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At the Drive In (live in Wiesbaden, 2018) © Johannes Rehorst

„Drei zum Preis von einer“, dachten sich At The Drive-In und haben auf ihrer aktuellen Tour mit Le Butcherettes und Death From Above gleich zwei Kracherbands als Unterstützung mitgenommen. Im Schlachthof Wiesbaden zeigen alle drei, dass sie auf der Bühne keine Leichtgewichte sind.

Nach dem gut 70-minütigen Auftritt der Ausnahmeband At The Drive-In fragt man sich unweigerlich: Was hat der arme Mikrofonständer Cedric Bixler angetan, dass er eine derartige Tortur über sich ergehen lassen musste? Er wurde in die Luft geworfen, als Szepter erhoben und schließlich als Percussion-Instrument wiederholt auf den Bühnenboden geschmettert.

Knall auf Knall

Mit dieser Schilderung entsteht aber auch ein guter Eindruck von der Intensität, mit der At The Drive-In an diesem Sonntag in Wiesbaden auftreten. Zuvor aber spielen Le Butcherettes und Death From Above als Unterstützung – der Begriff "Vorband" wird ihnen nicht gerecht.

Le Butcherettes setzen zunächst den Standard, was Bühnenperformance angeht. Sängerin Teri Gender Bender tritt im knallig-roten Outfit auf, dreht und windet sich quer über die Bühne. Zwar spielt die Band nur knapp 30 Minuten, diese dafür umso intensiver.

Empört euch!

Ähnlich kompakt gestaltet sich der Auftritt von Death From Above. Jesse F. Keeler und Sebastian Grangier haben letztes Jahr mit "Outrage! Is Now" ein Album veröffentlicht, dass in seinem roh-verzerrtem Elektrosound zwar an die beiden Vorgänger anknüpft, allerdings an vielen Stellen auch wesentlich entschleunigter und melodiöser daherkommt.

Live können die neuen Titel wie "Freeze Me" oder das titelgebende "Outrage! Is Now" dennoch überzeugen. Jedoch wirken die Lieder stellenweise etwas unvollständig, was wohl daran liegt, dass Death From Above eben "nur" ein Duo sind und die Studio-Arrangements nicht in Gänze live wiedergeben können. Insbesondere die Leistung von Grangier macht das wieder wett, der sich trotz vollen körperlichen Einsatzes am Schlagzeug derart seine Seele aus dem Leibe schreit, dass man Angst um seine Halsschlagader haben muss.

Von Alter keine Spur

Schließlich kommt aber der Moment, auf den alle gewartet haben: Der Saal verdunkelt sich und At The Drive-In betreten die Bühne. Während die ersten Saiten angezerrt schwingen, tritt Cedric Bixler ins Rampenlicht und der wilde Ritt beginnt. Zu "No Wolf Like The Present" von neuen Album "in•ter a•li•a" werden eine Vielzahl halbvoller Becher sowohl von der Bühne ins Publikum, als auch in die entgegengesetzte Richtung geschleudert, so dass Drummer Tony Hajjar einem der Geschosse geschickt ausweichen muss. Währenddessen spielt die Band den Song professionell weiter.

Insgesamt steigt die Begeisterung im Schlachthof während der ersten drei Lieder des Sets, zu denen auch "Arcarsenal" vom ATDI-Goldstandard "Relationship of Command" gehört, ins Unermessliche. Im Vergleich zu den frühen Auftritten der Band wirkt das Geschehen auf der Bühne zwar beinahe geruhsam, strahlt aber trotzdem eine rohe und ungezähmte Energie aus.

Energiegeladen

Das Publikum ist besonders direkt vor der Bühne völlig entfesselt. Beinahe durchgehend finden sich Crowdsurfer auf den Händen der Masse, die im Bühnengraben fachmännisch abgefertigt werden. Überhaupt gibt es während des Auftritts nur sehr weniger Ruhepausen, die einzelnen Lieder folgen beinahe ohne Unterbrechung aufeinander.

Dreh- und Angelpunkt dieses Abends ist ohne Frage Sänger Cedric Bixler. Mal steht er wahlweise auf der Basedrum oder den Verstärkern und reckt dabei den eingangs erwähnten Mikrofonständer in die Luft, dann wieder kauert er am Bühnenrand und sucht den Kontakt zum Publikum. Bei dieser körperlichen Leistung ruft er trotzdem noch sein gesamtes und charakteristisches Stimmvolumen ab und peitscht die Stimmung so stetig in neue Höhen.

Kurz und bündig

Wie die Auftritte von Le Butcherettes und Death From Above ist aber auch der von ATDI sehr kompakt. Das Hauptset zählt gut eine Stunde und endet auf das Brett "Governed By Contagions" vom aktuellen Album. Ekstase! Zu einer kurzen Zugabe lässt sich die Band dann aber doch hinreißen.

Einziger Wermutstropfen an diesem Abend ist die Tontechnik. Leider war der Sound bei allen drei Bands stellenweise verwaschen, stellenweise in den Höhen zu übersteuert. Umso überzeugender war allerdings die Lichtshow, vor allem bei At The Drive-In. Insgesamt haben alle Bands mit vollem Einsatz gespielt, wenn auch erstaunlich kurz. Dennoch kann man hier das Motto "weniger ist mehr" anführen, denn jeder einzelne Auftritt war kompakt, intensiv und energiegeladen.

Setlist At The Drive-In

Arcarsenal // No Wolf Like The President // Pattern Against User // Hostage Stamps // 198d // Amid Ethics // Sleepwalk Capsules // Pendulum In A Peasant Dress // Invalid Litter Dept. // Enfilade // Call Broken Arrow // Napoleon Solo // Governed By Contagions
Encore: One Armed Scissor

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