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OMD (live in Offenbach 2017) © Torsten Reitz

Obwohl OMD bei ihrem Konzert in der Stadthalle Offenbach nicht immer die richtige Balance zwischen 80er-Sounds und modernen Klängen finden, gelingt es ihnen doch, die Zuschauer mit ihrer zweistündigen Show zu begeistern.

Andy McCluskey und Paul Humphreys haben OMD seit den 1980er Jahren mit Unterbrechungen auf der Erfolgswelle gehalten. Sie treffen in vielen Punkten auch heute noch den Nerv des Publikums. So wird das von Andy McCluskey ausgegebene Motto des Abends: "Neue Lieder, alte Lieder, Tanzen" vom Publikum durchgängig umgesetzt.

Jedoch gelingt es OMD im ersten Teil des Abends nicht, ihren Sound modern zu präsentieren. Im Gegensatz zu anderen Bands wie etwa Jamiroquai, die kürzlich bei ihrer Deutschlandtour in Düsseldorf den Spagat zwischen alten und neuen Songs in modernsten Versionen abgefeuert haben, übertreiben es OMD stellenweise mit den Effekten. 

Weniger ist manchmal mehr

Knallige Elektrobeats dürfen gerne ordentlich Power haben. Wenn die Bässe aber wie peitschenartige Schläge durchhämmern, die bei Dauerbeschallung fast schon zu Kopfschmerzen führen, sind die Effekte wie bei "Messages" und "Tesla Girls" einfach übertrieben. So wirken besonders diese auf neu getrimmten alten Lieder etwas zu aufgepeppt.

Der Höhepunkt der effektüberladenen Übertreibung ist schließlich "Maid Of Orleans", als die Bässe maximal durchhämmern. Dabei hätte es diese Effekte gar nicht gebraucht. Denn das Publikum tanzt auch so auf die Melodie und die visuellen Lichterwechsel zwischen schwarz-weißem Bühnenlicht und rot-blauer Beleuchtung sind schon eindrucksvoll genug.

Wie wohltuend reduziert ist dagegen der Klassiker "(Forever) Live And Die". Bei diesem Song übernimmt Paul Humphreys den Gesang und der ganze Sound klingt plötzlich fast retro wie in den 1980er Jahren. Es ist ein wunderbar einfacher Ohrwurm, der vom Publikum mitgesungen und am Ende mit voller Begeisterung beklatscht wird.

Tolle neue Songs

Im Gegensatz zu den teils überladenen alten Liedern sind die neuen Songs vom aktuellen Album "The Punishment Of Luxury" sehr zeitgemäß. So bietet "Isotype" neben den feuernden Synthesizern einen gut hörbaren Computersound, der beim Publikum richtig gut ankommt. Auch der Lovesong "One More Time" sorgt mit seinen diskoartigen Synthklängen für ein emotionales New Romantic Revival.

Für den größten Lacher sorgt der Kommentar zum Fan-Voting von "If You Leave", als Andy McCluskey auf das schreiende Publikum vor der Bühne antwortet: "Shout loud, you get a Brexit". Den kleinen politischen Seitenhieb ergänzt er um die Anmerkung, dass "If You Leave" gerade auch gut zu Donald Trump passen würde.

Stilwechsel

Mit dem Wechsel auf das Akustikset bei "Of All The Things We've Made" verschwinden endlich die übertriebenen Effekte. Alle vier Musiker stehen einzeln im Spotlight und die Melodien rücken mehr ins Zentrum. Andy McCluskey heizt dem Publikum nun eher durch wilde Tanzgestik ein wie bei "So In Love". Die karibischen Klänge der Synthesizer, die eine Steel Drum bei "Locomotion" imitieren, sorgen ebenso für ausgelassene Stimmung.

Als die ersten Töne von "Sailing On The Seven Seas" erklingen, endet auch auf den Tribünen jede Zurückhaltung. Fast alle Zuschauer stehen auf, singen und tanzen mit dem Innenraum zusammen. Zu "Enola Gay" hüpfen und tanzen viele Zuschauer mit, es ist die pure ausgelassene Fröhlichkeit.

Finale

Die Zugabe beginnt mit dem Highlight "Walking On The Milky Way". Den Lieblingssong vieler Zuschauer spielen OMD wieder ganz reduziert. Es ist ein begeistertes Zusammenspiel zwischen Andy McCluskey und den Fans, die sein "He-He" aus mehreren 100 Kehlen noch lauter beantworten.

Diese Fröhlichkeit und Begeisterung setzt sich fort bei "Electricity". Das Publikum bewegt sich auf den Rhythmus der Synthesizer, die scheinbar einen glockenhellen Einzelton über die Melodie tanzen lassen. Es ist das gefeierte Ende eines Konzerts, das sicher nicht perfekt gelaufen ist, den Zuschauern aber dennoch hörbar viel Spaß macht. Andy McCluskey jedenfalls findet das Konzert: "Fantastisch", wie er mehrfach an diesem Abend betont. 

Setlist

Intro (Art Eats Art/ La Mitrailleuse) / Ghost Star / Isotype / Messages / Tesla Girls / History Of Modern (Part 1) / One More Time / If You Leave / (Forever) Live And Die / Souvenir / Joan of Arc / Maid Of Orleans / Time Zones (Ansagen-Medley) / Of All The Things We've Made / What Have We Done / So In Love / Locomotion / The Punishment Of Luxury / Sailing On The Seven Seas / Enola Gay // Walking On The Milky Way / Pandora's Box / Electricity

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