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Snow Patrol (live in Frankfurt, 2019) © Leonard Kötters

Das Konzert von Snow Patrol ist ein echter Genuss für Liebhaber ausgefeilten Songwritings. Großartige Arrangements, eine bestens aufgelegte Band, die ihr Publikum mitnimmt - Alles stimmt, bis plötzlich der Technikteufel zuschlägt.

Lange haben sich Snow Patrol Zeit gelassen: Ganze sieben Jahre sind vergangen, seitdem sie das letzte mal mit einem neuem Album auf Tour kamen. Wenn man Sänger und Songschreiber Gary Lightbody während dem Konzert in Frankfurt zuhört, war es wohl keine einfache Zeit.

Das sieht man an einem Song wie "Life On Earth", für dessen Vollendung er stolze fünf Jahre gebraucht hat. Allein die Songzeilen "This shouldn't need to be so fucking hard / This is life on earth" zeigen, wie sehr er offenbar mit sich und dem Leben zu kämpfen hatte. Aber während des Konzerts erklärt er auch: "This song brought me back in the world". Er und die ganze Band stehen scheinbar wie befreit wieder auf der Bühne und liefern in der ausverkauften Jahrhunderthalle eine erstklassige Show ab.

Tolle Stimmung

Schon der Opener "Take Back The City" wird begleitet vom rhythmischen Klatschen des Publikums. Die Fans in der Halle lassen sich vom treibenden Powersound mitreißen, angeheizt von gleich vier Gitarren. Jeder Song klingt einzigartig und lässt unmittelbar die herausragende Arbeit bezüglich des Songwritings erkennen. Die ausgewogene Balance der Instrumente und die ausgefeilten Gitarrenriffs etwa bei "Chocolate" lassen große Teile des Publikums mittanzen und in vielen Passagen auch mitsingen.

Auch wenn sich Gary Lightbody dafür entschuldigt, dass die Fans auf das neue Album "Wildness" so lange warten mussten, und er verspricht, beim nächsten Mal schneller zu sein, entsteht bei der Show der Eindruck, dass eine längere Pause nicht zwangsläufig schlecht ist, wenn am Ende so viel Qualität herauskommt. Ob nun die wunderbare Melodie von "Empress" oder das beeindruckende "Don't Give In", das zunächst als akustische Ballade beginnt, bis es plötzlich einen sehr rockigen Ausbruch in der Songmitte erlebt – die neuen Songs wissen auch live zu begeistern.

Kraft und Gefühl

Das ganze Konzert ist eine ausgewogene Komposition aus Kraft und Gefühl, die sich immer wieder abwechseln, teilweise auch während der Songs. Rhythmisch beklatscht wird "Open Your Eyes" sofort von den Zuschauern getragen, während das Piano die Melodie vorgibt und die Gitarren darüber ihre Akzente setzen, bis sie schließlich samt Schlagzeug eine kleine Explosion im Song erzeugen. Ihr erster Hit "Run" ist ein Wechselspiel zwischen leisen Parts zum Mitsingen und laut krachendem Rocksound, der für mächtig Energie im Publikum sorgt.

Ein Highlight des Abends ist "Make This Go On Forever". Der dramatischen Pianomelodie im Intro folgt ein ausladender Sound, der ein perfektes Fundament für Gary Lightbodys außergewöhnliche Stimme bildet. Kraft und Gefühl verbinden sich hier mit spielerischer Leichtigkeit, als er sich entspannt über die Rückseite des von Johnny McDaid gespielten Pianos lehnt, zu einem echten Spektakel. Um das Publikum voll mitzunehmen, singt er zu "Shut Your Eyes" irgendwann ganz leise, fast nur noch wispernd. Sowohl er als auch das Publikum werden beim abwechselnden Singen immer lauter, bis die Band letztlich wieder mit voller Lautstärke einsetzt.

Kleine Panne am Ende

Vom opulenten Hit "Called Out In The Dark" weiter angeheizt steuert die Show auf ein großes Finale zu, bis sie leider ein unerwartetes Ende nimmt. Schon während "Heal Me" hört man einzelne Knistergeräusche im Sound, die schließlich auch den Genuss von "Chasing Cars" deutlich beeinträchtigen. Ein Teil der Technik hat offenbar plötzlich den Geist aufgegeben – die Band kürzt den Auftritt ab und geht nach der Reparatur sofort zur Zugabe über.

Auch wenn die Schmuseballade "What If This All The Love You Ever Get?" und der Temporock von "Just Say Yes" noch einmal für Stimmung sorgen, ist der Rhythmus der Show durch die Pause verloren gegangen. Somit fehlen dem Konzert am Ende leider die letzten Prozent, um wirklich rundum für Zufriedenheit zu sorgen. Bis zur Panne ist es jedoch eine tolle Show mit großartigen Songs, die Snow Patrol zu einer wirklich sehenswerten Live-Band machen.

Setlist:

Take Back The City / Chocolate / Crack The Shutters / Empress / Don't Give In / Open Your Eyes / Run / You Could Be Happy / Life On Earth / Make This Go On Forever / Shut Your Eyes / Called Out In The Dark / Heal Me / The Lightning Strike (What If This Storm Ends?) / Chasing Cars // What If This Is All THe Love You Ever Get? / Just Say Yes

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