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Impressionen vom Freitag Nachtwandel 2018 © Daniel Wetzel

2017 feierte der Nachtwandel Wiederkehr, 2018 bringt er in gewohnt vielfältiger und bunter Manier Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammen. Wir haben uns am Freitag auf einen Streifzug durch den Jungbusch begeben.

Nach der erfolgreichen Wiedergeburt im vergangenen Jahr ging der Nachtwandel 2018 in die 14. Runde. Der erste Eindruck am Freitag ist, dass das Kultufest des Mannheimer Stadtteils Jungbusch so bunt und vielfältig ist, wie man es als Besucher gewohnt ist.

Der Nachtwandel lädt dazu ein, gemeinsam auf Entdeckungsreise durch das Viertel zu gehen. Der Start ist verheißungsvoll: Schon beim Einbiegen in die Jungbuschstraße, ist man von so vielen Menschen, Gerüchen und Klängen umgeben, dass man sich erst einmal orientieren muss. 

Erster Hauch von Orient

Bei unserem Gang durch die Jungbuschstraße zieht es uns zuerst in einen Hinterhof, aus dem wir wildes Trommeln und Bläser hören: Offensichtlich ziehen die "Heavy Bones", der Posaunenchor der Städtischen Musikschule und ein Trommelkreis der Orientalischen Musikakademie Mannheim (OMM) mehr als nur uns an. Der Hinterhof ist schon um 20:00 Uhr prall gefüllt.

Das ist kein Wunder bei den fesselnden Rhythmen und den Improvisationseinlagen, die die Trommler auf Lager haben. Gegen Ende der Performance sorgen kleine Kommunikationsschwierigkeiten zwischen den Schülern und dem Anleiter für ein paar Lacher – und wir ziehen weiter mit dem Bedürfnis nach Kunstwerken zum Anschauen.

Interaktiv

Die Zapfsäulen der ARAL-Tankstelle haben sich für den Nachtwandel zur Galerie gewandelt. Wir sehen Kunstwerke von Myroslava Shevchuk und Kristina Yaroslavskaya, vor allem aber von unseren Mitbesuchern, die größtenteils ihre eigenen Gesichter verewigt haben. Hier und da begegnen wir aber auch einem fliegenden Fisch und einer Katze, die uns nur mit ihrem Hinterteil anschaut – was uns der Künstler/die Künstlerin damit wohl sagen will?

Dabei hören wir nicht allzu weit entfernt ein Ukulele-Orchester mit einer wunderbaren Leadsängerin, das am Quartiersplatz Lebensfreude verbreitet. Auf unserem Weg zurück zur Dalbergstaße, wo wir weitere Freunde einsammeln, nehmen wir auch noch ein paar Minuten von Jazzabella mit, die Chart-Hits mit ihren vier Blasinstrumenten auf den Punkt und doch leichtfüßig vortragen.

Unterirdisch

Als wir am Treffpunkt ankommen, bleiben wir dort erstmal eine Weile, und zwar nicht nur, um die Gelegenheit zu nutzen, abseits vom Nachtwandel-Trubel ein wenig durchzuatmen. Eine Jazzband der Musikhochschule bringt Stimmung in die Unterführung, zuerst mit funkig angehauchten Stücken, dann auch mal mit smoothen Jazz-Standards, die für den Moment genau richtig sind.

Mit frischer Energie geht es zurück in die Jungbuschstraße. Wir begegnen einer Spendensammlerin, die den Nachtwandelbecher mit ihren Rufen anpreist. Eine gute Gelegenheit, sich an der Finanzierung des Kulturfestes zu beteiligen.

Musik aus verschiedenen Welten

Jemand aus unserer Gruppe behauptet, im Hagestolz würde "irgendeine Swing Band" spielen. Also drängen wir uns in die prall gefüllte Bar und stehen letztendlich direkt vor den Musikern der Huggee Swing Band, die gerade (leider) mit dem zweitletzten Song ihres Sets beginnt. Neben uns werden Menschen herumgewirbelt und einige tanzen zwar nicht auf den Tischen, aber auf den Sitzbänken, kurz: Das Hagestolz ist "on fire".

Als das Set vorbei ist, schauen wir kurz beim Bandpool der Popakademie vorbei. Wir hören Electro-Pop mit einfühlsamen Leadgesang und ich denke: "Das ist mal eine originelle, schöne Frauenstimme", doch mit einem Blick auf die Bühne werde ich überrascht: Da steht Leopold, ein Sänger in Hotpants mit bunter Paillettenjacke – auf jeden Fall eine bemerkenswerte Type.

Danach sind wir neugierig auf die Beilstraße und finden dort unter mit buntem Licht durchströmten Bäumen einen DJ, der für etwa 30 Arm in Arm tanzende Menschen orientalische Beats auflegt. Gerade als wir richtig dort ankommen, streikt die Autobatterie des Vans, der die Anlage mit Strom versorgt, und es wird für 20 Sekunden stumm. Die Leute lassen sich nicht beirren und tanzen einfach zusammen weiter, bis der Beat wieder einsetzt.

Bis zum Schluss

Müde von den ganzen Eindrücken machen wir uns auf den Heimweg. An der Bahnhaltestelle Rheinstraße wird uns die Wartezeit durch einen DJ versüßt, der Trap und Cloud Rap auflegt.

Ich bekomme ein seltsam erwärmendes Gefühl beim Anblick der 20 Menschen, die sich abseits von der Jungbuschstraße in ihrer eigenen Welt zum Beat bewegen. Das ist sinnbildlich für den Nachtwandel, dessen Besuch für einen eigenartigen, aber wohltuenden Zustand der Offenheit für Neues und für neu entfachten Gemeinschaftssinn sorgt.

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