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Nothing But Thieves (live bei Rock am Ring, 2018) © Peter H. Bauer

Bei ihrer ersten Station ihrer Deutschlandtournee in Hannover zeigen Nothing But Thieves eindrucksvoll, wie man mit wenigen Mitteln eine immense Rockshow auf die Beine stellen kann. Unangefochtener Star des Abends (auch in modischer Hinsicht) ist Sänger Conor Mason, dessen Stimmkraft für neuen Aufwind im angestaubten Rock-Genre sorgt.

Seit Bestehen des Rock versuchten dessen Sänger-/innen stets, sich durch auffällige oder ausgefallene Bühnenoutfits von der Masse abzuheben. Von obskuren Verkleidungen à la Peter Gabriel über enge Latex-Hosen bis hin zum ausgefransten Holzfäller-Hemd: Es gibt nichts, was die Ikonen im Rampenlicht nicht schon ausprobiert hätten.

Der neueste Schrei

Latzhosenanzüge fallen ein wenig aus diesem Muster. Zu unauffällig und zu schlicht, so könnte man meinen. Dennoch eine perfekte Aufmachung für Conor Mason, den Sänger der Londoner Rockband Nothing But Thieves, der die Bühne in Hannover an diesem Abend in einer ebensolchen grauen Latzhose betritt. Schlichtes, wohltuendes Understatement anstelle der einst im Genre üblichen Poser-Outfits (Die obigen Bilder stammen von ihrem Auftritt bei Rock am Ring 2018).

Die Stimme genügt

Der bewusste Verzicht auf optische Hilfsmittel ist einfach erklärt: Die Sensationsstimme von ist schon aussagekräftig genug. Multisensorische Impulse würden die Aufmerksamkeit zu sehr vom wahren Kern ablenken, der das Capitol Hannover zum furiosen Freudentaumel veranlasst.

Dabei benötigt Mason nur einige wenige Gesten, um das Publikum in seinem Sinne zu lenken. Gerade in Passagen, in denen sein hohes und unfassbar klares Vibrato zur Geltung kommt, kennen die Zuschauer kein Halten mehr. Radiohead-Sänger Thom Yorke flackert dabei unterbewusst als Referenzpunkt auf. Dabei rangiert das blonde Goldkehlchen definitiv in seiner eigenen Liga.

Keineswegs ein zartes Lämmlein

Hin und wieder scheint der Frontmann Schwierigkeiten zu haben, die etwas laut gemischten Gitarrenwände mit seiner Stimme zu durchbrechen. Dafür kommt sie in "Particles", dem dynamischsten Song des gesamten Sets, perfekt zur Geltung. Der Begriff Gänsehaut ist in diesem Zusammenhang keineswegs eine leere Worthülse.

Wahre Rockbretter wie das QOTSA-artige "Forever & Ever More" ihrer neuesten EP oder "Amsterdam" lassen zum Ende des Konzerts hin schließlich keine Wünsche unter den tanzfreudigen Besuchern offen.

Vielversprechende musikalische Zukunft

Für eine schweißtreibende und vor allen Dingen extrem abwechslungsreiche Show benötigen Nothing But Thieves nun mal keinen Schnickschnack. Die tighte Rockband und ein ungemein talentierter Conor Mason reißen das Capitol allein mit ihrem Können ab. Ob die Latzhose in einigen Jahren zum perfekten Mode-Accessoire aufgestiegen ist, wird sich allerdings noch zeigen.

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