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Saxon (live in Frankfurt 2018) © Torsten Reitz

Trotz winterlicher Temperaturen heizen Saxon und ihre Special Guests Diamond Head dem bestens aufgelegtem Publikum in der Frankfurter Batschkapp mit schwermetallischen Klängen vor ausverkauftem Haus gehörig ein – und beweisen, dass man sie noch längst nicht zur Alteisensammlung geben sollte.

In Metal-Fankreisen sind Saxon eine echte Institution. Auch wenn sie nie so ganz an die großen Erfolge ihrer NWOBHM-Zeitgenossen Iron Maiden und Judas Priest herankamen, sind die Mannen um Frontsirene Biff Byford aus der Welt der härteren Klänge seit fast vier Jahrzehnten kaum wegzudenken.

Gleiches gilt für Diamond Head, die stilprägende englische Formation, deren Songs unter anderem durch Metallica eine große Popularität gewonnen haben, und die Saxon als Special Guests auf der Tour zu ihrem 22. Album “Thunderbolt“ auch in die ausverkaufte Frankfurter Batschkapp begleiten.

Seltene Gäste

Alteingesessenen Metalfans ist Diamond Head natürlich wohlbekannt, obwohl die Band eine durchaus komplizierte Geschichte mit zahlreichen Auflösungen, Reunions und Erfolglosigkeit hinter sich hat und deshalb selten überhaupt in Deutschland live zu erleben ist. Viele Zuschauer sind aus diesem Grund bereits während des Auftritts der Special Guests anwesend.

Die Halle ist bereits extrem gut gefüllt, als die Truppe um Leadgitarrist Brian Tatler mit "Helpless" gleich zu Beginn den ersten Klassiker aus dem Hut zaubern und das Publikum von der ersten Sekunde an in ihren Bann ziehen.

Böse Hochkaräter

Wohlweislich konzentrieren sich Diamond Head mit ihrem neuen dänischen Frontmann Rasmus Born Andersen als Vorband auf das Material ihres Debüts “Lightning To The Nations“, das vielen vermutlich durch Metallicas Coveralbum "Garage Inc." ein Begriff sein dürfte.

Als sich ihr kurzes, aber knackiges Set dem Ende nähert, werden Brian Tatler und Co. von den Zuschauern für ihre fulminante Performance entsprechend gefeiert. "Am I Evil?" mag zwar in der kopierten Version formidabel klingen. Am Ende geht aber doch nichts über das Original von Diamond Head, das ihren Auftritt mit sprichwörtlichen Pauken und Trompeten beendet und die Fans zu Jubelstürmen hinreißt.

Donnernde Punktlandung

Nicht minder gute Stimmung herrscht dann auch, als die Headliner Saxon mit dem Opener ihrer neuesten Scheibe "Thunderbolt" die Bühne erstürmen und wie der geölte Blitz – oder vielmehr – Donner loslegen. Saxon haben sich für die aktuellen Shows anscheinend einiges vorgenommen, und das merkt man ihnen bei ihrem Frankfurter Auftritt sofort an.

Konzentrieren sie sich in der ersten Hälfte der Show noch auf Material aus den vergangenen Jahren, das vom anwesenden Publikum aber bestens aufgenommen wird, so gehen die fünf Briten um Biff Byford später zu den aus den 1980er Jahren bekannten Klassikern über.

Der starke Arm der Metalwelt

Ob die Bikerhymne "Motorcycle Man", "Strong Arm Of The Law", "Power & The Glory" oder "Dallas 1PM" – Saxon bedienen sich aus ihrem schier unerschöpflichen Fundus an legendären Stücken aus ihrer wohl populärsten Phase und versetzen die Zuschauer der inzwischen aus allen Nähten platzenden Batschkapp damit geradezu in Ekstase.

Doch auch die immer wieder gekonnt eingeschobenen Stücke aus diesem Jahrtausend à la "Battering Ram" oder "Sacrifice" bewirken eine ähnlich emotionale wie lautstarke Reaktion, während sich Sänger Biff Byford, Basser Nibbs Carter, Drummer Nigel Glockler und die beiden Gitarristen Paul Quinn und Doug Scarratt durch eine Anreihung von inzwischen als Metal-Evergreens anerkannten Songs arbeiten.

Ein wilder Ritt mit kurzen Verschnaufpausen

Auch wenn Saxon über weite Strecken des Abends mächtig aufs metallische Gaspedal treten, dürfen ein paar vergleichsweise ruhigere Zwischentöne dennoch nicht fehlen. Das eingängige "747 (Strangers In The Night)" sorgt zum Beispiel für bluesige Momente inmitten des sonstigen Feuerwerks an Speed- und Thrash-Hymnen, das die fünf Briten ansonsten abbrennen.

Eine Abweichung zu den vorherigen Shows der Tour gibt es allerdings: Mit "Sons Of Odin" feiert ein neues Stück von "Thunderbolt" in der Frankfurter Batschkapp als zusätzliches Lied in der Setlist seine brachiale Live-Premiere.

Klassiker in Serie

Direkt danach ist der Zeitpunkt für die Saxon-Klassiker schlechthin gekommen, die das Quintett auch ohne mit der Wimper zu zucken in Serie zum Besten gibt.

Vom Kreuzzugssong "Crusader" über die zum Mitsingen geradezu einladende Hardrock-Höllenfahrt "Wheels Of Steel" bis hin zur Proto-Speednummer "Heavy Metal Thunder" und dem Hit "Princess Of The Night" lässt die Band ihre Zuschauer kaum eine Sekunde durchschnaufen, bis sie sich schließlich mit dem von Fangesängen begleiteten "Denim & Leather" von dem feiernden Publikum verabschieden.

Noch immer eine Reise wert

Als sich die zahlreichen Anwesenden wieder zurück ins inzwischen verschneite Frankfurt begeben, dürften den Meisten wohl die Ohren noch den einen oder anderen Moment lang klingeln. Gute 105 Minuten lang haben ihnen Saxon ein Brett der härteren Gangart auf die Gehörgänge gegeben, das sich gewaschen hat.

Biff Byford, Paul Quinn und der Rest der Truppe mögen zwar mittlerweile ein wenig in die Jahre gekommen sein. Eingerostet sind die Metallarbeiter aber deshalb kein bisschen, und zum alten Eisen zählen sollte man sie ebenso wenig. Dafür klingen sie schlichtweg weiterhin viel zu frisch.

Setlist Diamond Head

Helpless / Bones / In The Heat Of The Night / Lightning To The Nations / It’s Electric / The Prince / Am I Evil?

Setlist von Saxon

Thunderbolt / Sacrifice / Nosferatu (The Vampire Waltz) / Motorcycle Man / Strong Arm Of The Law / Battering Ram / Power & The Glory / Sniper / The Secret Of Flight / Dallas 1PM / Never Surrender / Predator / They Played Rock ‘n’ Roll / And The Bands Played On / 747 (Strangers In The Night) / Sons Of Odin / Crusader / Wheels Of Steel // Heavy Metal Thunder / Princess Of The Night // Denim & Leather

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