Robert Forster (live in Heidelberg, 2017) Fotostrecke starten

Robert Forster (live in Heidelberg, 2017) © Andreas Defren

Vor zwölf Jahren war es ein elektrischer Bandauftritt zusammen mit Grant McLennan, jetzt ist es eine akustische Soloshow in Begleitung seiner Familie. Robert Forster schaut wieder einmal im Karlstorbahnhof Heidelberg vorbei - aber nichts mehr ist wie früher. Außer ihm.

"Grant & I" heißt die Autobiographie, die Robert Forster, der aus Brisbane in Australien stammende Sänger und Songwriter in diesem Jahr veröffentlicht hat. Wie der Titel schon nahelegt, behandelt das Werk vor allem die Jahre mit seinem Freund und Partner Grant McLennan in der gemeinsamen Band The Go-Betweens.

"Songs To Play" heißt das aktuelle Album, das Forster im vergangenen Jahr veröffentlichte, und auf den Plakaten, die das Konzert bewerben, steht als Hinweis "Rock'n'Roll"! Welcher der drei Titel den Abend wohl am besten zusammenfassen wird, ist die große Frage, die sich vor diesem Abend stellt. Vorangegangene Dates der Tour waren eher Lesungen, unterbrochen von eingeworfenen Songs.

Dem Alter angemessen

Es ist zwölfeinhalb Jahre her, dass Forster zuletzt im Heidelberger Karlstorbahnhof gastierte – damals auf der finalen Tour der Go-Betweens, ein knappes Jahr bevor McLennan überraschend verstarb.

Heute ist der Saal im Gegensatz zu damals bestuhlt, was der erwarteten Publikumsgröße und auch dessen Alter entgegen kommt. Als Vorabmusik laufen akustische Hippiehits – nicht das, was man noch vor 12 Jahren erwartet hätte, aber heute eine schöne Einstimmung.

Reines Solokonzert

Während Led Zeppelins "Going To California" geht das Licht aus. Kurz danach betritt tatsächlich Robert Forster im Anzug die Bühne und eröffnet mit "He Lives My Life" den Abend. Er spielt solo und akustisch und lässt sich nicht wie auf anderen Abenden der Tour von seiner Frau begleiten. Das Ergebnis ist, dies sei vorweggenommen, ein wunderbares Konzert, das aber gerne etwas länger hätte dauern dürfen. 

Mit "I Love Myself (And I Always Have)" folgt danach der erste Song des neuen Albums, wobei schnell deutlich wird, dass seine Songs auch in dieser reduzierten Fassung glänzend funktionieren. Ein weiterer Effekt ist, dass die Nuancen seines Vortrags noch deutlicher wahrgenommen werden können als mit einer elektrischen Band im Hintergrund.

Stärke der Gegensätze

Diese Nuancen machen viel des Charmes der Performance aus. Forster war immer ein Dandy, aber er ist stets ein Aussie geblieben, und das ergibt eine faszinierende Mischung aus beiden Wesenszügen: Das Gekünstelte und Affektierte in manchen Bewegungen und seiner Mimik steht im Gegensatz zur bodenständigen Offen- und Direktheit, die er ausstrahlt, wenn er spricht.

Neben Songs aus dem neuen Album und Songs aus der Zeit mit den Go-Betweens, spielt er auch einige eher selten gehörte Nummern aus der Solophase der 1990er-Jahre, wie zum Beispiel "Danger In The Past", "I Can Do" oder "Head Full Of Steam". Sein erstes Soloalbum nach dem Tod von McLennan "The Evangelist" von 2009 spart er komplett aus.

Der Plausch danach

Nach ziemlich genau einer Stunde endet das reguläre Set. Obwohl es noch drei feine Zugaben gibt, wäre eine zusätzliche Viertelstunde mehr noch genau das gewesen, was den Abend perfekt gemacht hätte. Was jedoch eine nette Abrundung darstellt, ist, dass Forster gleich nach der Show ins Foyer kommt, dort ausgiebig signiert und für Fragen, Anekdoten oder Fotos bereit steht.

Es wird deutlich, dass das vielen Besuchern etwas bedeutet, und es hat den Anschein als genieße auch Forster diesen Kontakt mit seinem Publikum. Auf die Frage, wie viele Songs er heutzutage in einem durchschnittlichen Jahr schreibt, sagt er aus der Pistole geschossen: "Zwei!".

Unter diesen Umständen kann man sich wohl frühestens in vier oder fünf Jahren auf ein neues Werk von ihm freuen. Falls er aber in der Zwischenzeit mit seiner Familie nochmal nach Deutschland kommt, kann er gerne auch schon vorher ein paar Abende wie diesen einlegen. Ein bisschen "Rock'n'Roll" ist das doch allemal – und das ändert sich auch nie.

Setlist

He Lives My Life / I Love Myself (And I Always Have) / Born To A Family / Clouds / Let Me Imagine You / Spring Rain / Here Comes A City / Darlinghurst Nights / Danger In The Past / I Can Do / Head Full Of Steam / Songwriters On The Run / Surfing Magazines / Dive For Your Memory / Learn To Burn // Rock 'n' Roll Friend / People Say / The House That Jack Kerouac Built

Alles zum Thema:

robert forster

Kommentare