The xx live beim Lollapalooza 2017

The xx live beim Lollapalooza 2017 © Manuel Berger

Nach der krankheitsbedingten Absage von Alma springt Zak Abel ein und nutzt die unerwartete Chance. Während The xx mit Problemen zu kämpfen haben, sorgt Lola Marsh für die größte Überraschung des Festivals. Welshly Arms liefern am Schluss noch eine große Show als perfektes Finale.

Die Nachricht des Konzertausfalls von Alma sorgt zunächst für einige enttäuschte Gesichter. Den Ersatz Zak Abel haben die meisten Zuschauer nicht auf der Rechnung. Also gehen die Besucher, die ihre Karte nicht zurück geben, mehrheitlich ohne große Erwartung in die Show.

Der 22jährige Brite geht voller Enthusiasmus auf die Bühne und möchte die unerwartete Chance auf der großen Bühne samt TV-Aufzeichnung nutzen. Seine Stimme ist extrem klar und gut verständlich. Mit eingängigen Songs wie "These Are The Days", der einen guten Rhythmus hat, heizt er dem Publikum richtig ein. Die poppigen Melodien in Kombination mit Zak Abels angenehmer Stimme gehen sehr gut ins Ohr.

Chance genutzt

Mit "Deserved To Be Loved" spielt Zak Abel nach einigen schnelleren Songs die erste Ballade, die ebenfalls sehr gut angenommen wird. Das Cover des Ohrwurms "One Dance" von Drake unterlegt Zak Abel mit einigen Reggae-Klängen. Weiter geht es mit dem schnellen Rhythmus bei "When We're Naked", die mit den unterlegten Powerbeats das Publikum zum Mittanzen und Klatschen anregen.

Der elektrisierende Rhythmus und die tolle Stimme verbreiten einfach nur gute Laune. Der junge Brite hat seine Chance optimal genutzt und wird vom demnächst erscheinenden neuen Album jetzt sicher einige Exemplare mehr verkaufen.

Soundprobleme bei The xx

Mit den Konzerten im Festspielhaus haben die Besucher 2017 kein großes Glück. Nach dem mittelmäßigen Auftritt von Anne-Marie am Freitag spielen am Samstag nun The xx ihr Konzert. Leider werden die ersten 30 Minuten der Show von Soundproblemen überschattet. Die Abmischung passt nicht, außerdem ist die Musik zu laut. Dabei bietet die Show, soweit der Sound es zulässt, mit seinen emotionsgeladenen, düsteren Parts viele Möglichkeiten, sich fallen zu lassen. Die schlechte Soundqualität dauert bis zum Solosong "Performance" von Sängerin Romy Croft an.

Dann plötzlich ändert sich der Sound. Im leiseren Soloteil haben die Techniker wohl das System justiert. Mit den ersten Klängen von "Infinity" ist das Hörerlebnis unverhofft da. Die Instrumente sind klar und rein zu hören und auch die Lautstärke ist jetzt angemessen. Mitreißende Rhythmen, mit kurzen Pausen aufgebaute Spannungsbögen und ein opulenter Elektrosound sind normal Zutaten für ein tolles, spannendes Konzerterlebnis. Der Indie-Pop mit seiner Mischung aus Gitarrenrhythmen, Gesang und den Schlägen der Drum-Machine ist sehr abwechslungsreich und bietet immer wieder neue Facetten.

Im Festspielhaus bleibt aber für die wirkliche Erfassung dieses komplexen Sounds nach der Panne der ersten 30 Minuten zu wenig Zeit. Denn schon geht es mit "On Hold" und "Angels" auf das Ende zu. Interessant ist die beim Finale die Abweichung zwischen Radio-Version und Live-Inszenierung. Im Radio sehr ruhig, ziehen The xx live alle Register an Drumbeats und Soundgewitter für ein wuchtiges Finale. 

Lola Marsh liefern Musik mit Pfiff

Die größte positive Überraschung des New Pop Festivals 2017 ist Lola Marsh. Sehr viele Besucher im Theater kennen die israelische Indie-Pop-Band noch nicht. Sängerin Yael Shoshana Cohen beginnt mit glasklarer Stimme an zu singen. Ihre Stimme erinnert in vielen Momenten an Katie Melua, die 2005 ebenfalls beim New Pop Festival ihren großen Durchbruch feierte.

Bei jedem Song steigt die Begeisterung des Publikums hörbar an. Durch die drei unterschiedlichen Gitarren setzen die Sängerin und zwei der Gitarristen in jede Melodie hörbare Akzente. Dazu sind längere Teile mit Pfeifen statt oder mit Musik ein bewusstes Stilmittel. Die wunderschönen, leichten Melodien wie bei "Stranger In The Past" erzeugen ein Gefühl der Entschleunigung. Auch ihr Radiohit "Wishing Girl" reißt das Publikum mit.

Gegen Ende des Konzerts gibt es vermehrt Akustik-Balladen zu hören. Zu "In Good Times" illuminieren die Zuschauer das Theater mit Smartphones. Nur Yael Shoshana Cohen und Gil Landau an der Gitarre singen ganz leise, fast gewispert, diesen entspannten Song und lassen das Publikum mit einsteigen beim Gesang. Der nächste Song ist dagegen eine Riesensalve an Gitarrenfeuer, die derart elektrisiert, dass es fast alle Zuschauer auf den Rängen aus den Sitzen reißt. Anscheinend sollte das Konzert mit diesem Song fertig sein. Doch das Publikum klatscht so heftig über mehrere Minuten weiter, dass Cohen und Landau für eine zweite Akustik-Ballade nochmal auf die Bühne kommen und erneut Riesenapplaus ernten.

Faszinierender Rock von Welshly Arms

Die US-Rocker von Welshly Arms spielen im Kurhaus das Abschlusskonzert des SWR3 New Pop Festivals. Nach einigen Songs wird schnell auffällig, wie variabel Sänger Sam Getz seine Stimme bei den verschiedenen Songs einsetzt. Anfänglich klingt seine Stimme sehr hell und modern. Somit ist sein Gesang der Kontrast zu dem schweren, dunklen Rocksound mit den heulenden Gitarren. Als sie dann einen alten Bluessong covern, verändert sich die Gesangsstimme total und man hört dreckigen Blues. Bei "Two Seconds Too Late" wird es wieder rockig mit krachenden Riffs. Diesmal klingt die Stimme sehr nach Old School Rock aus den 60er oder 70er Jahren.

Bei "Bad Blood" wird das Publikum besonders aktiv und klatscht wie wild mit, angetrieben von dem rockigen Sound und den wieder heulenden Gitarrenriffs. Der stimmliche Kontrast zwischen der souligen Backgroundsängerin Bri Bryant und der rockigen Stimme von Sam Getz bei "Down To The River" ist eine weitere Facette in dem sehr üppigen Repertoire von Welshly Arms. Als das Intro von "Legendary" ertönt, schreien viele Zuschauer los. Diese ruhige, kraftvolle Ballade entfacht sehr viel Begeisterung.

Schließlich wird es sehr hell im Saal und die Band feuert eine letzte Salve an Gitarrenriffs ab wie ein Schlachtschiff, das aus allen Rohren feuert. Als Zugabe spielen Welshly Arms ein Cover von "Bridge Over Troubled Water" in einer sehr eigenen Version mit wieder harter Gitarrenpower und viel Aggression in der Stimme. Mit dieser rockigen Einlage endet das SWR3 New Pop Festival 2017 mit einem letzten Kracher.

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