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Beatsteaks (live in Heidelberg 2017) © Rudi Brand

Anlässlich ihres neuen Albums sind die Beatsteaks Ende August auf intime Clubtour gegangen, um die Fans schon einmal für die neuen Songs warm zu machen. In der Heidelberger halle02 ist ihnen das mehr als gelungen.

Die Festival-Saison neigt sich dem Ende zu, doch heißt das immer auch, dass die Zeit der Club- und Hallenkonzerte beginnt. Die Beatsteaks gehen hier mit gutem Beispiel voran. Die halle02 in Heidelberg steht als letztes auf dem kleinen Clubtour-Plan der Berliner Punkgrößen. Das Konzert war bereits am ersten Tag des Vorverkaufs ausverkauft. Wen wundert‘s?

Als Vorband tritt die ebenfalls in Berlin heimische Punktruppe Die Tunnel auf. Die vier Herren spielen geradlinigen Punk mit teils deutschen, teils englischen Texten. Streckenweise gehen ihre Songs in Richtung Post-Punk und Shoegaze, besonders das letzte Stück überzeugt mit einem minutenlangen, beinahe tranceinduzierenden Instrumentalpart. Dennoch springt der Funke leider nicht aufs Publikum über. Vielleicht möchten die Gäste in Anbetracht dieses tropisch anmutenden Augusttages aber auch ihre Kräfte für den Hauptakt aufsparen.

"Das wird das Konzert!"

Der erscheint dann auch mit voller Wucht auf der Bühne. Die Beatsteaks lassen von Minute Eins ihres Auftrittes keinen Zweifel daran, dass sie eine der besten Livebands Deutschlands sind. Das Publikum ist sich seiner Verantwortung bewusst und lässt ebenfalls vom ersten Moment an alle Hemmungen fallen, was einem bei dieser in Ohr und Bein gehenden Musik aber auch nicht sonderlich schwerfällt.

"Heidelberg, wir machen euch fertig heute!", droht Sänger und Frontmann Arnim von der Bühne. "Wollt ihr noch einen neuen Song?" Ja, will man. Die Lieder des neuen Albums werden über das ganze Konzert eingestreut und auf ihre Live-Tauglichkeit getestet. Die Beatsteaks waren noch nie eine Band, die sich an starre Genregrenzen gehalten hätte, und das kommende Album scheint hier nicht mit der Tradition brechen zu wollen. Reggae, Ska, HipHop und Pop glänzen immer wieder auf, fügen sich aber stets in das zugrundeliegende Punkgerüst ein. Tanzbar ist das alles sowieso.

Wie guter Wein

Der rote Faden, der sich so durch das Werk wie auch das Konzert zieht, ist die Röhre von Arnim Teutoburg-Weiß, der das Publikum anzuheizen versteht. "Wollt ihr was von den alten Sachen?" Ja, auch das will man. "Limbo Messiah!" Und noch während der Autor sich denkt "Das ist doch gerade erst rausgekommen" (2007) und anschließend in eine punktuelle Endzwanzigerkrise verfällt, erklingen schon die Akkorde von "Demons Galore".

Im Laufe des Konzertes spielt sich die Band bis auf ihre Punk-Wurzeln zurück. Die Stücke von Launched (2000) und Living Targets (2002) sorgen besonders vor der Bühne für viel Bewegung und unfreiwilligen Austausch von Transpirationsflüssigkeit, aber wer darauf keine Lust hat, sollte so eine Veranstaltung vielleicht ohnehin nicht aufsuchen. Auf dem Konzert wimmelt es von eingefleischten Fans. Die Frage "Wer hat uns schon dreimal oder öfter gesehen?" lässt entschieden mehr Arme in die Luft schnellen als "Wer sieht uns zum ersten Mal?".

Es geht auch ruhig

Dem Publikum wird kein ruhiger Moment gegönnt, mit einer Ausnahme. Etwa zur Mitte des Auftritts werden die Lichter abgedunkelt, sodass nur noch Gitarrist Peter Baumann zu sehen ist. Dieser gibt ein Sologitarrenstück zum Besten, während die anderen Bandmitglieder diese Gelegenheit zum Klamottenwechsel nutzen. Nach diesem kurzen Intermezzo geht es aber mit Tempo weiter.

In der zwangsläufigen Zugabe spielen die Beatsteaks nicht nur ihr eigenes Zeug, sondern versuchen sich auch mit Bravour an einer Coverversion des Queen-Klassikers "I Want To Break Free“, das mit Begeisterung und vor allem Textsicherheit vom Publikum gefeiert wird. In der folgenden zweiten Zugabe erklingt dann noch sehr passend "Summer". Nach diesem Konzert kann man mit Fug und Recht behaupten, dass die Beatsteaks auf ihr anstehendes Release-Konzert bestens vorbereitet sind.

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