Gonjasufi

Gonjasufi © Enjoy Jazz

Das Enjoy Jazz Festival vereint in sich verschiedenste Stilrichtungen des Jazz und geht dabei weit über Genre-Grenzen hinaus. Das beweist auch das Konzert von Gonjasufi im Karlstorbahnhof Heidelberg.

Nachdem das Enjoy Jazz Festival die letzten Jahre mit so experimentellen Konzertreihen wie „Tunneleffekte“ aufwarten konnte, gibt es auch dieses Mal wieder ein in dieselbe Richtung weisendes Programm. Unter dem Namen „Late Night Strangers“ wird die Verbindung aus sphärischer, meditativer Musik und der Nacht zelebriert. Die Konzerte beginnen in der Regel erst nach 22:30 Uhr.

Minimalistisch

Im Rahmen dieser Reihe spielt auch Gonjasufi im Karlstorbahnhof Heidelberg. Der Produzent, Sänger und Instrumentalist verbindet in seiner Musik Elemente aus Hiphop, Trip-Hop, Postpunk, Jazz und Elektronika. Dass er im Dunstkreis des Ausnahmeproduzenten Flying Lotus erstmals eine breitere Öffentlichkeit erreichte, verwundert bei dieser Mischung wenig.

Die Bühne im Karlstorbahnhof ist geprägt von Kabeln. Zwei Pulte mit diversen elektronischen Controllern sind zunächst alles, was den Zuschauern ins Auge fällt. Dieses Bühnenbild lässt die musikalische Richtung bereits erahnen.

Leiden an Publikums statt

Gonjasfui betritt die Bühne und legt ohne Umschweife los. Während am hinteren Pult zwei Mitmusiker den Controllern ein hartes Beatfundament entlocken, macht Gonjasufi sich an der E-Gitarre zu schaffen. Der Sound ist roh, übersteuert, verzerrt und entspricht damit dem jüngsten Album des Künstlers, „Callus“ von 2016.

Immer wieder beugt und krümmt sich Gonjasufi über sein Mikrofon und stößt seinen (Sprech‑)Gesang hinein. Dieser ist ebenso verzerrt und übersteuert wie alle anderen Klänge des Konzerts. Es ist keine Wohlfühlmusik, eher eine Form der Katharsis. Durch die Lautstärke, die Verzerrung und den Bass, der durch den vor der Bühne abgedeckten Graben noch verstärkt wird, ist diese körperlich erfahrbar.

Meditation durch Repetition

Auch die Lieder seiner ersten Alben, die zwar ebenso experimentell, aber doch von einem wärmeren Sound geprägt waren, werden von Gonjasufi in neue Formen gegossen. Das verbindende Element ist hier die Stimme des Sängers, die aus unergründlichen Tiefen zu kommen scheint.

Insgesamt passt der Auftritt hervorragend ins Konzept der Reihe. Gonjasufi und seine Mitstreiter machen keine Pausen zwischen den einzelnen Liedern, sondern ziehen einzelne Klangspuren ins nächste Lied hinüber und schaffen so ein durchgängiges musikalisches Enjambement, in dem man sich über gut neunzig Minuten verlieren kann.

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