Manu Katché

Manu Katché © Alte Feuerwache

Mit seinem neuen elektrischen Trio tritt der französische Schlagzeuger Manu Katché in der sehr gut gefüllten Mannheimer Alten Feuerwache auf und bietet gut gespielten Jazz-Rock, dem aber jedes Überraschungsmoment fehlt.

Die Stuhlreihen in der Alten Feuerwache sind bis ganz hinten gefüllt – und das hat einen einfachen Grund: Manu Katché zählt sowohl in der Rockmusik wie im Jazz zu den führenden Schlagzeugern der Gegenwart.

Nach langjähriger Zusammenarbeit mit Peter Gabriel und Sting, aber auch mit Jazz-Saxophonist Jan Garbarek, veröffentlichte er seit 2005 auch fünf Soloalben, darunter vier für das Münchner ECM-Label.

Zurück zur Rockmusik

Diese Alben zeigten Katché als nominellen Leader illustrer Gruppen, in denen Katché keinesfalls übermäßig im Mittelpunkt steht, sondern sich durch differenziertes und gefühlvolles Spiel in den typischen ECM-Sound einfügt.

Sein neues Projekt führt Katché nach eigener Aussage in eine ganz andere Richtung, genauer gesagt zurück zur Rockmusik. Gemeinsam mit Jerome Regard am elektrischen Bass und Patrick Manouguian an der elektrischen Gitarre erschafft sein neues Trio einen dichten Bandsound, der trotz einiger moderner Elemente sehr an lange etablierte Formen des Jazz-Rocks erinnert.

Die guten Seiten

Vielleicht ist es seiner jahrelangen Tätigkeit als Sideman geschuldet, aber die neue Band ist keineswegs die Manu Katché Drum Experience. Der Schlagzeuger hat zwar eine prominente Position im vorderen rechten Bereich der Bühne, aber es ist überdeutlich, dass er nicht gekommen ist, um den Abend zu dominieren.

Katché spielt zwei längere Schlagzeugsoli, aber ansonsten dominiert ein dichter Fusion-Sound, der bisweilen von Gesang (teils live, teils vom Notebook) und Samples modern angereichert wird. Der bluesige Gitarrensound, die wummernden Bässe und die eingängigen melodischen Motive schaffen in ihren besten Momenten einen hypnotischen Sog, der die Zuschauer mitreißt.

Wenige Überraschungen

In anderen Augenblicken wirkt das Konzept des Trios ein wenig vorhersehbar und eindimensional. Der überraschendste Augenblick des Abends hat mit Musik nichts zu tun, sondern mit einem Stolperer des Schlagzeugers, der aus dem Gleichgewicht gerät und auf den Bühnenboden kracht. Glücklicherweise hat er sich dabei nicht verletzt.

Es ist offensichtlich, dass sich das neue Trio noch im Fluss befindet. Ein Album soll im Sommer erscheinen, aber man fragt sich, wie die doch häufig sehr gleichförmige Musik ohne die optische Komponente funktioniert.

Ist das nachhaltig?

Katché und Band sorgen nicht gerade für eine Mega-Show auf der Bühne, aber dennoch ist es faszinierend, den Schlagzeuger zu beobachten, der glücklicherweise kein Angehöriger der "Viel hilft viel"-Fraktion ist, sondern herrlich zurückgenommen und banddienlich spielt.

Falls es Katché aber nicht gelingt für etwas mehr Abwechslung zu sorgen, könnte sich das neue Projekt schnell festlaufen, obwohl es fraglos gut gespielten Jazz-Rock bietet. Die Premiere ist allerdings insofern gelungen, dass die Zuschauer das knapp fünfundsiebzigminütige Konzert ausgiebig beklatschen. 

Alles zum Thema:

manu katché