wie Olli Schulz oder Clueso, der ihr mit dem gemeinsamen Duett "Wenn du liebst" 2017 einen Schubs in Richtung Mainstream-Publikum gab, sind von der Stimme und dem Songwriting der Australierin begeistert. Auch die beiden deutschen Größen Casper und Marteria veröffentlichten Ende 2018 einen Song "feat. Kat Frankie".

James Bond und Bügelfalten

Doch trotz dieser musikalischen Ausflüge bleibt Kat Frankie eine Singer-Songwriterin, die gerade durch ihre bodenständige Authentizität überzeugt.

Ganz in Rot und mit Bügelfaltenhosen führen Kat und Band dann tatsächlich durch mystische und dramatische Stücke mit James Bond-Potenzial, offensiven "Warum?"-Rocksongs, lockerflockigen Pop-Nummern wie ihrer ersten deutschsprachigen Single "Ich/Du" und extra für die Tour abgestaubten "obscure B-Sides".

Besonders die zerbrechlichen, nur vom Piano begleiteten Songs zur Mitte des Konzerts bilden einen berührenden Kontrast zu dieser Achterbahnfahrt an Stilrichtungen, Stimmfarben und Geschichten.

Kostümwechsel

Diese Mischung macht es nicht immer leicht, eine klare Linie auszumachen. Dennoch spiegelt diese Vielfältigkeit eine zierliche Sängerin wider, die weder widersprüchlich noch zerrissen wirkt.

Allein die an ihre letzten Musikvideos angelehnten "Bühnen-Effekte" wie ein Feder-Regen bei "Finite" und ein Seidenkimono mit Kapuze bei ihrer erfolgreichen Single "Bad Behaviour" wirken etwas gewollt. Nicht jede Frontfrau ist gut damit beraten, die geliebte Gitarre mit einer Feder-Show und angedeuteten Kostümwechseln zu ersetzen.

Forget me not

Zweimal lassen sich Kat und Band für Zugaben zurückklatschen. Mit "Home" von ihrem aktuellen Album ist der rockige Abriss der halle02 angesagt, der einen befreienden Bogen schlägt zum pessimistisch bedrückten Beginn der Reise durch die Geschichten der gebürtigen Australierin.

Der dramaturgische Ausflug durch traurige und unbeschwerte, alte und neue Lieder endet dann schließlich mit dem Song "The Tops" ihres Debüt-Albums "Pocketknife", mit den Textzeilen "forget me not". Ganz bestimmt nicht.

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