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Kollegah & Farid Bang (live in Mannheim, 2018) © Beatrix Mutschler

Für zartbesaitete Gemüter ist das Konzert von Kollegah & Farid Bang in der fast ausverkauften Maimarkthalle in Mannheim definitiv ungeeignet. Die beiden Rapper sorgen mit primitiven Machosprüchen für Lacher und Schocker - und werden dafür vom Publikum gefeiert.

"Läuft bei dir Bruder, Läuft bei DIR Bruder", tönt es, bevor die Leinwand fällt und Kollegah & Farid Bang mit ihrem Song "Sturmmaske" aus dem Schatten hervortreten. Die Lautstärke ist so gewaltig, dass es teilweise schwer ist, den Lyrics zu folgen. Doch die Fans kennen diese ohnehin auswendig und rappen jede Line begeistert mit. 

Nach dem energiereichen Start begrüßen die Düsseldorfer Deutschrapper das Publikum und merken nochmal an, dass sie das Konzert aufgrund der großen Nachfrage von der Heidelberger halle02 in die Maimarkthalle hochverlegen mussten. Das Mannheimer Publikum freut es. 

MILF-Hunter

"Mein Name ist Kollegah und das ist mein Freund Farid Bang", stellt Kollegah die beiden höflich vor. Doch Farid Bang lässt es sich nicht nehmen, sogleich ihr Gangster-Image zu bekräftigen: "Der ein oder andere kennt uns sicherlich von gewissen Mutter-Fick-Aktionen."

Genau auf diese Sprüche haben die Zuschauer gewartet. "Wir ficken die Szene", folgt als nächstes und das Publikum ist nicht zu bremsen. Mütter bleiben im Übrigen auch im weiteren Verlauf des Konzertes von diversen Sprüchen nicht verschont.

Der Kampf beginnt

Enthusiastisch erzählt Farid Bang von einem Vorfall, bei dem Kollegah einem Jungen eine Hantel ins Gesicht geworfen habe. Farid habe zwar versucht, Kollegah zurückzuhalten, doch "der Kampf beginnt erst, wenn der Gegner am Boden liegt". Das Publikum jubelt und der dazugehörige Song "Wenn der Gegner am Boden liegt" tönt lautstark durch die Boxen. 

Nach Abklingen des Tracks wirft Farid Bang dem Publikum mit einem Hauch von Sarkasmus vor, etwas zurückhaltend zu sein. Er will die jeweilige Anzahl der Frauen und der Männer herausfinden, indem er beide Gruppen jubeln und schreien lässt. Der daraus resultierende Männerüberschuss ist nicht gerade überraschend, denn Farid Bang und Kollegah sind wohl der personifizierte Albtraum aller Feministen/-innen und Sexismus-Gegner.

Brüste zeigen erwünscht

Verschiedene Einspieler dienen auf der riesigen Leinwand im Hintergrund als Kulisse des Konzerts. Der folgende zeigt Farid Bang und Kollegah machohaft auf einer Couch sitzend mit strippenden Frauen vor sich. "Oh, das war wohl das falsche", bemerkt Farid Bang. Doch wer glaubt, dass es jetzt weniger sexistisch wird, täuscht sich: Der nächste Einspieler zeigt eine Frau, die bei einem früheren Konzert der Rapper euphorisch ihr Oberteil hochreißt . "Daran könnt ihr euch gerne ein Beispiel nehmen", so Farid Bang an die Frauen der Halle gerichtet. Die Männer jubeln. 

Daraufhin dürfen zwei Männer für ein Kräftemessen gegen Farid Bang auf die Bühne: Wer erreicht den höchsten Score auf der Box-Maschine? Der Rapper mit marokkanischen Wurzeln hat sich jedoch am Finger verletzt und damit ein kleines Handicap. Kollegah lässt es sich nicht nehmen: "Das kommt vom vielen Mütter fingern". Wie soll es anders sein: Farid Bang gewinnt das Battle und damit hat sich die von Kollegah versprochene Karibik-Reise für den Gewinner erledigt.

Doch nicht nur die Frauen müssen an diesem Abend dran glauben: Farid Bang und Kollegah machen in ihren Lyrics und Ansprachen keinen Hehl daraus, dass sie eine besondere Richtung der deutschen Rap-Szene verachten.

Trap-Gegner

Kollegah und Farid Bang machen klar, dass sie dem Trap-Hype um die KMN Gang, Nimo und alle anderen nichts abgewinnen können: Beide verlangen "dass Rap, Rap bleibt", statt der neuartigen Kombination mit melodischem Gesang und Autotune. 

Immer wieder fallen fiese Seitenhiebe gegen die Trap-Rapper. Den Höhepunkt erreichen diese, als "Zieh den Rucksack aus" aus den Boxen dröhnt. Dieser Parodie-Song basiert auf genau diesen Trap-Beats und jeder Menge Autotune. Mit Fußballtrikots und Mützen parodieren die beiden unter tosendem Applaus ihre selbsternannten Gegner. Fast schon ironisch wirkt es dabei, dass die Songparodie mit ihren tanzbaren Beats beim Publikum fast am besten ankommt.  

Chaotisches Ende

Mit den Tracks "Gamechanger" und "Ave Maria", bei dem die beiden mit unfassbar schnellen Rap-Lines tatsächlich mit ihren Skills überzeugen und einer Zugabe endet das Konzert. Als Zuschauer muss man sich entscheiden, ob man beschämt den Kopf schüttelt oder begeistert mitjubelt, denn unterhaltsam ist das Konzert auf jeden Fall. Ihre Fans lieben Kollegah & Farid Bang natürlich genau für ihre unverschämte, respektlose Art.

Allerdings war es keine gute Idee, den Zuschauern zu versprechen, dass sie noch für Fotos und Autogramme im Anschluss zur Verfügung stehen. Zwischen hin und her rennenden Fan-Massen, die Kollegah und Farid Bang finden wollten, mussten die übrigen Zuschauer sich regelrecht nach draußen kämpfen. 

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