Manowar (Pressebild, 2017)

Manowar (Pressebild, 2017) © Manowar

Auf ihrer vielleicht letzten großen Tournee hinterlassen Manowar mit einer lautstarken zweistündigen Show in der Jahrhunderthalle Frankfurt trotz guter Momente einen durchwachsenen Eindruck. Dafür ist nicht nur die Musik verantwortlich.

Manowar sind Kult. Hatten sie diesen Status in den 1980er und 1990er Jahren bereits bei ihrer eigentlichen Zielgruppe – den Metalheads – inne, so erreichten der virtuose Tieftöner Joey DiMaio, der stimmgewaltige Frontmann Eric Adams und ihre über die Jahre häufiger wechselnden Mitstreiter an Gitarre und Schlagzeug mit der Hitsingle "Warriors Of The World United" und mehreren Auftritten bei Stefan Raabs „TV Total“ hierzulande auch große Popularität bei einem breiteren Publikum.

Abschied von Deutschland?

Ob sie nun ein eigenes Festival wie das mehrere Ausgaben dauernde “Magic Circle“ in Bad Arolsen auf die Beine stellten oder den Fans hierzulande das eigens für den hiesigen Markt umgedichtete "Herz aus Stahl" widmeten – Deutschland hatte für Manowar immer einen besonderen Status.

Auf ihrer dem Vernehmen nach letzten Welttournee, passenderweise "The Final Battle" betitelt, wollen sich die True Metal-Kulthelden jetzt noch einmal bei ihren loyalen teutonischen Fans bedanken.

Manowar haben Mühe

Die Frankfurter Jahrhunderthalle füllt sich dann auch merklich, als sich das Quartett aus New York mit einem Intro-Video ihrer Karriere-Highlights zu den Klängen von Miklós Rószas "The Miracle & Finale" aus dem Monumentalklassiker "Ben Hur2 ankündigt. Manowar betreten schließlich mit dem gleichnamigen Song ihres Debütalbums die Bühne und schieben mit "Blood Of My Enemies" von der "Hail To England"-Platte gleich noch ein weiteres kraftvolles Stück hinterher.

So richtig mag der Funke in der Anfangsphase des ersten Frankfurter Abends aber noch nicht überspringen, obwohl lauter Jubel durch die Arena hallt, als sich Manowar zum ersten Mal ihrem Publikum zeigen. Teils liegt dies womöglich daran, dass der brachiale Bandsound nicht wirklich transparent aus den Boxen dröhnt. Eine andere Erklärung ist die zunächst recht spartanische und unspektakuläre Beleuchtung, durch die Joey DeMaio und Co. nicht gut zu sehen sind.

Ein ganz anderer Effekt

Beides ändert sich so langsam ab dem fünften Stück "Mountains". Nun beginnen Manowar so langsam, die von ihnen zu erwartenden Effekte einzusetzen. Nachdem Gitarrist Karl Logan bereits beim vorangegangenen "Brothers Of Metal, Pt. 1" auf den Boxentürmen rechts neben dem massiven Drumkit von Marcus Castellani thronte, steht DeMaio beim ruhigen Intro des nächsten Songs im Dunst, während hinter den vielen Lautsprechern Nebelwellen hervorrollen.

Ab diesem Zeitpunkt beginnen Manowar damit, die überdimensionale Videoleinwand oberhalb der Bühne zu nutzen. Ihr kommt im weiteren Verlauf des Konzerts eine ganz entscheidende Rolle zu, da sie gleich mehrere Funktionen einnimmt. Sie sorgt nicht nur mit stimmungsvollen Animationen dafür, dass man sich als Zuschauer in der heldenhaften Welt der Lieder wiederfindet, sondern ersetzt auch die sonst von schwermetallischen Shows gewohnten pyrotechnischen Effekte.

Bewegende Bilder

Zunächst werden während Karl Logans Solospot auf dem übergroßen Screen Bilder der "gefallenen Brüder" von Manowar gezeigt, zu denen unter anderem die Hardrock- und Metal-Legenden Ronnie James Dio und Lemmy Kilmister, die Schauspieler Orson Welles und Christopher Lee, mit denen die Band einst zusammenarbeitete sowie Richard Wagner (!) und der frühere Drummer Scott Columbus zählen. Genau wie ihre Fans besitzen die New Yorker eben ihre ganz eigene Art der Heldenverehrung.

Die Animationen zu den Songs dienen außerdem dazu, das Publikum mit der energiegeladenen Performance der Band zu verbinden. Die vier Musiker an sich gehen nämlich von vielen Positionen in der Jahrhunderthalle beinahe unter – sie sind tatsächlich kaum zu sehen. Da hilft es, dass auf der Leinwand bei "Herz aus Stahl" gezeichnete Breitbildpanoramen von sich bewegenden Sternen oder bei "Secret Of Steel" ein Ritt über eine steinerne Brücke an Meteoriten vorbei zu sehen sind.

Zu den Waffen

Inzwischen sind auch die Zuschauer im Innenraum merklich aufgetaut. Bei "Spirit Horse Of The Cherokee" mit seinen animierten glühenden Pferden und Adlern, einem Wolf in schwarz-weiß und einer Indianersilhouette singen die Fans begeistert mit. "Call To Arms" gewährt dem Publikum auf den weniger guten Plätzen erstmals einen Leinwandblick auf die Band, während man bei "Sons Of Odin" mittelalterliche Kampfszenen zu sehen bekommt.

Nach dem Klassiker "Kings Of Metal", der mit fliegenden Teufeln, den vom Albumcover bekannten wehenden Fahnen und Nebelkanonen zu beeindrucken weiß, richtet sich Eric Adams zum ersten Mal an die Zuschauer. Der Frontmann reißt ein weißes T-Shirt mit seinem Namen hoch, stellt den neuen Drummer Marcus Castellani vor, merkt an, wie toll es in Deutschland doch sei, und übergibt dann an DeMaio. 

Virtuose Selbstbeweihräucherung

Als der Tieftöner auf dem Piccolo Bass mit Vibratohebel zu seinem Solospot "Sting Of The Bumblebee" ansetzt, wummert der komplette Hallenboden. Immer wieder pausiert und posiert das Manowar-Mastermind, rennt herum und lässt sich von seinen Fans feiern. Zwischenzeitlich demonstriert Joey DeMaio spielerisch sein technisches Können auf dem ausgefallenen Instrument mit schnellen Picking- und zweihändigen Tapping-Einlagen.

Dann öffnet sich ein animiertes stählernes Tor, und unter Donnergrollen tritt der Bassist mit Mikrofon bewaffnet noch einmal stampfend daraus hervor. Er spricht darüber, dass Manowar ja nicht nur Musik sei, sondern vielmehr ein zusammenführendes Lebensgefühl, das dabei helfe, die vielen Speichellecker im Büro zu überleben. Denn wie er versucht, auf Deutsch zu erklären: „Assküssen ist nicht unser Ding. Arschkicking ist unser Ding. Trinken ist unser Ding. Laut und hart ficken ist unser Ding – ist das so?”

Übertriebene Verschnaufpause

Nachdem er von den Fans eine überschwängliche Antwort auf seine Frage erhält, setzt DeMaio zum nächsten Teil seiner Rede an. Er lobt den deutschen Promoter Lars Berndt und seinen Freund Stefan Raab, der ja als Einziger die Eier gehabt habe, Manowar im Fernsehen zu präsentieren. In der Folge mündet seine Ansprache aber eher in eine Tirade. DeMaio holt nämlich zum großen Rundumschlag gegen die seiner Meinung nach inzwischen toten Medien wie Magazine, Radio und Fernsehen aus.

Daraufhin feiern sich Manowar mit einem karriereumspannenden Videorückblick von 1986 bis heute einmal mehr selbst, so dass es selbst für hartgesottene Fans des Guten schon fast ein bisschen zu viel ist. Die Zeit hätte schließlich auch sinnvoller genutzt werden können, beispielsweise durch einen weiteren der nun folgenden Klassiker. Denn bei "Fighting The World" geht das Publikum von Anfang gut mit und bestreitet die ersten Zeilen des Stückes gesanglich komplett im Alleingang.

Kampflustig, aber nicht bissig

Als sich Manowar schließlich über Nummern wie "Sign Of The Hammer" zum finalen Schlussspurt mit ihren Überhits vorarbeiten, haben sich dann Band wie Publikum wieder vom Zwischentief erholt. Beim epischen "Battle Hymn" mit seinen Animationen eines wartenden Heeres und Sternenhimmels sowie seinem massiven Drumeinsatz singt das Publikum jede einzelne Silbe mit, während die Band beim umstrittenen "Warriors Of The World United" ihre Zuschauer mit Bildern headbangender Fans feiert.

Manowar verabschieden sich letzten Endes mit einem Doppelschlag aus "Hail & Kill" und "Black Wind, Fire & Steel" nach zwei Stunden unterhaltsamer, routinierter Show aus Frankfurter Jahrhunderthalle. So professionell das Konzert über weite Strecken auch war, konnte man sich des Eindruckes dennoch nicht erwehren, dass die New Yorker einfach nur ihren Stiefel runtergespielt haben. Vielleicht kommt das Abdanken der selbsternannten "Kings Of Metal" also gerade zum richtigen Zeitpunkt. 

Setlist

Manowar / Blood Of My Enemies / Metal Warriors / Brothers Of Metal, Pt. 1 / Mountains / Fallen Brothers – Karl’s Solo / Herz aus Stahl / Secret Of Steel / Spirit Horse Of The Cherokee / Call To Arms / Sons Of Odin / Kings Of Metal / Sting Of The Bumblebee / Joey’s Speech / Fighting The World / Kill With Power / Sign Of The Hammer / The Power / Battle Hymn / Warriors Of The World United / Hail & Kill / Black Wind, Fire & Steel

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