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Queens Of The Stone Age (live in Wiesbaden, 2018) © Leonard Kötters

Queens Of The Stone Age legen wie erwartet einen sensationellen Auftritt im Kulturpark hin, der den Kulturpark Wiesbaden in eine Staubwüste verwandelt. Josh Homme praktiziert auf der Bühne außerdem ein sehenswertes Anti-Aggressions-Training.

An diesem lauen Sommerabend ereignen sich typische Szenen einer Queens Of The Stone Age-Show: Laut aufheulende Gitarren, zahlreiche circle pits und dieser gewisse Funken Energie, der sich binnen Sekunden auf die Zuschauer überträgt. Die Open-Air-Show in Wiesbaden erweist sich jedoch schnell als ein ganz besonderes Konzerterlebnis.

Frontmann Josh Homme, der sich an diesem Abend besonders spielfreudig präsentiert, ist voll des Lobes für die außergewöhnliche Tanzfreude des Publikums: "Ihr seid wirklich unfassbar. Und das erzähle ich dem Publikum definitiv nicht jeden Tag."

Perfekte Location

Die Rahmenbedingungen für das Open Air im Kulturpark Schlachthof Wiesbaden könnten nicht besser sein. Ein strahlend blauer Himmel lässt wahre Festivalstimmung aufkommen. Außerdem ermöglicht der frühe Einlass ein stressfreies Ankommen auf dem weitläufigen Gelände.

Mit dem ersten Song des Support Acts CRX kommen allerdings erste Zweifel auf. Der Sound ist so leise, dass man sich mühelos mit seinem Nachbarn unterhalten kann. Das Songwriting der Band lässt ohnehin zu wünschen übrig, da die Refrains zu vorhersehbar sind. Das Publikum spendiert daher nicht mehr als einen höflichen Applaus. Ein aus The Strokes und der Hauptband des Abends zusammengeklaubter Musikstil ist eben kein Erfolgsgarant.

Wir brauchen Bass, Bass

Die Hoffnung, dass der Lautstärkeregler für QOTSA ordentlich nach oben gedreht wird, erfüllt sich zunächst nicht. Dass Stoner Rock in Wohnzimmerlautstärke allerdings nicht so  wirklich den Ansprüchen des Publikums gerecht wird, zeigt sich schnell in einhelligen "lauter!"-Chören in Richtung Mischpult. Der Sound ist zwar perfekt differenziert, aber einfach zu leise.

Der Soundtechniker erfüllt den Wunsch der Menge jedoch nach kurzer Zeit, sodass dem Tanzspaß der euphorisierten Besucher nichts mehr im Wege steht. Doch auch ein Rockkonzert muss sich bestimmten Grenzen fügen: Ein später vor dem Mischpult angebrachter Zettel gibt bekannt, dass der maximale Dezibel-Pegel erreicht sei.

"Let's Dance, Motherfuckers"

Auf dem Gelände steigen schnell riesige Staubwolken gen Himmel, die sich durch das wilde Tanzen im Publikum bilden. Da die zwei großen Hits "Little Sister" und "No One Knows" relativ früh im Set auftauchen, schraubt sich die Stimmung im Eiltempo nach oben. Die Bandmitglieder von QOTSA lassen sich ebenfalls nicht lumpen und geben alles.

Ein besonderes Highlight ist das dem verstorbenen Moderator Anthony Bourdain gewidmete "Long Slow Goodbye", welches das Publikum mit lautem Applaus honoriert. Schnell kehrt die Band jedoch wieder zum rasenden Rock'n'Roll ihrer neuen Platte zurück und treibt die Menge erneut zum Äußersten. Im Laufe der Show zeigt sich, dass die aktuellen Songs eine enorme Live-Qualität besitzen. An die Klasse der alten Klassiker wie "Sick, sick, sick" reichen sie jedoch nicht ganz heran.

Anti-Aggressions-Therapie der etwas anderen Art

Auf der Bühne befinden sich mehrere gepolsterte LED-Säulen, die Homme mit gezielten Tritten oder durch Bewegungen seines Körpers hin- und herschwingen lässt. Da der Hüne sich vor geraumer Zeit mit einem Tritt gegen eine Fotografin nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat, ist die Umsetzung der Lichtsäulen immerhin ein geeignetes Ventil, mit der er Herr über seine Aggressionen werden kann. Durch die perfekt inszenierte Lightshow sind die Aktionen Hommes gegen die Lichtinstallationen auch noch schön anzusehen.

Um seinem Image als Bad Boy des Rock'n'Roll doch noch gerecht werden, ruft Homme dem Wiesbadener Publikum später mit gestrecktem Mittelfinger entgegen: "Scheiß auf die Regeln! Regeln sind da, um gebrochen zu werden!" Die Menge spendet jubelnden Applaus, jedoch stürmt daraufhin niemand aus den hinteren Reihen in den Front Of Stage-Bereich, für den man ein spezielles Ticket benötigt. Rock'n'Roll ist nicht mehr ausschließlich Lifestyle, sondern schlussendlich einfach Kopfsache.

Setlist

If I Had A Tail // In My Head // My God Is The Sun // Feet Don't Fail Me // The Way You Used To Do // YTIAWAD,BIFLAM // No One Knows // The Evil Has Landed // Long Slow Goodbye // Domesticated Animals // Make It With Chu // Smooth Sailing // I Appear Missing // Villains Of Circumstance // Little Sister // Go With The Flow

Encore: Head Like A Haunted House // Sick, Sick, Sick // A Song For The Dead

 

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