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Tom Walker (live beim SWR3 New Pop Festival, 2018) © Beatrix Mutschler

Das Opening des SWR3 New Pop Festivals 2018 am Donnerstag ist gelungen: Zuerst liefert Nico Santos eine überzeugende Partyshow - mit einer Ausnahme. Danach zeigt Tom Walker im Theater in Baden-Baden die ganze Breite seiner stimmlichen Qualitäten.

Wenn in Baden-Baden das SWR New Pop Festival startet, sind auch 2018 zwei Dinge gewiss. Auf der A5 Richtung Süden nach Baden-Baden ist Stau. Dazu ist mindestens ein Tag des Festivals selbst nach diesem langen, heißen Sommer total verregnet. Genau so startet am Donnerstag das Event in "New Pop City".

Nico Santos eröffnet die Party

Eine Show von Nico Santos ist immer eine Mischung seiner eigenen Hits und vielen Songs, die er für andere Künstler geschrieben hat oder an denen er beteiligt war. So ist schon der viel beklatschte Opener "Home" ein Song von Topic, bei dem er im Original mitgesungen hat.

Bei seinem eigenen Song "Safe" zeigt er eindrucksvoll seine ausdrucksstarke, kräftige Stimme. Der energetische Song rockt das Kurhaus ebenso wie das eingängige "Say You Won't Go", das er gemeinsam mit Marlon Roudette produzierte.

Immer wieder Purple Rain

Nico Santos kann aber auch gefühlvolle Balladen wie "Streets Of Gold" singen. Während er nebenbei Keyboard spielt, bleibt seine Stimme trotz des Gefühls stets kraftvoll. Der einzige Song, der wirklich nicht nötig gewesen wäre, ist ein weiteres Cover von "Purple Rain" – zu häufig wurde der Hit von Prince seit dessen Tod bereits live von anderen Künstlern gesungen, als dass er noch Begeisterung hervorrufen könnte.

Wenn schon einen Song von Prince covern, dann lieber mal eine unbekanntere Nummer zum eigenen Song machen, der auch wirklich zur Stimme des Künstlers passt. Viel besser ist in der Zugabe das Cover von "Behind Blue Eyes" von The Who.

Überzeugende Mischung

Die besten Songs von Nico Santos sind aber die eigenen Hits wie "I Get Better". Der rockige Grundton des Songs heizt die Stimmung im Kurhaus mächtig an und ist die perfekte Einstimmung für den großen Hit "Rooftop". Nico Santos steht dabei direkt an der Absperrung und kommt dem Publikum greifbar nahe.

Noch näher kommen ihm die Fans, als er zu "Oh' Hello" direkt durch die Zuschauer wandert und mit ihnen Party macht. Die fast 75-minütige Show, die weit über die TV-Aufzeichnung hinausgeht, ist eine tolle Mischung aus eingängigen Akustiksongs wie dem entspannten "Afterparty" und Partyhits wie eben "Rooftop", den er am Ende zur Freude der Fans gleich noch mal auspackt.  

Powerrock von Tom Walker

Als Tom Walker die Bühne im Theater betritt, wird schon beim ersten Song "Cry Out" klar, was für eine Stimmgranate da auf der Bühne steht. Die kratzige, rauhe Stimme ist so durchdringend, dass es die Zuschauer sofort fesselt. Die Energie, die bei "Heartland" und dem melodischeren "Fly Away With Me" durch den Saal wabert, ist enorm. Bei "Blessings" erreicht die Stimme von Tom Walker ein noch höheres Level. Sein Dampfhammer erschüttert bis in Mark und Bein.

Wie facettenreich Tom Walker trotz dieser Stimmpower singen kann, zeigt er in den folgenden Songs. Bei "Sun Goes Down" singt er kraftvoll und rockig im lauteren Teil, während seine Stimme im leiseren Part eher durchdringend hypnotisch klingt. Bei "Dominoes" bricht er urplötzlich aus, wechselt von der dunklen, brachialen Stimmfarbe in eine sehr helle Kopfstimme. Bei "In The End" stellt Tom Walker zudem seine Qualitäten als Blues-Rocker unter Beweis.

Starkes Finale, kurze Zugabe

Schließlich liefert er mit "My Way" einen der zwei besten Songs des Abends ab. Der Song ist deswegen so exzellent, weil zu all der Stimmgewalt eine starke, eingängige Melodie hinzukommt, die dem Titel eine Dynamik verleiht, die sofort ins Ohr und in den Körper geht.

Als Zugabe gibt es nach der sensiblen, gefühlvollen Ballade "Angels" noch das traumhaft schöne "Leave A Light On", das trotz seiner leichten Melodie durch rockigen Sound und wieder diese durchdringende Stimme brilliert. Dieser zweite herausragende Song von Tom Walker ist gleichzeitig das Ende des ersten Abends im Theater, denn trotz mehrerer Minuten Standing Ovations lässt er sich leider zu keiner weiteren Zugabe bewegen.

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