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Impressionen von der Time Warp 2018 in Mannheim

Die Macher der Time Warp 2018 haben im Vergleich zum Vorjahr einiges verändert. Floors sind neu gestaltet und zahlreiche Newcomer geben ihr Debüt auf dem Massenevent in der Mannheimer Maimarkthalle. Die Mühe hat sich gelohnt.

Bei perfektem Outdoorwetter präsentiert sich die Time Warp im Jahr 2018 vielfach runderneuert. Die erste Auffälligkeit ist der Platztausch von Garderobe und Floor 6, der sich nun gegenüber des Eingangs zu den Main Floors 1 und 2 befindet.

Der 2017 als Sorgenkind beschriebene Floor 6 rückt durch den Platztausch nun deutlich mehr ins Zentrum des Geschehens. Das ist der richtige Ansatz.

Zwei starke Newcomer

Die nächste Frage ist, ob die Newcomer das Fehlen der langjährigen Top DJs wie Carl Cox oder Richie Hawtin kompensieren können. Von den neuen Namen stechen vor allem zwei Akteure deutlich heraus, die schon jetzt für frischen Wind sorgen und auch langfristig Highlights der Time Warp werden können.

Debütant Konstantin Sibold, studierter Luft- und Raumfahrttechniker, liefert wie erwartet ein facettenreiches Set auf Floor 2 ab. Sibold baut konstante Spannungsbögen mit sphärischen Elementen auf, die dann mit harten Beats explodieren. Er erhält am Ende viel Applaus für sein gelungenes Set. Weniger stark verläuft dagegen das Debüt von Nastia auf Floor 1. Sie versucht sich an Highspeedsound, kann aber deutlich weniger Besucher an sich binden als die Konkurrenz auf Floor 2.

Ab 22:30 Uhr beginnt Boris Brejcha sein mit Spannung erwartetes Set, das letztlich sogar viele Hoffnungen noch übertrifft. Auf ein Mega-Opening auf Floor 2 folgt eine harte Abfolge von straight abgefeuerten Powerbeats, auf die richtig energetisch abgetanzt wird. Dieses Set ist ein Highlight, eine perfekte Mischung aus Härte und Tempo, das bis zum Ende extrem viele Tänzer an den Floor bindet. Mit berechtigt lautem Applaus wird Boris Brejcha schließlich verabschiedet. 

Das Deckendesign

Auch optisch haben die Macher einiges überarbeitet: Die stärkste Entwicklung beim Lichtdesign sind die neuen, fließenden Lichtstreifen auf Floor 4. Nach der einfallslosen, starren Metalldecke der zwei letzten Jahre wirkt Floor 4 nun optisch viel abwechslungsreicher und lebendiger. Ob quer fließende Streifen, wandernde Punktlandschaften oder ganze Wellenbewegungen, dem kreativen Spiel öffnen sich endlich mehr Chancen zur Entfaltung

Das Floordesign bietet 2018 auf den Main Floors 1 und 2 leider nicht viel neue Akzente. Auf Floor 1 hängen als bekanntes Stilelement von 2017 die Blasen an der Decke. Das Design ist und bleibt langweilig und bietet wenig Möglichkeiten. Bleibt nur die Hoffnung, das den Machern des Time Warp für das 25jährige Jubiläum 2019 hier etwas kreativeres einfällt. Floor 2 hat wieder die Lichtfäden, die an der Decke leuchten. Das bietet zumindest etwas mehr Spielraum für Kreativität.

Feuerwerk der Beats auf Floor 3

Das Opening von Adriatique um 22 Uhr ist ein knallhartes Brett. Die Tänzer geben dort Vollgas, auch wenn Floor 3 zunächst nur halb voll ist. Ricardo Villalobos liefert ab 0 Uhr anschließend ein echtes akustisches Highlight ab. Unter die Beats mischt er verschiedene Effekte: Mal klingt es wie ein simuliertes Gewitter, mal feuert er einen Laserstrahl wie aus einem alten Science-Fiction Film ab. 

Knüppelhart wird es ab 2 Uhr mit dem Set von Laurent Garnier. Der Veteran zieht alle Register und wartet nicht nur mit einem ultraharten, sondern auch extrem lauten Set auf. Da versagt sogar mancher Gehörschutz. Mit dem Wechsel zu Dixon wird der Sound zwar wieder etwas gelassener, aber auch sein Set ist ein Dampfhammer, der beim Publikum für extrem viel Bewegung sorgt. Er fügt sich nahtlos in die starke Zeitachse ab 4 Uhr ein.

Die große Welle auf Floor 4

Die Chancen des neuen Lichtdesings nutzt Nick Curly ab 23 Uhr direkt aus und lässt das Licht über die Zuschauer tanzen, während er im gleichmäßigen Rhythmus die Dauertänzer in Bewegung hält. Auch Apollonia lässt ab 0 Uhr ihren Sound mit den Beats fließen und bewegt das Licht in einem ständigen Strom aus weißen Lichtpunkten, die in Wellen über den Köpfen des Publikums gleiten.

Die Chancen des neuen Floordesigns werden von Luciano anfangs noch vernachlässigt. Seine Beats, mit denen er es ab 2 Uhr krachen lässt, werden untermalt von weißen Streifen, die wie ein langer Zebrastreifen immer wieder aufleuchten. Das ist relativ lahm und wird erst mit den rundlaufenden Lichtsttreifen besser, ohne jedoch komplett zu überzeugen. Die roten Lichtpunkte, die Loco Dice mit beatunterlegten Wellen ab 4 Uhr in Schwingung versetzt, sind ein weiteres optisches Highlight. Entsprechend ist es jetzt rappelvoll.

Langsame Steigerung auf Floor 5

Der Glaskasten am Ende des Geländes kommt 2018 nur langsam in Schwung. Bei Amberoom ab 23 Uhr gibt es kaum Stimmung – kein Wunder, es ist ja auch kaum jemand anwesend. Selbst der sonst so zuverlässige Karotte, dessen Set um 0 Uhr startet, dreht erst nach einem Drittel so richtig auf – und siehe da, schon füllt sich Floor 5. Mit Magda wird es ab 2 Uhr konstant voll. Ihr Sound ist gut tanzbar, aber leider nicht besonders originell.

Den richtig guten Sound liefert erst Seth Troxler, der ab 4 Uhr ein Teil der großartigen Zeitschiene bis 6 Uhr wird. Die treibenden Beats sind ein energetisches Feuerwerk und sorgen für beste Stimmung, bei der nicht nur getanzt wird, sondern auch vielfach das Wippen durch den ganzen Körper geht.

Entwicklung auf Floor 6

2017 noch sehr lieblos gestaltet, gibt die für 2018 installierte Beleuchtung den DJ's auf Floor 6 ein paar mehr Möglichkeiten, die zunächst aber nicht greifen. Amir Javasoul gelingt es zu Beginn ab 22 Uhr nicht, größeres Publikum dort zu binden. Erst Dorian Paic belebt Floor 6 ab 22:30 Uhr mit seinen durchgängig rhythmischen Beats, die sich perfekt für Dauertänzer bei mittlerem Tempo eignen. Dazu passen die sich permanent wiederholenden Lichtmuster.

Leider fällt Nicolas Lutz ab 1:30 Uhr mit einem sowohl vom Sound als auch von der visuellen Präsentation sehr langweiligen Set ab, weshalb Floor 6 sehr verlassen wirkt. Das beste Set hat ab 4 Uhr Sonja Moonaer zu bieten. Sie bewegt größere Massen und kann trotz starker Konkurrenz ansatzweise mit den anderen Floors mithalten.

Do you wanna bass?

Ab Mitternacht befeuert Monika Kruse Floor 2. Im Opening stellt ihr Sound bereits die ultimative Frage: "Do you wanna bass?" – Keine Frage, natürlich! Also legt sie los, hart und geradlinig wie gewohnt. Genau wie bei ihr ist Floor 1 gut gefüllt. Dort tanzen die Partypeople zu den anfangs melodischen Klängen von Pan-Pot, die am Ende härter und durchdringender werden. Das alles ist gut, aber noch nicht der Höhepunkt.

Die nächste Stufe zündet das Event ab 2 Uhr vor allem mit Dubfire. Für sein Set gibt es nur ein Wort: elektrisierend. Er peitscht das Publikum mit seinen Beats an, es hagelt energetische Schläge vom Allerfeinsten. Nebenan bei Chris Liebing wird auch ausgiebig getanzt, aber dort ist die Stimmung nicht so ausgelassen.

Highlights am Ende der Nacht

Die absoluten Highlights der Nacht liefern mit steigender Dramaturgie aber Sven Väth und Adam Beyer. Altmeister Sven Väth wird mit großem Applaus empfangen, als er um 4 Uhr auf Floor 2 ans Pult tritt. Mit einem Gashorn als Megahupe gibt er gleich von Beginn an Vollgas. Der krachende Bass und die knallharten Schläge unterlegen einen Sound, der dennoch durchgängig tanzbar ist. Ein Set auf ganz hohem Niveau.

Nicht weniger energetisch und beeindruckend ist auf Floor 1 das Set von Adam Beyer. Sein treibender Sound ist ein energiegeladenes Feuerwerk, dass sich mehrfach entlädt und Animationen bietet wie Nebelbänken unter den großen Blasen, durch die dann gleißendes Licht fällt. Die Time Warp 2018 hat ihren Höhepunkt erreicht – aber noch nicht das Ende.

Nächstes Jahr feiert die Time Warp ihr 25-jähriges Jubiläum. Nach der erfolgreichen Ausgabe 2018 darf man schon jetzt gespannt sein, was sich die Organisatoren für die Jubiläumsausgabe ausdenken werden.

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