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Deva Mahal (live beim SWR3 New Pop Festival, 2018) © Beatrix Mutschler

Nach den ausgelassenen Partys mit Jeremy Loops und Alma folgt mit dem Soulkonzert von Deva Mahal das Highlight des SWR3 New Pop Festivals 2018. Am Ende des Festivalsamstags spielt The Night Game noch eine lässige Abschlussshow.

Wöhrend die Künstler in den Hallen erstrahlen, werden auch die Besucher draußen endlich mit richtig viel Sonne verwöhnt. Die Fanmeile ist rappelvoll, ein fast perfekter Tag rundet das SWR3 New Pop Festival 2018 ab.

Kinderdisko mit Mike Singer

Das Mittagskonzert am Samstag im Festspielhaus Baden-Baden ist - ähnlich wie bei Lea - wieder so eine Show, die man nicht wirklich ernst nehmen kann. Der stark verzerrte Sound lässt meistens nur erahnen, was Mike Singer von sich gibt. Die Hardcorefans machen ordentlich Lärm, aber trotz hohem Kreischfaktor ist der Stehplatzbereich vor der Bühne kaum halbvoll und auch oben auf den Rängen sind viele Plätze leer.

Geradezu absurd ist, dass die Tonübertragung in die Räume vor dem Konzertsaal deutlicher zu verstehen ist als die Live-Musik innen. Da hört man Texte wie "Sekt für die Mädels" während ein kleiner Junge, der gerade mal 18 Jahre alt ist, nach dem Motto "Ich möchte gern ein cooler Hip-Hop Gangster sein" herumposiert. Für solche Shows müsste es ein eigenes Kids Pop Festival oder einen Kids Day geben. Auf dem New Pop Festival hat so eine Kinderdisko nichts verloren. Der einzige Minuspunkt des Tages.

Lässige Party von Jeremy Loops

Wenn ein Künstler seinem Namen alle Ehre macht, dann Jeremy Loops. Denn der südafrikanische Musiker benutzt auf der Bühne eine Loop Machine, um dann über die erzeugten Rhythmen in Dauerschleife weitere Musikelemente darüberzusetzen. Die ganze Show ist ein einziges Erleben von Lebensfreude. Es ist die perfekte Partyshow zum Abfeiern. Jeremy Loops spielt Gitarre und Mundharmonika, tanzt und singt. Seine nicht minder aktiven Bandkollegen liefern Soloeinlagen wie etwa der Saxophonist bei "Freak".

Bei "Waves" werden die Zuschauer von Jeremy Loops zu seiner lebenden Loop Machine. Er dirigiert, sie machen alle mit. Währen das Publikum ganz aus sich herausgeht, laufen die Musiker kreuz und quer über dir Bühne – bei all der energiegeladenen Action weiß man gar nicht, wohin man gerade den Blick wenden soll. Heraus aus all den Happysongs stechen am Ende der Akustiksong "Gold", eine Mischung aus Pop und Blues, und die bekannteste Single "I Wrote It For You", die am Ende nochmal für elektrisierende Momente der Ekstase sorgt.

Vollgas mit Alma

Die Shows von Alma laufen stets nach dem Motto, auf das sie während des Konzerts selbst hinweist: "Our show is always a party". Der Elektrosound mit den energetischen Beats wird am Anfang von der DJane ins Festspielhaus gefeuert. Der Rhythmus von "Karma" ist derart hypnotisch und kraftvoll, dass man einfach nicht still sitzen bleiben kann. Ebenso viel Power strahlt "Dance For Me" aus, das jedoch mit einem etwas groovigeren Rhythmus aufwartet.

Ab "Legend" wandelt sich das Set: Die DJane kommt nach vorne und singt mit, begleitet werden die Songs nun von einem Keyboarder und einem Schlagzeuger. Alma selbst spielt bei diesem Song Gitarre und wechselt stilistisch mehr zum Sprechgesang. Gefeiert wird auch das Martin Solveig Cover "All Stars".

Am Ende stehen die drei Songs, die Alma bekannt gemacht haben. Schon "Dye My Hair" ist so energetisch, dass mehr und mehr Fans auf den Rängen aufstehen und mittanzen. Mit dem anschließenden "Chasing Highs" geht die Power-Party ohne Pause weiter. Auch ganz ohne Musik setzen die Fans den Refrain am Songende fort. Alma peitscht sie hoch, will sie lauter und lauter singen hören. Bei der Zugabe "Bonfire" beginnen die Besucher im Festspielhaus schließlich regelrecht zu toben. Alma rockt das Haus und kniet am Ende mit wehenden Haaren. Eine Show der puren Energie – so geht Party. 

Soul Deluxe von Deva Mahal

Der stilsitische Kontrast von Alma zu Deva Mahal könnte kaum größer sein. Was nun folgt, ist nicht die Partyekstase, sondern eine Show der großen Emotionen und so viel Gänsehaut, wie ein Mensch nur haben kann. Brilliant ist bei Deva Mahal nicht nur der Gesang, sondern auch die Art, wie die Songs arrangiert sind. Das Songwriting ist außergewöhnlich, immer wieder gespickt mit kleinen, perfekt eingearbeiteten Details. 

Schon beim Opening "Can't Call It Love" zieht Deva Mahal das Publikum in seinen Bann. Sofort wird die ungeahnte Strahlkraft dieser Frau spürbar. Sie tanzt und lacht, singt dazu mit so viel Gefühl und Intensität, dass man sich ihrer Wirkung unmöglich entziehen kann. Die ruhigen Balladen liefern Emotionen zum Genießen, sind zutiefst berührend, bis Deva Mahal plötzlich ausbricht und ihre Stimme mit voller Wucht in die Höhe schraubt.

Die traumhaft schönen Melodien bestechen durch großartiges Songwriting. Immer wieder erklingt wie etwa bei "Very Well" zwischen dem kraftvollen Soulgesang die Gitarre, ganz leise und akzentuiert. An anderer Stelle ertönt ein kurzes Bass-Solo oder der Pianist erzeugt eine wunderbare Nightclub-Atmosphäre. Der von SWR3 permanent im Radio gepushte Song "Run Deep" ist das nächste Highlight, ein kraftvoller Tempo-Soul, der das Publikum mitreißt.

Bei dem jederzeit hochklassigen Auftritt folgt ein genialer Song dem anderen, egal ob das gefühlvolle "You And Me", das rockige "I Believe" oder die klassische Soulballade "Down To You", die wie Soul aus den 1970er Jahren klingt. Die mehr als 70 Minuten dauernde Show erfährt mit "Take A Giant Step" den größten Gänsehautmoment. Auch die abschließende Soulballade ist zum Stein erweichen schön.

Perfekter Abschluss von The Night Game 

Das Konzert von The Night Game schlägt völlig aus der Art. Es ist ein Trip zurück in die 1980er Jahre mit kleinen Einschlägen der 90er und damit für die älteren Besucher wie eine emotionale Reise in die Vergangenheit. Ob poppiger Sound wie im Falle von "Once In A Lifetime" oder rockiger Sound mit heulender Gitarre: Sowohl die ausladenend opulenten Songs, die stilistisch zuweilen an den Baywatch-Titelsong "I'm Always Here" erinnern, als auch die Optik der Band sind durch und durch auf Retro-Sytle getrimmt. Auch das entspannte "Kids In Love" greift in die Vergangenheit mit einem Snippet aus "No More I Love You's" von Annie Lennox aus dem Jahre 1995.

Die dominierenden Klänge der Keyboards sind permanent hörbar, die Songs handeln von "Coffee, Cigarettes und Mixtapes". Auch ein Cover von REM, deren Einflüsse bei The Night Game klar erkennbar sind, wird mit "It's The End Of The World As We Know It" gespielt. Je länger man sich in den Klängen von The Night Game verliert, umso stärker tauchen Bilder und Melodien aus der Erinnerung auf, so wie etwa das berühmte "Water Fountain" von David Foster aus dem Film "The Secret Of My Success" mit Michael J. Fox. Tatsächlich endet die Show aber mit "Bad Girls Don't Cry" im Feuerwerk von goldenen Fontänen an der Bühnenkante. Nun ist die gelungene Party vorbei - für dieses Jahr.

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