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Noel Gallagher (live in Wiesbaden, 2018) © Christian Düringer

Mit seiner hervorragend besetzten Band zelebriert Noel Gallagher im Schlachthof sein Solowerk und die heiß ersehnten Oasis-Klassiker. Sein übertriebenes Wiesbaden-Bashing nehmen die Fans als typische Gallagher-Folklore locker.

Wie gewohnt sind einige Fans von der Insel anwesend, um Noel Gallagher's High Flying Birds in so einem vergleichsweise intimen Rahmen zu erleben.

Der Schlachthof ist mit geschätzt 3000 Zuschauern ausverkauft und die Stimmung ist gut. Im Publikum sieht man auf den T-Shirts vereinzelt Oasis-Motive, ansonsten Paul Weller, Manchester City, The Who – das Übliche eben.

Keyboards im Mittelpunkt

Als Support spielen Blossoms. Ihr keyboardlastiger Sound mit kräftigen Drums passt gut zu "Who Built The Moon", dem aktuellen Album von Noel Gallagher. Seine High Flying Birds haben auf dieser Tour mit Gem Archer und Chris Sharrock immerhin zwei weitere Musiker aus dem finalen Oasis-Line-up an Bord. Dass beide auch Mitglieder von Beady Eye waren, soll hierbei nicht unerwähnt bleiben.

Nach 25 Minuten beenden Blossoms ihren Set, das pünktlich um 20 Uhr begonnen hatte. Es ist unter der Woche und das Publikum muss nicht nur morgen früh raus, sondern will auch zuhause den Babysitter nicht überstrapazieren. Insofern alles gut.

Den Marsch blasen

Mit "Fort Knox" hat Gallagher nicht nur einen stimmigen Eröffnungstrack auf dem Album, sondern auch den perfekten Opener für die Liveshow. Sein Bruder spielt an dieser Stelle immer noch "Fuckin' In The Bushes" vom 2000er Oasis-Album "Standing On The Shoulders Of Giants".

Wie auf der Platte folgt das treibende "Holy Mountain" – und die Post geht ab. Der Sound ist gut und die dreiköpfige Bläsersektion macht ordentlich Druck. Auch "Keep On Reaching” überzeugt. Noch besser gerät allerdings "In The Heat Of The Moment", bei dem die Bläser den nervigen "Na na na na na"-Part übernehmen und den Song auf ein neues Niveau heben.

Kein Freund von Wiesbaden

Noels Gesang klingt ebenfalls sehr gut, nur verfährt er über weite Teile des Abends nach dem Motto: "Let the music do the talking". "Shut up!" ist seine erste Ansage.

Mittlerweile hat er sich bis zu seinem ersten Soloalbum voran gearbeitet. "Dream on" klingt gewaltig und die Lautstärke der mitsingenden Fans erreicht langsam den Pegel, den es für die Oasis-Kracher braucht. Nach einer von weiteren "Shut ups" dominierten Ansage nimmt er sich die Zeit, um über Wiesbaden zu spotten, indem er fragt, wie man ohne Geschäfte überleben könne. Dann aber ist es endlich soweit: Mit "Little By Little" folgt der erste Kracher des Abends. Beim folgenden "The Importance Of Being Idle" hat er jedoch große Probleme die hohen Töne zu singen.

Bereit für die alten Songs

Mit "If Love Is The Law" folgt wieder neueres Material. Wer Sorge hatte, Noels Stimme könnte schlapp machen, wird mit einer wunderbaren akustischen Soloversion von "Dead In The Water" belohnt, das auf dem neuen Album als Bonustrack enthalten ist.

Das folgende "Be Careful What You Wish For” treibt viele an die Bierstände oder an den Ort, an dem man selbiges wieder los wird. "She Taught Me How To Fly" bringt zwar wieder etwas Schwung in die Bude, aber es ist unmissverständlich, dass das Publikum jetzt nach 70 Minuten eigentlich etwas anders will.

Wie würde das mit Liam klingen?

Zum Glück hat der Chief ein Einsehen und zaubert mit "Half A World Away" eine wunderbare B-Seite aus der Oasis-Zeit aus dem Hut. Dann folgt endlich die erste echte Hymne: "Wonderwall". Noel singt die Strophen ungewohnt schnell, aber im Vergleich zu den ruhigen Versionen, die er von dem Song auch schon gespielt hat, bringt er damit Stimmung in die Halle. "AKA... What a Life!" widmet er dann den Anhängern seines Fußballclubs und beendet so das reguläre Set.

Das in dieser Länge dann doch eher zähe "The Right Stuff" hält die Stimmung erst noch am Boden, bevor dann das Intro von "Go Let It Out" die Lebensgeister des Publikums erweckt. Leider zeigt sich, dass Noel dem Song nicht die Kante geben kann, den er braucht. Liam mag die Töne nicht mehr treffen, aber auch in heutiger Verfassung hätte er dem Song gut getan. Hätte, hätte...

Abschluss mit Höhepunkten

Da Noel Gallagher danach aber eine sehr schöne, neu arrangierte Version von "Don't Look Back In Anger" spielt, ist alles vergessen und gemeinsam zelebrieren Band und Fans einen der schönsten möglichen Konzertmomente. Was kann man da noch drauf setzen? Richtig, da braucht es die Fab Four: "All You Need Is Love", durch die Bläser auch orchestral nah am Original, sorgt für einen grandiosen Abschluss.

Am Ende lästert er zwar noch ein bisschen über die vermeintliche Provinzialität der hessischen Landeshauptstadt, bedankt sich aber sehr artig und sagt, dass er wieder kommt. Und sein wir mal ehrlich: Eigentlich wollen wir auf diese Gallagher-Folklore auch gar nicht verzichten!

Setlist

Fort Knox / Holy Mountain / Keep On Reaching / It's A Beautiful World / In The Heat Of The Moment / Riverman / Ballad Of The Mighty I / If I Had A Gun... / Dream On / Little By Little / The Importance Of Being Idle / If Love is The Law / Dead In The Water / Be Careful What You Wish For / She Taught Me How to Fly / Half The World Away / Wonderwall / AKA... What A Life! // The Right Stuff / Go Let It Out / Don't Look Back In Anger / All You Need Is Love

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