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Black Eyed Peas (live in München, 2018) © Kosta Jiannis

Ein Comeback nach sieben Jahren ist schwer, wenn man wie die Black Eyed Peas auf dem Karrierehöhepunkt war und dann dramatisch abgestürzt ist. Neu sortiert kommen sie nun zurück und liefern im Münchner Zenith eine begeisternde Show ab.

Um die Situation der Black Eyed Peas im Jahr 2018 richtig zu verstehen, bedarf es eines Blicks zurück ins Jahr 2011.

Die Band war 2011 mit einer ausverkauften Welttournee in den größten Stadien und dem Auftritt bei der Half Time Show des Super Bowls auf dem Höhepunkt ihre Karriere angekommen. Doch ging die Entwicklung rasant abwärts.

Abstieg und Rückkehr

Der letzte Deutschlandauftritt war ein Desaster. Das Konzert in Düsseldorf 2011 war so schlecht und durchzogen von einem einzigen Tothämmerbass, der sämtliche Stimmen und Melodien übertönte, dass die ersten Zuschauer nach 10 Minuten die Arena verließen.

Nach 30 Minuten war ein Drittel des Innenraums leer. Es herrschte größtenteils maßlose Enttäuschung über diesen Auftritt. Später verließ Sängerin Fergie die Band. Bis 2018 hörte man nichts mehr von den Black Eyed Peas.

Spektakuläre Bühnenshow

Das Live-Comeback der Black Eyed Peas beginnt verheißungsvoll. Eine dreigeteilte Bühne im Design einer Pyramide sorgt für eine spektakuläre Lightshow. Der Hintergrund wird bei jedem Song anders beleuchtet, es ist ein Farbenmeer, das sich im Rhythmus des Sounds mitbewegt.

Im oberen Drittel an der Spitze der Pyramide befindet sich die Band, auf den beiden Bühnen im Mittelteil und unten geben die Black Eyed Peas Vollgas. Der Sound wird immer noch sehr vom Bass dominiert, aber diesmal passt die Mischung zwischen Bass, Gesang und Melodien.

Die ersten Partyhits "Let's Get It Started" und "Rock That Body" mit ihrem peitschenden Sound heizen dem feierwilligen Publikum im Zenith mächtig ein. Die alten Songs haben immer noch Zugkraft, werden mitgesungen und abgefeiert.

Noch relativ zurückhaltend erklingt aus dem Hintergrund die Stimme einer neuen Sängerin, die aber noch nicht die große Rolle spielt. Soweit die alten Songs mit den drei bekannten männlichen Künstlern, was aber ist jetzt neu und anders?

Ein Schritt zurück nach vorne

Die Zeit bis zum Comeback haben die Black Eyed Peas genutzt, um sich neu zu sortieren. Will.i.am castet als neue Sängerin die junge Jessica Reynoso, die in München durchaus stimmliche Akzente setzt. Erstmals tritt sie bei "Just Can't Get Enough" aus dem Schatten an der Seite ins Licht der Pyramide und singt als dominante Stimme. Am Ende des Konzerts drückt sie vor allem bei "Where Is The Love?" ihre beeindruckende Stimme nach oben. Da ist Potential vorhanden.

Das neue Album "Masters Of The Sun, Vol. 1" ist eine Rückbesinnung auf den Hip-Hop, also den Sound, mit dem die Black Eyed Peas ursprünglich in den 1990er Jahren begonnen haben. Aus all den neuen Tracks stechen zwei Songs hervor.

Nach ruhigem Anfang entfaltet "Constant" mehr und mehr seinen einnehmenden Rhythmus und lässt das Publikum auf den fetten Groove tanzen. Das Highlight der neuen Songs ist "Dopeness". Der coole Urban-Style des Songs wird getragen von den Rhimes und einer eingängigen Melodie, die sofort ins Ohr geht – ein Song mit Hitqualität.

Partytime 

Im Zentrum stehen trotz der neuen Songs noch immer die alten Hits. So pushen "Shut Up" und "Pump It" das Publikum hoch, lassen es die Künstler auch einzeln mit Solonummern krachen.

Bemerkenswert ist vor allem das Solo von Taboo bei "Rockin To The Beat", der dabei seine Erkrankung mit Hodenkrebs vor einigen Jahren thematisiert. Die Chemotherapie hat den früher langhaarigen Rapper auch optisch verändert, denn nun trägt er Glatze.

Die letzten Songs sind alles Hits zum Tanzen, Singen und Abfeiern. Das frenetische und feierwillige Publikum lässt sich von "Don't Stop The Party" und "The Time (Dirty Bit)" tragen und sogar das Personal am Rande geht mit den alten Songs mit. Im Zenith wabert eine riesige, energetische Welle durch die ganze Halle.

Der Höhepunkt der Party sind "Where Is The Love?" und "I Gotta Feeling". Mit purer Ekstase springen die Zuschauer auf und ab, klatschen tosenden Beifall und sind hörbar zufrieden mit der Show der Black Eyed Peas. 

Rückbesinnung

Um in Zukunft als Band am Markt funktionieren zu können, müssen die Black Eyed Peas es schaffen, ihre verschiedenen Stilrichtungen aus Vergangenheit und Gegenwart zu einer tragfähigen Mischung zu verschmelzen.

Die alten Partyhits sind ihr Fundament und lassen auch heute noch das Publikum ausrasten. Aber in diesem Stil neue Songs heraus bringen, wird wahrscheinlich nicht funktionieren. Die Rückkehr mit den neuen Songs zu den stilistischen Wurzeln des Hip-Hop ist richtig.  

Allerdings fehlt es bei den neuen Songs noch an qualitativ hochwertigen Songs in der Breite. Zwei bis drei gute Songs reichen nicht, um auch das jüngere Publikum einzufangen. Das "Vol. 1" beim neuen Albumtitel "Masters Of The Sun" deutet darauf hin, dass die Band in Zukunft mehr Musik in diesem Stil plant. So könnte eine tragfähige Mischung für die Zukunft entstehen. Die alten Partyhits als Basis und dazu coole, neue Hip-Hop Tracks.

Mit ihrer neuen Show werden die Black Eyed Peas wieder ein gefragter Act sein – jedoch im anderen Rahmen. Bei den großen Festivals sind sie nicht mehr der Headliner für die Main Stage. Aber sie könnten auf den kleineren Bühnen der perfekte Tagesabschluss sein, wie etwa im geschlossenen Konzertzelt The Barn beim belgischen Rock Werchter Festival. Das würde mit ihrer Show perfekt passen.

Setlist

Back 2 HIPHOP / Let's Get It Started / Imma Be / Rock That Body / They Don't Want Music / Bom Boom Pow / Just Can't Get Enough / Shut Up / Pump It / Dopeness / Ring The Alarm / Constant / Big Love / Dum Diddly / Rockin To The Beat / Bebot / Love On Top / This Is Love / #thatPower / Scream & Shout / Don't Stop The Party / The Time (Dirty Bit) / Where Is The Love? // I Gotta Feeling

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