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Lauryn Hill (live in Basel, 2018) © Florence Dreier

Die Baloise Session in Basel feiert seit Jahren großartige Erfolge mit einzigartigen Konzerterlebnissen. Auch das Doppelkonzert von Marius Bear und Ms. Lauryn Hill ist ein großartiges Ereignis mit nur kleinen Schwächen.

Die Baloise Session in Basel präsentiert sich als Edelfestival, das die Besucher auch abseits der Konzerte mit verschiedenen Extras verwöhnt. Von kostenlosen Leckereien aus dem Hause Sprüngli über eine gratis Kaffeebar bis hin zu kleinen Gewinnspielen ist für das Wohlbefinden aller gesorgt.

Der große Saal der Messe Basel bietet eine beeindruckende Atmosphäre. Die Tischen zu je sechs Personen, an denen die Zuschauer sitzen, sind mit Kerzen in Gläsern geschmückt. Das Highlight für die Fans am Konzertende ist ein kostenloses Poster, direkt gedruckt mit einem Bild der Künstler aus dem gerade erlebten Konzert. Ein echtes Konzerterlebnis für Genießer.

Schweizer Urgewalt

Die Besonderheit der Baloise Session ist das Konzept, aus jedem Abend ein Doppelkonzert zu machen. So ist der Auftakt mit dem Schweizer Musiker Marius Bear auch kein klassischer Support Act. Der Kunsthandwerker aus dem Appenzellerland ist eine stimmliche Urgewalt mit großartigem musikalischen Talent.

Schon sein Auftaktsong "New York" ist bemerkenswert. Der raue Tonfall seiner ausdrucksstarken, kraftvollen Stimme bildet einen kompletten Kontrast zur melancholischen Melodie des Songs. Stimmlich variabel singt er "Sanity" anschließend in einer deutlich höheren Tonlage.

Eigene Welt

Es ist faszinierend, das Gesicht von Marius Bear zu beobachten. Es scheint so, als ob er wie bei "Roses" komplett in einer eigenen Welt versinkt. Dann bricht er wie bei "Lonely Boy", einem Cover der Black Keys, plötzlich wieder aus, gibt mitsamt seiner Akustikgitarre Vollgas und wirkt komplett energetisch und wild. 

Das Highlight seiner Show ist "Freedom". Der brachiale Druck seiner Stimme fesselt das Publikum, als er gegen den Elektrosound des Keyboards ansingt. Der anschließende Applaus ist riesig. Am Ende stehen die Zuschauer nach "My Crown" auf und verabschieden Marius Bear samt Band mit Standing Ovations.  

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Der zweite Teil des Abends soll mit Lauryn Hill das ganz große Highlight werden. Nicht ohne Grund waren die Tickets am ersten Verkaufstag im August 2018 nach 5 Minuten schon vergriffen. Leider sorgen widrige Umstände dafür, dass es ein Highlight mit Hindernissen wird, denn der für 21:15 geplante Auftritt verzögert sich um fast eine Stunde.

Probleme beim Opening

Die Verspätung ist vielleicht auch der Grund, warum der sonst so exzellente Sound der Baloise Session zu Beginn noch nicht gegeben ist. Das Opening "Lost Ones" ist durchsetzt von Vibrationen. Die scharfen Rhymes, die Lauryn Hill abfeuert, kommen durch das verzerrte Mikro kaum zur Geltung. 

Nach einigen Minuten haben die Techniker dann die richtigen Einstellungen gefunden und ab "When It Hurts So Bad" wird der Sound richtig gut. Die Stimmung steigt enorm, als die Absperrungen vor der Bühne geöffnet werden und die Show zum Stehplatzkonzert wird.

Die schwarze Seele

Jetzt entfaltet sich der geschmeidige Soul von Lauryn Hill und auch ihre Bühnenpräsenz wird immer stärker. Der energetische Flow von "I Used To Love Him" nimmt alle Zuschauer mit. Mit jedem Song wird klarer, dass Lauryn Hill mit ihrem einzigen Soloalbum "The Miseducation Of Lauryn Hill" vor 20 Jahren ein Meisterwerk gelungen ist.

Ein emotionales Highlight ist "Final Hour". Hill singt mit so viel Wut und Schmerz, es ist wie ein Schrei der schwarzen Seele. Intensiv wie selten, gleichzeitig so genial und aufwühlend. Ihre Show steigert sich beständig, eine beeindruckende Mischung aus Show und Emotion, die mit "Every Ghetto, Every City" wieder aufwühlt.

Große Gefühle

Das Konzert ist aber nicht nur aufwühlend, sondern bietet auch viele warme Momente. Die verträumte Ballade "Ex-Factor" ist einfach nur schön. Ebenso bemerkenswert ist der verspielte Sound von "Can't Take My Eyes Off You" – eine echte Liebeserklärung an ihren Sohn Zion David Marley. Im Song "To Zion" feiert sie ihre Entscheidung, entgegen den Ratschlägen ihres Umfeldes keine Abtreibung im Sinn ihrer Karriere gemacht zu haben. Die Zeile "The joy of my world is in Zion" sagt einfach alles.

Das große Finale ist natürlich "Killing Me Softly"- ein bisschen Fugees-Sound muss sein. Lauryn Hill eröffnet den Song ganz soft, bricht dann mit der Stimme aus und endet schließlich in dem Sound, den man vom Original kennt. Mit Blumen in der Hand setzt sie zum Endspurt an und lässt die Zuschauer ihren Abgang begeistert feiern.

Marius Bear Setlist

New York / Sanity / Roses / Lonely Boy / Remember Me / Freedom / Streets / Come What May / My Crown

Setlist Lauryn Hill

Intro / Lost Ones / Everything Is Everything / Superstar / When It Hurts So Bad / I Used To Love Him / Final Hour / Every Ghetto, Every City / Forgive Them Father / Ex-Factor / Nothing Even Matters / Can*t Take My Eyes Off You / To Zion / Tell Him / The Miseducation Of Lauryn Hill / Doo Wop (That Thing) / Nice For What / Killing Me Softly With His Song

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