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Dendemann (live auf dem Highfield, 2018) © Christian Grube

Mit seinem neuen Album "Da nich für" ließ Dendemann fast 10 Jahre auf sich warten. Doch so lange die Atempause auch war, Dendemann beweist mit seinem Auftritt in der halle02 in Heidelberg, dass sich das Warten gelohnt hat.

In freudiger Erwartung fand sich am Montag der sneakertragende Teil der Gesellschaft zu einer gemeinsamen Glorifizierung einer deutschen Hip-Hop-Legende in der halle02 in Heidelberg ein: Dendemann.

Der 45-jährige Rapper wird von niemand minderem als einem aufsteigenden Stern am Sprechkunsthimmel unterstützt, dem Offenbacher Rapper Döll. Eine Sache haben Döll und Dendemann gemeinsam, denn auf beide Alben hat die deutsche Hip-Hop-Szene lange gewartet.

Starker Support

Mit seinen überaus persönlichen Texten aus seinem Debütalbum "Nie oder jetzt" überzeugt er das Publikum mit fast meditativer Ruhe, glasklarer Stimme und tiefsinnigen Texten, in denen er seinen inneren Kampf gegen Selbstzweifel, Spielsucht und Kriminalität thematisiert.

In der Untergrundszene längst ein bekannter Name, muss er sich beim Publikum in Heidelberg jedoch erst beweisen: selbst bei seinem Song aus der gleichnamigen Debüt-EP "Weit entfernt" bewegen sich überraschend wenige Lippen zum Text mit.

Nach 30 Minuten beendet Döll pünktlich sein Warm-Up, um Dendemann die Bühne zu überlassen.

Der Protagonist erhebt sich

Nach sehr kurzer Umbauphase betritt Dendemann mitsamt seiner Liveband "Die freie Radikale" die schlicht mit großen quadratischen Spiegeln verzierten Bühne und legt direkt los, als wäre er nie weg gewesen. 

Mit dem Einsetzen der Musik wird schnell deutlich, dass ein durchweg aufeinander abgestimmtes, und bis ins kleinste Detail perfektioniertes Ensemble am Werk ist.

Viele Worte verliert der Rapper zu Beginn nicht: Nach den ersten beiden Songs "Wo ich wech bin" und „Ich dende also bin ich“ kommentiert der Wortkünstler lediglich: "Hallo, ja blablabla weniger reden – Rap!" – und macht direkt weiter im Programm.

Gegen rechts

Mit der ersten Single des neuen Albums "Keine Parolen" setzt Dendemann ein eindeutiges Statement gegen rechts. Im Outro verlängert er mehrfach die Wiederholungen der Zeile "Alles was ich will, ist, die Regierung stürzen" und fordert anschließend das Publikum auf, seinen Wunsch zu übernehmen. "Man könne ja klein anfangen", schlägt er vor.

Auch in der Setlist wird deutlich, dass bei Dendemann alles aufeinander abgestimmt ist, denn seine Songs bilden thematische Einheiten. So kombiniert er seinen Klassiker "Kommt Zeit dreht Rad" mit dem neuen Albumtrack "Zeitumstellung", in dem er erklärt, es sei endlich wieder Zeit, um Stellung zu beziehen.

Das ist Hip-Hop

Die einst luftig leichten und lustigen Songs mit rhetorisch verpackten Messages sind eindeutigen Stellungnahmen und politischen Bezügen gewichen. Seine wortakrobatischen Ergüsse haben davon zur Freude der Zuhörer jedoch keinesfalls gelitten, genauso wenig seine Liebe zum Hip-Hop.

So kombiniert er in der klassischen Sampledoktrin "aus alt mach neu" seinen alten Song "Wenn ja warum" mit dem Beat des Songs "Warum" von GZUZ. Auch dabei merkt der aufmerksame Zuhörer: Hier geschieht nichts aus Zufall.

Weiterhin nutzt er das Instrumental des Nr.1-Hits "Standard" von Kitschkrieg um seine Ode an das Singen "Gut und gern" zum Besten zu geben. Auch während der Zugabe, in der er weit in die Diskographiekiste greift, benutzt er ein Sample von Ufo361 "Ich hör nicht auf" für seinen gleichnamigen Track.

Dende ist für alle da

Die generationsübergreifende Liedauswahl Dendemanns macht sich auch in seinem Publikum bemerkbar. Von 12-jährigen Bewunderern bis zu über 50-jährigen eingestandenen Rapfans ist an diesem Tag in Heidelberg ein jeder anzutreffen.

Während seines sehr dichten Sets, in dem er 27 Songs binnen anderthalb Stunden spielt, lässt sich Dendemann nur von technischen Problemen unterbrechen. Während eines Snarewechsels des Schlagzeugers unterhält er das Publikum mit Anekdoten eines lang vergangenen Ol' Dirty Bastard-Konzerts und selbst ein Bruch seiner eigenen Ohrstöpsel mitten im Song hindert ihn nicht daran weiterzumachen.

Absolute Stimmgewalt

Im Verlauf des Abends wird immer deutlicher, wie perfekt der 45-jährige mit seiner Stimme umgehen kann, die rauer und kantiger nicht sein könnte, und fast schon einen mehrstimmigen Effekt erzeugt. Er selbst beschreibt es in seinem dargebotenen Song "Inhalation" wohl am besten: "Egal wie heiser ich klinge, die reibeiserne Stimme / Macht einen Druck, als ob es leiser nicht ginge".

Während der Zugabe gesellt sich dann auch noch Torch, Heidelbergs Vater des deutschen Hip-Hops, zu ihm auf die Bühne, um den Klassiker "Danke Gut" mit ihm gemeinsam zu performen und freudig zu bekunden, dass selbst die Massiven Töne für seinen Auftritt angereist sind.

Dendemann und seine Musik sind mit den Jahren erwachsen geworden, und mit ihm die deutsche Rapmusik. Doch dies äußert sich nicht in Falten oder Heiserkeit, sondern mit glasklarem Sound, Gelassenheit und Professionalität.

Setlist

Wo ich wech bin / Ich dende also bin ich / Keine Parolen / Kommt Zeit Dreht Rad / Zeitumstellung / Das erste Mal / Inhalation / Sensationell / Und wenn ja, warum / O Robota / Menschine / Drauf & dran / BGSTRNG / Lieblingsmensch / Gute und gerne / Littbarski / Endlich Nichtschwimmer / Beste wo gibt / Müde / Zauberland / Papierkrieg / Stumpf ist Trumpf / Hörtnichtauf / Sachmagehtsnoch / Danke, Gut / Hand auf's Herz / Alle Jubilare wieder

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