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Queens of the Stone Age (live in Oberhausen, 2017) © Peter H. Bauer

Die Stonerrocker Queens of the Stone Age sind eine der Konstanten der alternativen Musiklandschaft. Hierzulande sind sie nur selten live zu erleben. Umso größer waren die Erwartungen an Josh Homme und Band, als diese in der König-Pilsener-Arena Oberhausen zum Tanz aufspielten.

Die König-Pilsener-Arena Oberhausen ist nahezu ausverkauft, die Stimmung durch die Vorband Broncho angeheizt. Das ist wenig verwunderlich, sind die Queens of the Stone Age doch selten genug diesseits des großen Teiches anzutreffen. Anlässlich ihres im August dieses Jahres erschienenen Albums "Villians" ist die Zeit aber wieder reif für eine Europatour.

Als sich das Deckenlicht im Saal verdunkelt und die Bühnenbeleuchtung anspringt, erschließt sich aber recht schnell, dass dieses Konzert keine reine Promo-Veranstaltung wird. Das hätte eine Band vom Status der QOTSA auch nicht nötig. Die Truppe um Josh Homme eröffnet den Abend mit "If I Had A Tail", einem Stück vom 2013 erschienen Vorgänger-Album "…Like Clockwork".

Dress to impress

Die Queens sind von grellem Licht umflutet und werden dadurch als die verdammten Rockstars sichtbar, die sie nun einmal sind. Von schlabbrigen T-Shirts und ausgelatschten Turnschuhen fehlt jede Spur. Stattdessen dominieren schwarze Hemden, Lederjacken und Lederstiefel, außerdem hängen die Saiteninstrumente so weit unten, dass sie gerade noch spielbar sind. Einzig Homme sticht mit seinem knallig roten Hemd als Frontmann heraus. So gehört sich das.

Es mag stereotyp klingen, aber die Queens of the Stone Age zelebrieren auf der Bühne hemmungslos diese Rockstar-Klischees. Und es funktioniert. Spätestens mit dem ebenfalls von "…Like Clockwork" stammenden Brett "My God Is The Sun" hat Homme das Publikum um den Finger gewickelt. Dann erst folgt der erste Song vom neuen Album.

Quer durch die Diskographie

"Feet Don’t Fail Me" trägt den für "Villians" typischen Rock’n’Roll-Groove in sich, der seine Wirkung sogleich entfaltet. Statt sich gegenseitig herum zu schubsen, springen die meisten Besucher vor der Bühne mit einer beeindruckenden Ausdauer auf und ab, als ob sie auf magische Weise mit den Basssaiten verbunden wären. "Take your pants off and dance!", feuert Homme von der Bühne an, bevor mit "The Way You Used To Do" der nächste Kniegelenk-Killer anrollt.

Mit "No One Knows" folgt ein Zeitsprung zurück zum nach Erachten des Verfassers immer noch besten Album "Songs For The Deaf". Mitten im Stück macht der Großteil der Band die Sicht auf Drummer Jon Theodore frei, der die ihm zuteil gewordene Aufmerksamkeit sogleich für ein fulminantes Solo nutzt. In der Zwischenzeit steckt Homme sich im Halbdunkel eine Fluppe an und wird zwischenzeitlich selbst zum Zuschauer. Dann aber folgt der nächste Einsatz.

Antiautoritäre Tanzerziehung

Das Publikum indes ist nicht weniger aktiv. Der Aufruf "Do what you wanna do!" wird wörtlich genommen und zu "Smooth Sailing" surft eine Vielzahl Besucher über die Hände des Publikums in Richtung Bühnengraben, um dort vom freundlichen Sicherheitspersonal entgegengenommen zu werden und sich gleich wieder ins Getümmel zu stürzen. Das Geschehen erinnert vom Rand ein wenig an Kinder in Verbindung mit Wasserrutschen.

Homme begrüßt die Stimmung des Publikums. "What day is it again? Is it Tuesday?" – "It’s fucking Saturday!", erschallt die Antwort von Gitarrist Troy Van Leeuwen, und damit ist eigentlich auch schon alles gesagt. Besser lässt sich gelebter Hedonismus nicht zusammenfassen.

"If you stand up the stick will fall out your ass!"

Zum reichlich suggestiven "Make It Wit Chu" greift Homme nicht allzu tief in die Trickkiste des etablierten Rockstars. Erst dürfen alle Frauen den Refrain singen, dann alle Männer. Was auf dem Papier reichlich abgedroschen klingen mag, funktioniert in einer derart positiv aufgeladenen Live-Atmosphäre jedoch ohne jeden Rock’n’Roll-Kitsch. Auch die zum Song leicht rosa angehauchte Bühnenbeleuchtung wäre bei anderen Bands zu dick aufgetragen, hier aber passt sie genau richtig.

Der Hauptteil des Sets endet mit "Sick, Sick, Sick" und "Go With The Flow". Beide Songs verlangen dem Publikum noch einmal alles ab, gehören sie doch zu dem Härtesten, was die Queens of the Stone Age je eingespielt haben. Zwischen den beiden Liedern gönnt Homme allen Anwesenden aber eine Verschnaufpause, indem er die Band vorstellt.

Abschied mit Knall

Nachdem die Band die Bühne verlassen hat und der Applaus erwartungsgemäß nicht abbricht, folgt die obligatorische Zugabe. "Head Like A Haunted House" sticht auf dem von purem Rockabiliy-Groove dominierten "Villains" noch einmal heraus. Der Bass ist derart trocken, man möchte beinah Angst davor haben, dass Hommes Zigarette im nächsten Moment die Luft im Saal in Flammen aufgehen lässt.

Den Abschied in den Abend bildet nach knapp zwei Stunden "A Song For The Dead", zu dessen Intro sich sogar ein ansehnlicher Circle Pit bildet. Homme und Konsorten spielen sich fast in Trance, heizen das Publikum immer wieder an, bevor dann wirklich der Schlussakkord erfolgt. Auf Anschlag gedrehte E-Gitarren werden vor Verstärker gestellt und mit dem Licht im Saal geht eine Rückkopplung einher, die allen Fans als Erinnerung und Trost bis zur nächsten Tour der Queens of the Stone Age dienen muss. Hoffentlich nicht erst wieder in vier Jahren.

Setlist

If I Had A Tail // Monsters In The Parasol // My God Is the Sun // Feet Don't Fail Me // The Way You Used to Do // You Think I Ain't Worth A Dollar, But I Feel Like A Millionaire // No One Knows // Mexicola // The Evil Has Landed // I Sat By The Ocean // Smooth Sailing // Domesticated Animals // Make It Wit Chu // I Appear Missing // Villains Of Circumstance // Little Sister // Sick, Sick, Sick // Go With The Flow // Head Like A Haunted House // Un-Reborn Again // A Song For The Dead

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