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Broilers (live in Mannheim, 2017) © Mathias Utz

Lang ist es her, seitdem die Broilers das letzte Mal in Mannheim gespielt haben. Mit viel Oi, Konfetti und Nächstenliebe präsentierten die Düsseldorfer einen Querschnitt durch ihre Diskographie und verwandeln die Maimarkthalle in ein riesiges Moshpit.

Geduld ist eine hohe Tugend an diesem Abend. Geduldig mussten die zahlreichen Fans schon im Vorfeld sein, erstens weil die Broilers nach jahrelanger Abstinenz endlich wieder in der Rhein-Neckar-Region gastieren und zweitens, weil die Einlasskontrollen eine Ewigkeit in Anspruch nehmen.

Die Besucher werden nicht nach den üblichen verbotenen Gegenständen gefilzt, sondern vor allem nach rechtem Meinungsgut, das beim Konzert der Broilers keinen Platz haben soll. Den ein oder anderen verwundert es schon, an diesem kalten Dezembertag kurz mal das Shirt hochzuziehen.

Wie auf Knopfdruck

Hat der Besucher diese Hürde überstanden, erwarten ihn in der Maimarkthalle schon Booze & Glory. Die Oi-Punker aus London heizen dem Publikum mit ihrem Gute-Laune-Punk gebührend ein, bevor die Broilers selbst am späten Abend die Bühne betreten. Mit dem Preludio von "Vanitas" eröffnen die Düsseldorfer Punker ihr Set – und das ist der Augenblick, auf den alle gewartet haben.

Als wäre ein Knopf umgelegt worden, sind die Fans von der ersten bis zur letzten Sekunde voller Energie mit dabei. Die Fans singen jedes Wort mit – und das teilweise lauter als Sammy Amara selbst. Dazu tanzen die Zuschauer ausgelassen und werfen mit Konfetti um sich.

Eine große Familie

Die Broilers ziehen die Fans mit ihrer Spielfreude in den Bann. Liebevoll bezeichnet die Band das Beisammensein im Kreise ihrer Fans als "Familie" und genau so fühlt es sich auch an – es wird gelacht, geschrien und gemeinsam getanzt. 

Faszinierend ist auch zu sehen, dass hier Groß und Klein mit Herz dabei sind. So sitzen Kinder auf den Schultern ihrer Eltern während um sie herum gepogt wird, Väter tanzen ausgelassen mit ihren Söhnen oder liegen sich euphorisch in den Armen.

Fulminante Live-Show

Wer tönt, die Broilers hätten sich dem Kommerz verschrieben, hat nicht ganz unrecht, aber das ist nicht nur schlecht. So verrät allein die Bühnenshow die Erfolgsgeschichte der Band. Statt in kleinen Punkschuppen, spielen sie jetzt verstärkt durch zusätzliche Musiker in großen Hallen und Arenen, in denen eine grandiose Lichtshow für die passende visuelle Untermalung der Songs sorgt. Dennoch ist die Vergangenheit keineswegs vergessen: Indem die Broilers einen Querschnitt durch ihre Diskographie bieten, holen sie jeden Fan ab – egal ob alt oder jung.

Immer wieder sucht die Band auch die Nähe zum Publikum. Lieblingsmenschen werden bei "Wie weit wir gehen" auf die Schulter genommen, wobei Amara das riesige Pikachu im Publikum nicht als Lieblingsmensch akzeptieren möchte. Bei "In 80 Tagen um die Welt" gibt es eine Abstimmung über das bevorzugte Bier in der Halle. Sagen wir so, die Wahl zwischen Welde und Eichbaum spaltet hier nicht zum ersten Mal die Massen.

Insgesamt sind die Broilers von der Euphorie im Publikum überwältigt. Außerdem wird Nächstenliebe bei den Broilers ganz groß geschrieben. So ruft Bassistin Ines Maybaum dazu auf, beim ausgelassenen Pogen aufeinander aufzupassen und auch Amara betont immer wieder, dass es scheißegal sei, welche Religion oder Hautfarbe man habe. 

Die Stimmung kocht über

"Mannheim ist auf der Landkarte gesetzt", ruft Amara ins Publikum und trifft dabei auf volle Zustimmung. Zur Freude kocht das Publikum vollends über. Es wird freudig gegröhlt, gepogt und von hinten nach vorne crowdgesurft. Den vorderen Reihen scheint das Konfetti einfach nicht auszugehen, zu jedem Song wird aufs Neue ein Schwall Papierschnipsel in die Menge geworfen.

Die Broilers sind authentisch und treffen mit ihren Aussagen pointiert den Nerv der Zeit – dafür lieben die Fans die Düsseldorfer. Auch Mannheim ist an diesem Abend im Broilersfieber und lässt sich von der Energie und Spielfreude der Band anstecken. Aber nicht nur die Oi-Punker laufen hier zur Höchstform an, sondern auch ihr Publikum. Davon angesteckt liefert die Band eine fulminante, zweistündige Live-Show ab und entlässt danach ein nassgeschwitztes und glückliches Publikum.

Setlist

Zurück zum Beton / Meine Familie / Ruby Light and Dark / Harter Weg (Go!) / Paul der Hooligan / Irgendwas in mir / Tanzt du noch einmal mit mit? / Dumm und glücklich / In 80 Tagen um die Welt / Keine Hymnen heute / An all den Schmutz / Wie weit wir gehen / Ihr da oben / Ich brenn' / Lofi / Die Beste aller Zeiten / Held in unserer Mitte / Wo es hingeht / Zusammen (Slime Cover) / Alles was ich tat / Nur nach vorne gehen / Ist da jemand? / Cigarettes & Whiskey / 33 RPM / Nur die Nacht weiß / Bitteres Manifest / Meine Sache / Jump (Van Halen Cover) / Blume

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