Sleep (2018)

Sleep (2018) © Propeller Music

Sleep zelebrieren bei ihrem gelungenen Comeback-Konzert im ausverkauften Münchner Technikum mit enormer Lautstärke die hohe Kunst der grasgeschwängerten Gitarrenriffs.

Sleep gelten, neben Kyuss, zu den wichtigsten Pioniere des Stoner-Rocks und Doom-Metals. Die Band befindet sich momentan auf Tour, um "The Sciences", ihr erstes Album seit 15 Jahren, zu promoten.

Großartige Spielfreude

So ist es wenig verwunderlich, dass sich 750 Fans (sogenannte Weedians) im restlos ausverkauften Münchner Technikum einfinden, um der Band bei ihrem ersten Konzert in München seit sechs Jahren zu huldigen.

Bassist und Sänger Al Cisneros, Gitarrist Matt Pike, wie immer oberkörperfrei, und der Neurosis-Schlagzeuger Jason Roeder zeigen sich beim Auftakt Ihrer Deutschlandtour in bester Spielform und liefern ein fulminantes Konzert ab, das den hohen Erwartungen mehr als gerecht wird.

Mächtiger Sound

Kurz nach 21 Uhr ertönt im Technikum, passend zum Cover des neuen Albums, das einen im All schwebenden Astronauten zeigt, ein ungefähr fünfzehnminütiger Radiomitschnitt der NASA von der Mondlandung 1969 zur Einstimmung auf die folgende Reise.

Nach den Pfiffen einiger ungeduldiger Fans betritt die Band unter dem Sound eines Gitarren Feedbacks die Bühne, um zusammen mit ihren im Publikum versammelten Adepten eine grün gewürzte Messe zu zelebrieren. Gleich beim ersten Song ist klar: Es wird laut, verdammt laut!

Der Sound des Abends im akustisch nicht besonders guten Technikum ist extrem drückend, wuchtig und erdig – lediglich der ohnehin spärlich gesäte Gesang ist als Wermutstropfen etwas zu leise und kann sich leider nicht richtig durchsetzen. Sleep präsentieren ihre zumeist sehr langsamen und vor allem überlangen Kompositionen in fantastischer Form.

Das heißt nicht umsonst Stoner-Rock

Die Spielfreude der bestens aufeinander abgestimmten Musiker, ist ein wahrer Ohrenschmaus. Durch die enorme Lautstärke einer Wand von vier Ampeg Full-Stack Bassverstärkern und drei Orange Full-Stacks, sowie 2 Orange Half-Stacks für die Gitarre wird die Musik zu einer außergewöhnlichen und vor allem zu einer gefühlten Erfahrung.

Sleep bauen ihre extrem schweren, droneartig gespielten Riffs zu einer wahrhaftig vibrierenden Wall of Sound auf. In Kombination mit dem nahezu omnipräsenten Grasgeruch in der Halle wird das Zitat "follow the smoke toward the riff-filled land" aus ihrem Song "Dopesmoker" zum heiligen Motto des Abends.

Stimmiges Gesamtkonzept

Das minimalistisch gestaltete Bühnenbild unterstützt die Wirkung der Musik zusätzlich. Sleep kommen hierbei ohne jegliche Banner am Bühnenhintergrund aus und bauen lediglich auf eine Beleuchtung meist in roter Farbe.

Ebenso minimalistisch gestaltet sich die verbale Kommunikation mit dem Publikum, die praktisch nicht existiert. Das stört keineswegs – ganz im Gegenteil, es wirkt ehrlich und authentisch und verfehlt gerade deswegen seine Wirkung auf das begeisterte Publikum nicht.

In der Musik versunken

Dass das letzte Album der Band fünfzehn Jahre auf dem Buckel hat, lässt sich auch am Publikum ablesen. Der Großteil der in schwarz gekleideten und entspannten Weedians befindet sich überwiegend in der Altersklasse um Mitte dreißig oder älter.

Passend zum langsamen, extrem schweren und schleppenden Fuzz-verzerrtem Sound der Band bewegen sich viele Fans tranceartig in sich versunken im Gleichklang zu den Riffs. Entrainment in Reinform.

Gut zusammengestellt

Die Setlist des Abends präsentiert sich als gelungener Mix von alten und neuen Songs, der nichts vermissen ließ. Mit "The Sciences", "Marijuanaut’s Theme", "Sonic Titan" und "Antarcticans Thawed" spielen Sleep gleich vier der sechs Titel ihres neuen Albums, die sich so gut in die Setlist einfügen, als hätte es die Bandpause nie gegeben.

Als die Band nach 75 Minuten mit dem obligatorischen Gitarren-Feedback die Bühne verlässt, ist allen Anwesenden klar, dass Sleep immer noch die Riffkönige im Geiste von Black Sabbath sind. Wenig verwunderlich also, dass das Publikum unter frenetischem Applaus eine Zugabe einfordert.

Der göttliche Sound

Sleep erfüllen den Wunsch mit einem Ausschnitt ihres monumentalen einstündigen Epos "Dopesmoker". Kurz vor Ende der Konzertes kniet Bassist und Sänger Al Cisneros kurz vor einer seiner Bassboxen, als wolle er den Generator seines Sounds anbeten – getreu dem indischen Motto nada brahma (Sound is God).

Um 23 Uhr geht schließlich unter anhaltendem, lautem Applaus und dem abermals brummenden Feedback von Gitarre und Bass ein außergewöhnliches Konzert zu Ende. Durch das Feedback schließt die Band thematisch den Bogen zwischen Anfang und Ende ihrer metaphysischen Klangerkundung.

Alle Anwesenden sind sich sicher, Teil eines besonderen Konzertes gewesen zu sein. Sleep sind in besserer Form als je zurück. Das Spaceship ist erfolgreich gelandet und lädt zum Mitfliegen ein.

Setlist

The Sciences / Marijuanaut’s Theme / Holy Mountain / The Clarity / Sonic Titan / Antarcticans Thawed / Aquarian / Dragonaut // Dopesmoker

Alles zum Thema:

sleep

Das könnte Sie auch interessieren