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G3 Roth Petrucci Satriani (live in Offenbach, 2018) © Peter H. Bauer

In der Besetzung Joe Satriani, John Petrucci und Uli Jon Roth ist die bekannte Konzertreihe G3 aktuell auf Deutschlandtour. Obwohl das Konzert in der Offenbacher Stadthalle nicht ausverkauft ist, hinterlassen die drei virtuosen Gitarristen dennoch bleibenden Eindruck.

Über zwanzig Jahre ist Joe Satrianis Projekt G3 inzwischen alt. Seitdem hat sich vieles getan – und außer dem Erfinder der Konzertreihe ist aktuell keiner der ursprünglichen Meistergitarristen mehr am Start.

Dafür hat sich Satriani für seine momentanen Shows aber anderweitige prominente Unterstützung aus der Vergangenheit geladen: Neben Satriani, dem früheren Gitarrenlehrer von Metallicas Kirk Hammett und Rage Against The Machines Tom Morello, komplettieren Dream Theater-Saitenhexer John Petrucci und der frühere Scorpions-Axtstreiter Uli Jon Roth das diesjährige Europa-Lineup.

Etabliertes Konzept

An der Besetzung mag sich seit den ersten Auftritten von Joe Satriani, Steve Vai und Eric Johnson anno 1996 so einiges verändert haben – am Konzept jedoch nicht. Noch immer bestreiten drei Wunderkinder an sechssaitigen Instrumenten gemeinsam eine Show.

Zunächst darf jeder im Alleingang – mit seiner jeweiligen Band, versteht sich – ein paar Stücke zum Besten geben. Am Ende trifft man sich dann zu dritt wieder auf der Bühne, um gemeinsam ausgedehnt zu jammen. Eine Jimi Hendrix-Nummer gehört dabei eigentlich immer mit zum guten Ton. Schließlich gilt das früh verstorbene Genie immer noch als der Übervater aller elektrisch angehauchten Gitarrenspieler.

Nachlassende Popularität

Doch während sich G3 in den Anfangsjahren großer Beliebtheit erfreute, hat diese Idee inzwischen eindeutig an Popularität eingebüßt. Das wird nach dem Betreten der Offenbacher Stadthalle an diesem Abend offenkundig. Ausverkauft ist die Arena nämlich nicht einmal ansatzweise. 

Die drei Meistergitarristen lassen sich von der Kulisse jedoch nicht abschrecken. Uli Jon Roth eröffnet den Reigen. Als bissiger Ex-Scorpion hat der gebürtige Düsseldorfer natürlich jede Menge Material seiner früheren Band mit im Gepäck. Die 1970er-Klassiker der Hannoveraner reihen sich zwischen der eröffnenden "Sky Overture" und dem abschließenden "Earthquake" von Roths zweiter Gruppe Electric Sun ein.

Als einziger der drei Saitenhexer setzt der Mann mit dem Stirnband auf Gesangspassagen und hat sich zudem neben Gamma Ray-Drummer Michael Ehré gleich noch zwei weitere sehr fähige Axtschwinger mitgebracht, von denen Niklas Turmann auch hin und wieder an das Mikrofon tritt.

Traumhaftes Trio

Während die Stimmung beim Auftritt von Uli Jon Roth trotz guter Performance irgendwie noch nicht so ganz vorhanden ist, erhält Dream Theater-Gitarrist John Petrucci sehr viel mehr Resonanz. Stilistisch ist der mit dem derzeitigen Drummer seiner Stammband, Mike Mangini, sowie dem Dixie Dregs-Bassisten Dave LaRue im Trio auftretende Amerikaner sehr viel härter und moderner angehaucht als sein Vorgänger.

Genau das macht aber auch den Reiz des diesjährigen G3-Lineups aus: Mit Roth ist ein Repräsentant der klassischen 1970er-Linie vertreten, Satriani bringt den Geist der 1980er mit – und Petrucci merkt man an, dass seine kreative Hochphase in den 1990ern lagen.

Der geniale Erfinder

Den Schlusspunkt der Einzelauftritte bildet der G3-Erfinder höchst persönlich. Ab jetzt steigt die Stimmung unter den anwesenden Zuschauern merklich. Mit Hilfe des kaum minder virtuosen früheren Zappa-Mitstreiters Mike Keneally an der zweiten Gitarre und den Keyboards sowie Drummer Joe Travers und Tieftöner Bryan Beller bedient sich "Satch" aus seinem breiten Fundus an grandiosen Instrumentals.

Etwa die Hälfte des Materials seines mehr als gelungenen Auftritts stammt von seinem aktuellen Album "What Happens Next". Dass etliche Nummern seines legendären zweiten Albums "Surfing With The Alien" und "Summer Song" ebensowenig fehlen, versteht sich von selbst.

Krachendes Finale

So richtig laut – in gleich doppeltem Sinne – wird es aber erst beim großen Finale, das den Höhepunkt einer jeden G3-Show darstellt: der finale Jam. Dieses Jahr haben sich die drei Saitenhexer als Einstieg eine Nummer von Deep Purple, der früheren Kurzzeitband von Joe Satriani, ausgesucht.

Bei der furiosen Interpretation von "Highway Star" rumst und kracht es in der Halle deutlich mehr als bei den Soloauftritten der einzelnen Gitarristen zuvor. Das liegt auch an den Zuschauern. Inzwischen ist das Publikum nämlich etwas aufgetaut und unterstützt Beller, Travers, Keneally, Petrucci, Roth, Satriani sowie Sänger Turmann bei ihrer Tour de Force durch den "Machine Head"-Klassiker.

Der Geist von Hendrix

Natürlich wäre kein G3 Jam komplett ohne einen Song von Jimi Hendrix. Während es bei früheren Tourneen Stücke wie "Red House", "Little Wing" oder "Voodoo Child (Slight Return)" traf, erhält in diesem Jahr das von Bob Dylan verfasste “All Along The Watchtower“ die Ehre.

Hier darf dann auch der glühende Hendrix-Verehrer Uli Jon Roth erneut zum Mikrofon greifen, wenn Satriani, Petrucci und er sich nicht gerade zu dritt durch die speziell dafür ausgedehnten Instrumentalpassagen arbeiten. Den Schlusspunkt des Abends bildet eine krachende Version von Led Zeppelins "Immigrant Song", bei der Turmann als Robert Plant-Ersatz gar keine nicht mal eine schlechte Figur abgibt.

Quo vadis, G3?

Letztlich lässt sich festhalten, dass G3 auch in dieser Besetzung spielerisch weiterhin zu den Besten ihrer Zunft gehört. Die Konzertreihe scheint ihren Zenit in Sachen Popularität aber bereits deutlich überschritten zu haben. In früheren Jahren hätten die Namen Joe Satriani, John Petrucci und Uli Jon Roth vermutlich Arenen wie die Stadthalle Offenbach komplett gefüllt.

Es ist aber wohl so, wie es der am Stand der New Music Academy im Foyer vertretene frühere Rage-Gunslinger Victor Smolski, selbst ein Saitenhexer vor dem Herrn, an diesem Abend beschreibt: Die große Zeit gitarrenlastiger Instrumentalmusik scheint – trotz aller Klasse – fürs Erste vorbei zu sein.

Setlist

Uli Jon Roth: Sky Overture / Sun In My Hand / We’ll Burn The Sky / Fly To The Rainbow / The Sails Of Charon / Earthquake

John Petrucci: Wrath Of The Amazons / Jaws Of Life / The Happy Song / Damage Control / Glassy-Eyed Zombies / Glasgow Kiss

Joe Satriani: Energy / Catbot / Satch Boogie / Cherry Blossoms / Thunder High On The Mountain / Super Funky Badass / Cataclysmic / Circles / Always With Me, Always With You / Summer Song

G3 Jam: Highway Star / All Along The Watchtower / Immigrant Song

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