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Kris Kristofferson (live in Frankfurt 2017) © Torsten Reitz

Ein alter Sänger, ein dankbares Publikum. Der einsame Cowboy Kris Kristofferson spielt in der Frankfurter Jahrhunderthalle ein bewegendes Konzert, das durch sein zurückhaltendes Auftreten besonders eindrucksvoll wirkt.

Es ist weniger ein Konzert als ein überdimensioniertes Familientreffen, das sich in der Frankfurter Jahrhunderthalle abspielt. Kris Kristofferson hat eingeladen – und seine Fans sind gekommen.

Man kennt sich, man schätzt sich und man ist gewillt, einen schönen Abend miteinander zu verbringen. Wer weiß, wie viele Chancen man noch erhält.

Ausdrucksstark im Alter

Kris Kristofferson ist kürzlich 81 Jahre alt geworden. Er kann auf ein bewegtes Leben voller Höhen und Tiefen zurückblicken. In diesem Alter noch auf der Bühne zu stehen, ist nicht vielen Musikern vergönnt, vor allem nicht nach so einem Leben. Aber Kristofferson ist weit davon entfernt, den Star zu spielen, sein Auftreten ist ganz unprätentiös.

Seine Stimme krächzt und rattert, quietscht mühsam in den Kurven, aber sie besitzt eine faszinierende Ausdrucksstärke. Kristofferson war sowieso nie der allergrößte Sänger, daher gibt es keinen Grund, den Verlust früherer stimmlicher Geschmeidigkeit allzu sehr zu bedauern. Der alte Kristofferson klingt authentischer, seine fatalistischen, traurigen, nachdenklichen Songs wirken so noch eindringlicher als in den manchmal allzu glatten Studioversionen.

Die Botschaft wird verstanden

Kris Kristofferson steht den Großteil des Konzerts alleine auf der Bühne. Er macht nicht viele Ansagen, enthält sich jedes politischen Kommentars, erzählt (mit einer Ausnahme) keine Geschichten, Anekdoten oder Begebenheiten. Er lässt einfach seine Songs sprechen, die das Publikum bis in die Details auswendig kennt. Dazu lächelt er, bedankt sich und genießt die Anerkennung, die ihm entgegenschlägt.

Große Ansagen sind überflüssig, weil jeder im Publikum versteht, was der US-Amerikaner sagen will. Die Zeile "Most of us hate anything that we don't understand" aus "Jesus Was A Capricorn" erhält Szenenapplaus. Fraglos: Es sind Songs aus einer anderen Zeit, aber ihre Themen sind (meistens) zeitlos.

Gut gealterte Klassiker

Im Set dominieren die frühen Songs. Kristofferson performt großes Teile seines Debütalbums (zehn von zwölf Liedern!) und man kann nur staunen, wie gut diese Musik gealtert ist. Die düstere Folk-Parabel "Darby's Castle", das augenzwinkernde "Best Of All Possible Worlds", die Säufer/Kiffer-Hymne "Sunday Mornin' Coming Down" und all die anderen Songs zu denen alte Menschen nur wissend nicken: So erfährt "Help Me Make It Through The Night" eine humorvolle Umdeutung zu "Help Me Make It Through Tonight".

Eine Geschichte erzählt er dann doch. Sein damals fünfjähriger Sohn kommentierte einst "The Silver Tongued Devil and I" mit den Worten: "That is not a good song. You blame someone else for your own mistakes."

Zur Zugabe stehen alle Zuschauer und feiern den Abschluss eines gelungenen Konzertabends. Kris Kristofferson umarmt die Mitglieder von Rocket To Stardom, der deutschen Kris Kristofferson-Coverband, die ihn bei einigen Songs begleiten durfte. Alle sind froh, dabei gewesen zu sein.

Setlist

Shipwrecked in the 80's / Darby's Castle / Me and Bobby McGee / Here Comes That Rainbow / Best of All Possible Worlds /  Casey's Last Ride / Nobody Wins / Feeling Mortal / From Here to Forever / Broken Freedom Song / Help Me Make It Through the Night / Loving Her Was Easier / Just the Other Side of Nowhere / Duvalier's Dream / I'd Rather Be Sorry / They Killed Him / Jody and the Kid / The Pilgrim / Jesus Was a Capricorn / To Beat the Devil / Sunday Mornin' Comin' Down / The Silver Tongued Devil And I / For the Good Times / A Moment of Forever / Why Me // Under The Gun / Please Don't Tell Me How the Story Ends

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