Shania Twain (2017)

Shania Twain (2017) © Universal Music

Ganze 14 Jahre hat es gedauert, bis Shania Twain nach ihrer ersten Tour wieder in Deutschland auftritt. Die "Now"-Tour ist eine Mischung aus Hits und neuen Songs, die in weiten Teilen begeistert, aber auch ein paar Fragezeichen hinterlässt.

In der bei weitem nicht ausverkauften Kölner Lanxess-Arena, in der die Oberränge abgehängt sind, erwarten die Zuschauer voller Spannung das große Comeback von Shania Twain

Wie klingt sie heute?

Nachdem Shania Twain erklärte, sie habe vor Jahren nach einer Lyme-Borreliose Erkrankung fast ihre Stimme verloren, war zunächst an ein Comeback nicht zu denken. Wie klingt sie jetzt, viele Jahre später?

Berührungsängste kannte Shania Twain schon bei ihrem Konzert 2004 nicht und jedenfalls das hat sich nicht geändert. Der Einmarsch über die Tribüne mitten durchs Publikum ist typisch für einen Star zum Anfassen. Abgesehen von ihrer Musik war diese Nähe zum Publikum immer schon ihr großes Plus. So holt sie im Verlauf des Konzerts Fans auf die Bühne und macht Selfies mit ihnen.

Country mit Rock

Schon beim Opening wird klar, dass Shania Twain live deutlich rockiger klingt als auf den Studioaufnahmen. Ihre Stimme klingt immer noch kraftvoll, aber nicht mehr so perfekt wie noch vor 14 Jahren. Die Stimmfarbe ist etwas tiefer, besitzt aber immer noch diesen besonderen, unverwechselbaren Klang.

Die Bühnenshow ist ein Spektakel aus fünf Videowürfeln, die sich immer wieder neu gruppieren und auch als Tribüne für die Musiker dienen. Ein Hauch Las Vegas wabert durch die Lanxess-Arena. Die Stimmung ist von Anfang an auf gutem Niveau, obwohl das etwas ältere Publikum nicht mehr so enthusiastisch reagiert wie man das von jüngeren Besuchern gewohnt ist.

Saloon-Country

Der rockige Touch verleiht "Don't Be Stupid (You Know I Love You)" ein faszinierendes neues Flair und auch das griffige Gitarrensolo in "That Don't Impress Me Much" ist energetisch und heizt das Publikum an. 

Ganz anders wird die Atmosphäre mit "Any Man Of Mine". Jetzt klingt die Musik wirklich nach klassischem Country – der Sound wird von Fiddlen dominiert und Shania Twain steht im schwarzen Country-Dress auf der Bühne. In der Halle ist die Atmosphäre eines Western-Saloons zu spüren.

Auch "Whose Bed Have Your Boots Been Under?" klingt eher nach klassischem Country, ist aber wesentlich schneller und lädt durch seinen eingängigen Rhythmus zum Mittanzen ein. Fast alle Zuschauer stehen und klatschen mit, als die Stimmung mit "Honey, I'm Home" einen ersten Höhepunkt erreicht. Mit den anschwellenden Gitarren gibt es auch erste Standing Ovations.

Die großen Fragezeichen

Trotz einer insgesamt guten Show sind einige Aspekte nicht perfekt umgesetzt, wie beispielsweise die Songauswahl und die Darbietungsweise verschiedener Titel. Gerade da Shania Twain so lange weg von der Bühne war und offenbar kaum jüngere Fans nachgekommen sind, sollte sie ihre großen Hits zelebrieren.

In Deutschland hatte Shania Twain vier Top Ten Hits. Warum also verfeuert sie "Ka-Ching!", der von den Backgroundsängerinnen quasi als Zwischenspiel gesungen wird, während sie zur hinteren Zweitbühne wechselt? Einen solchen Hit wollen die Zuschauer von ihr selbst hören.

Auch der Megahit "Forever And For Always" läuft nur als angespieltes Video in einer Kurzpräsentation ihrer Videohits – das hatten sich die Zuschauer sicher anders vorgestellt. Man kann nur spekulieren: Lässt der Zustand ihrer Stimme nach der Erkrankung nichts anderes mehr zu?

Fast zu perfekt und sehr nah am Original klingt hingegen "I'm Gonna Getcha Good", obwohl sich ihre Stimme doch deutlich verändert hat. Wurde möglicherweise speziell bei diesem Song technisch nachgeholfen?

Akustik-Song und Duett-Feuerwerk

Trotz einiger Schwächen gibt es an diesem Abend mehrere große Momente. Die Akustik-Version von "You're Still The One" sticht besonders schön heraus: einfach nur Shania Twain mit Gitarre, wunderschön und emotional. Auch die träumerische Ballade "From This Moment On" ist ein gesangliches Highlight.

Riesenbegeisterung löst "Party For Two" aus, ein schneller Up-Tempo Song, den Shania Twain 2004 ursprünglich mit Mark McGrath und Billy Currington eingesungen hat und bei dem sie ihr Support Act Bastian Baker aus der Schweiz begleitet. Das Publikum geht begeistert mit, bei "Swingin' With My Eyes Closed" gehen die Fäuste im Rhythmus nach oben.

Spektakuläres Finale

Mit "Blue Storm", einem instrumentalen Bombastfeuerwerk, geht es ins Finale. Die Würfel türmen sich auf. Auf einem Würfel steht die Violinistin, auf dem zweithöchsten Würfel in fast 10 Metern Höhe ist nun das mobile Schlagzeugset.

Die Schlagzeugerin wirbelt mit voller Wucht, während unten die beiden Gitarristen vor dem blauen Lichtturm mit Vollgas rocken. Der letzte Song "Man! I Feel Like A Woman!" beendet eine spektakuläre Show, die 90 Minuten gute Unterhaltung bietet, aber keineswegs rundum begeistert.

Der Preis der Abwesenheit

Für eine perfekte Show müsste Shania Twain das Publikum noch emotionaler packen, indem sie ihre großen Hits allesamt performt. Eigentlich passt ihre Musik in die Zeit: Der moderne Country-Sound ist cool, boomt nicht nur in den USA, sondern seit Jahren auch in Großbritannien. Da geht deutlich mehr, auch in Deutschland.

Shania Twain könnte ein Zugpferd dafür sein, modernen Country in Deutschland populärer zu machen. Aber aufgrund ihrer Erkrankung fehlt es eben vor allem an dauerhafter Live-Präsenz. Der leere Oberrang bei ansonsten gut gefüllter Arena ist ein Zeichen dafür, dass die Show für Deutschland etwas überdimensioniert ist. 

Setlist

Life's About To Get Good / Come On Over / Up! / Don't Be Stupid (You Know I Love You) / That Don't Impress Me Much / Any Man Of Mine / Whose Bed Have Your Boots Been Under? / Honey, I'm Home / I'm Alright / Ka-Ching! (Interlude) / You're Still The One / More Fun / From This Moment On / I'm Gonna Getcha Good / Party For Two / Swingin' With My Eyes Closed / (If You're Not In It For Love) I'm Outta Here! / Blue Storm (Interlude) / Man! I Feel Like A Woman!

Der rockige Touch gibt "Don't Be Stupid (You Know I Love You) ein faszinierend neues Flair und auch das griffige Gitarrensolo in "That Don't Impress Me Much" ist energetisch und heizt das Publikum an. 

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