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A Perfect Circle (live in Hamburg, 2018) © Falk Simon

Totales Handyverbot, volle Konzentration auf die Band. Bei ihrem Konzert in der Alsterdorfer Sporthalle in Hamburg fordern A Perfect Circle ihr Publikum - im positiven Sinn.

"Time is money, money’s time" singt Maynard James Keenan in "So long, and thanks for all the shoes" (das bezeichnenderweise als einer der wenigen Songs ungespielt blieb) auf der aktuellen A Perfect Circle-Scheibe.

Düsterer Opener

Kapitalistische Binsenweisheiten hin oder her, Zeitmanagement haben die Amis einfach drauf: Punkt 20 Uhr betritt Chelsea Wolfe mit ihren Mitmusikern die Bühne der Alsterdorfer Sporthalle in Hamburg, schmiegt sich in die kunstneblige Dunkelheit und entführt das Publikum rund 45 Minuten lang in ihre Welt.  

Wer die Dame bereits kennt, weiß wie es dort aussieht: düster, dunkel, schwermütig. Live kommen die Songs – vorwiegend Material der letzten drei Alben – noch wesentlich roher an als auf Platte. Das bewirken Feedbackschleifen, der verzerrte Bass und vor allem das brachiale Schlagzeugspiel von Jess Gowrie.

Die Zuhörerreaktion reichen von mildem Desinteresse über wohlwollende Aufmerksamkeit bis hin zu verhaltenem Enthusiasmus vor allem in den vorderen Reihen. Als nach Wolfes Auftritt das Licht wieder angeht und die Realität abrupt grüßt, sorgt das erst einmal für Irritationen.

Ein Konzert ohne Handys

Doch was folgt, lässt den Alltag rasch wieder vergessen. Die meisten Zuschauer sind zu Recht gespannt auf das, was auf sie zukommen wird. Schließlich sind A Perfect Circle hierzulande so selten Gast, dass ein Auftritt ein ganz besonderes Ereignis ist.

Nachdem die Stimme vom Band jedem Besucher klar gemacht hat, dass A Perfect Circle wirklich! – ganz sicher! – absolut keinen Bock haben, in irgendeiner Form digital verewigt zu werden, geht das Licht wieder aus und der imaginäre Vorhang öffnet sich für annähernd zwei Stunden Perfektion im Kreis.

Das Handyverbot erweist sich als angenehm, da man nicht alle drei Minuten unfreiwillig in ein Display schauen muss, zumal die Lichtverhältnisse ein sinnvolles Ergebnis sowieso unmöglich machen.

Erlebnis für alle Sinne

Zu den Klängen des Intros des neuen Albums "Eat the Elephant" schleichen sich die Musiker im Dunkeln auf die Bühne um dann mit "Disillusioned" das knapp zweistündige Set endgültig zu eröffnen. Das wiederum setzt sich überwiegend aus Songs der ersten beiden Alben zusammen.

Die Coversongs vom 2004 erschienenen "eMotive" – Depeche Modes "People Are People" und "(What’s so funny bout) Peace, Love and Understanding" von Nick Lowe wirken dazwischen eher wie kleine Fremdkörper. Ein glasklar austarierter Sound und eine wirklich beeindruckende Lichtshow tun ihr Übriges, um das Konzert zum Erlebnis für alle Sinne zu machen.

Technische Stärken

Jeff Friedls Drumming ist präzise wie ein Uhrwerk, Matt McJunkins am Bass und Mastermind Billy Howerdel geben die Rampensäue, während Greg Edwards, der den gerade mit den Smashing Pumpkins auf Reunion-Tour weilenden James Iha ersetzt, sich an Gitarre und Keyboards dezent im Hintergrund hält.

Dass Maynard James Keenan sein Licht im A-Perfect-Circle-Kontext nur allzu gerne unter den Scheffel stellt, ist nichts neues. Daher ist der Sänger stellenweise nur als Schemen auf seinem leicht erhöhten Podest zu erahnen, was seine Performance allerdings nur umso eindringlicher macht: Seine Stimme scheint im Raum zu schweben, getragen von einem Fundament, dass zwischen brachial und filigran, heftig und sanft alle Nuancen abdeckt.

Oft singt er nicht alleine, auch Billy Howerdel beweist seine Fähigkeiten als Vokalist und die stehen Keenans in nicht viel nach. Wer die Band im Jahr 2018 immer noch als Tool-Derivat abwertet, hat sowieso nichts kapiert.

Der Höhepunkt zum Schluss

Höhepunkt ist sicher das letzte Drittel des Konzerts: "The Doomed" vom aktuellen Album zählt zu den brachialsten Nummern der Band, live entfaltet der Song – trotz minimaler Schönheitsfehler – seine maximale Wucht. Das darauffolgende "Counting Bodies Like Sheep To The Rhythm Of The Wardrums"  wird auf der Bühne zum brutalen Industrial-Stampfer, den selbst Trent Reznor nicht besser umsetzen hätte können. Mit the "Package" – erneut vom Album "Thirteenth Step" und dem neuen Song "Delicious" endet ein rundum perfekter Abend.

Zugaben gibt es keine, aber die sind auch nicht wirklich nötig.  Als das Licht wieder angeht, blickt man in glückliche Gesichter. Ein Erinnerungsfoto darf mit der höchstoffiziellen Erlaubnis von Maynard James Keenan dann auch noch gemacht werden und eine gute Nachricht gibt es aus dem Mund von Billy Howerdel: "See you all in 2019". Das nehmen wir mal beim Wort!

Setlist

Eat the Elephant / Disillusioned / The Hollow / Weak and Powerless / Rose / People are People / Vanishing/ Blue / 3 Libras / The Noose / Talk Talk / Hourglass / (What’s so funny ’bout) Peace, Love and Understanding / The Doomed / Counting Bodies like Sheep tot he Rhythm of the War Drums / The Package / Delicious

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