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Bryan Ferry (live in Mainz 2018) © Rudi Brand

Das Konzert von Ex-Roxy-Music-Sänger Bryan Ferry in der Mainzer Zitadelle wird durch technische Umstände bestimmt. Erst deutlich nach der Hälfte des Abends finden die Techniker die richtige Einstellungen - und das betrifft nicht nur den Sound.

Irgendetwas läuft schief beim Konzert von Bryan Ferry bei Summer in the City in Mainz. Eigentlich sind die Voraussetzungen perfekt: Ein lauer Sommerabend, perfekte Organisation und entspannt-freudige Atmosphäre im Publikum.

Als Bryan Ferry um kurz nach 20 Uhr die Bühne betritt, ist der Jubel groß. Das Konzert leidet in der Folge aber an einem flachen und undifferenzierten Klang. Das Schlagzeug übertönt alle anderen Instrumente und Bryan Ferrys Gesang geht im Soundmatsch unter.

Seltsames Licht, seltsamer Sound

Im gut gefüllten Innenhof der Zitadelle will daher keine echte Stimmung aufkommen und auch Bryan Ferry wirkt nicht sonderlich engagiert. Das Konzert plätschert so vor sich hin.

Zudem wirkt die mit einem roten Vorhang dekorierte Bühne bei dem seltsam diffusen Licht wie eine Theaterproduktion, der das Geld ausgegangen ist. Sicherlich erlaubt das Tageslicht keine Lichtshow wie in einer abgedunkelten Halle, aber dennoch ist klar: Irgendetwas stimmt hier nicht.

Den Schalter gefunden

Plötzlich ändert sich bei "In Every Dream Home a Heartache" sowohl der Sound als auch die Lichtshow. Unvermittelt besitzt die Musik Druck und auch die einzelnen Instrumente sind weitaus klarer zu vernehmen.

Zudem wirkt es, als habe die (übrigens von Bryan Ferry mitgebrachte) Technik den richtigen Schalter für die Lichtshow gefunden. Auf einmal erstrahlen Spots, der Vorhang verzieht sich, worauf Videoanimationen zu sehen sind und eine drehende Disko-Kugel glitzert im Abendlicht.

Plötzlich Stimmung

Das hat sofortige Wirkung auf die Stimmung im Publikum. Plötzlich erwacht das bislang eher müde Konzert zum Leben, die Zuschauer gehen mit und jubeln. Auch Bryan Ferry lässt sich von der guten Stimmung anstecken und zeigt auf einmal wesentlich mehr Engagement. 

Selten gab es ein Konzert, das so krass in zwei Hälften zerfiel. Während im ersten Teil alles irgendwie gleich klang, wirken jetzt die Songs so unverkennbar, dass sich das Publikum nicht mehr auf den Sitzen halten kann.

Eindrucksvolle Bühnenpräsenz

Jetzt kommt auch Ferry hervorragende Band wesentlich besser zur Geltung, besonders Gitarrist Chris Spedding und Saxophonistin Jorja Chalmers setzen immer wieder eindrucksvolle Akzente. Ferrys Stimme hat altersbedingt an Geschmeidigkeit verloren, aber seine Bühnenpräsenz macht seinem Ruf als Dandy der Popmusik alle Ehre.

Die Songs sind natürlich sowieso unangreifbar. Ob das sehnsüchtige "Avalon", der schwungvolle Pop von "Virginia Plain" und "Love Is The Drug", die Soul-Pop Hymne "Let's Stick Together" oder die fast schon klassische Cover-Version von John Lennons "Jealous Guy", Ferry zeigt sich als Meister des eleganten dreiminütigen Popsongs.

Nach knapp mehr als 90 Minuten ist das Konzert zu Ende, Bryan Ferry verabschiedet sich, kehrt aber nicht für eine zweite Zugabe auf die Bühne zurück. Der Abschluss stimmt versöhnlich, wenngleich man sich gewünscht hätte, Sound und Licht wären von Anfang an auf gewohntem Niveau gewesen.

Setlist

The Main Thing / Don't Stop the Dance / Ladytron / Out of the Blue / Oh Yeah / Casanova / A Waste Land / Windswept / Bête Noire / Zamba / Stronger Through the Years / Bitter-Sweet / Tokyo Joe / Slave to Love / In Every Dream Home a Heartache / If There Is Something / Re-Make/Re-Model / My Only Love / More Than This / Avalon / Love Is the Drug / Virginia Plain // Let's Stick Together / Jealous Guy

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