Christopher Cross (2011)

Christopher Cross (2011) © MFP Concerts

Der legendäre Sänger und Gitarrist Christopher Cross präsentiert mit seiner grandios besetzten Band beim Seebühnenzauber im Mannheimer Luisenpark seine größten Hits und zeigt, dass auch sein späteres Repertoire tolle Songs beinhaltet.

Selbst die Flamingos des Luisenparks wollen sich an diesem kühlen und mit tiefen Regenwolken verhangenen Sonntagabend nicht zeigen, als Peter Baltruschat, musikalischer Leiter des Seebühnenzaubers, zu Beginn des Konzerts sein flammendes Plädoyer für Christopher Cross, den Protagonisten des Abends hält.

Die Flamingos als wiederkehrendes Plattencovermotiv des Künstlers bilden dabei einen treffenden Rahmen für seinen langjährigen Wunsch, den Mann aus San Antonio in die Quadratestadt zu holen.

Entspannter Beginn

Der so Umworbene spaziert unaufgeregt mit Gitarre und seiner siebenköpfigen Begleitband auf die schwimmenden Pontons der pittoresken Seebühne und bietet zu Beginn ein Quasi-Instrumentalstück des neuen, noch unveröffentlichten, Albums. Hier, wie auch bei "Baby, It's All You", einer weiteren Kostprobe der Platte, drängen sich Vergleiche zum Flow der späten Steely Dan auf. Auch die beiden Backgroundsängerinnen verstärken diesen Eindruck.

Cross stellt danach die hervorragende Band aus amerikanischen und französischen Musikern vor und präsentiert mit "Sailing" einen seiner größten Hits gleich zu Beginn. Dieses zeitlose Pop-Diadem zeigt eindrucksvoll, wie Softrock amerikanischer Prägung in den Spätsiebzigern sowie Frühachtzigern funktionierte und warum es auf den Radiostationen jener Zeit genau den Nerv traf.

Samtweich trifft der Sänger auch heute noch jeden Ton, während Klavier und Saxofon den Song tatsächlich sanft über die Wellen tragen. Die Gondolettas des Luisenparkteichs bieten dazu beim Sonnenuntergang einen Rahmen, wie man ihn besser hätte nicht wählen können.

Der Antistar

Der Applaus der Zuschauer der sehr gut besuchten Seebühne ist herzlich und warm, auch als Cross mit "Never Be The Same" einen weiteren A(dult)O(riented)R(ock)-Radiohit jener für ihn goldenen Jahre 1979-1982 nachlegt. Romantisch und wehmütig interpretiert er mit seiner nach wie vor hohen prägnanten Kopfstimme den Midtemposong und das Saxofon perlt dazu.

In abgewaschenen Schlabberjeans, mit T-Shirt und offenem Hemd taugte Christopher Cross noch nie als Posterboy. Auch an diesem Abend bleibt der mittlerweile 66-jährige ganz bei sich, konzentriert sich auf seine Gitarrenarbeit sowie den Gesang und räumt seiner hervorragenden Begleitband sehr viel Raum ein. Die kurzen Ansagen zu den Songs, bei denen er pausbäckig unter seiner Schiebermütze hervorschaut sind sanft und fast schon ernst.

Aktuelle Songs und ein "Tränenzieher"

Im weiteren Verlauf des 90-minütigen Sets spielt Christopher Cross nahezu alle Hits seiner fast vierzigjährigen Karriere, die ausschließlich in den ersten 5 Jahren entstanden. Dazu baut er sehr geschickt auch späteres Material ein und hält damit den Spannungsbogen hoch. "Walking In Avalon“, das Titelstück seines 1998er Albums wie auch "Open Up My Window" aus dem Jahr 1996 zeigen, dass der Mann in den Neunzigern genauso geschmeidige Songs schrieb wie zu Beginn seiner Karriere.

Gänsehaut erzeugt nach 36 Jahren immer noch die Oscar-dekorierte Film-Auftragsarbeit "Arthur's Theme (Best That You Can Do)", die er gemeinsam mit keinem geringeren als Burt Bacharach komponiert hat. Cross erzählt vom verstorbenen Dudley Moore, dem Hauptdarsteller des Films und sorgt für einen sehr berührenden Moment. Mit dem folkigen "Dreamers" von seinem Album "Doctor Faith" beschließt Cross den ersten Teil seines Sets. In der Pause haben die Zuschauer Gelegenheit sich auf der faszinierenden, steil aufsteigenden Seebühne des Luisenparks umzusehen und die Gegend zu erkunden.

Akustik-Set und das omnipräsente erste Album

Mit dem bewegenden "Think of Laura" startet der Texaner in ein kurzes Akustik-Intermezzo, bei dem vor allem ein neu arrangiertes "Say You’ll Be Mine" von seinem Debütalbum für große Freude bei seinen Fans sorgt.

Dieses Album aus dem Jahr 1979 bildet mit sieben Stücken den Monolith im Set dieses Abends. Jeder einzelne für sich zeigt, wie fein Cross damals seine Idee von Jazz, Softrock und Fusion entwarf. Diese Mischung spiegelte sich auch in den damaligen Sessionmusikern wieder, zu denen Larry Carlton und Don Henley zählten.

"Schnell wie der Wind" in die Zielgerade

Cross und Band biegen mit dem bekannten "No Time For Talk" vom seinem zweiten Album auf die Zielgerade des Abends ein. Ausgerechnet bei dem folgenden "All Right" zündet das Neu-Arrangement nicht wirklich und die Stimme des Mannes aus San Antonio wird fast gänzlich durch die Background-Sängerinnen überlagert. Die Band wirkt zu laut, wodurch die feine Eleganz des Radioevergreens etwas verloren geht.

Das tut der Stimmung auf der Seebühne keinen Abbruch. Die meisten Anwesenden springen zu den ersten Intro-Akkorden von "Ride Like The Wind“ von den Bänken und tanzen. Es ist und bleibt sein größter Hit und die Anmut der damaligen 79er-Studioversion wird durch Hilfe modernster Technik bestens reproduziert. Das wirbelnde Streicher-Arrangement kommt aus dem Computer und Christopher Cross greift nochmals beherzt in die Saiten.

Ein wenig vermisst man die Stimme von "Doobie Brother" Michael McDonald, der Cross im Original so kongenial als Zweitstimme unterstütze und die Geschichte vom flüchtenden und zum Tode verurteilten Mörder an der mexikanischen Grenze abrundete. Die Seebühne tobt und entlässt den Star des Abends nicht ohne "Imagine" als Zugabe, bei dem der sanfte Stoiker die Zuschauer sogar zum lauten Mitsingen animiert.

Die Botschaft von John Lennon ist in diesen Tagen wichtiger denn je, genauso wie das Wissen, dass Christopher Cross wie ein alter Freund an diesem Abend vorbeigeschaut hat. Mit diesen tröstlichen Gedanken verlassen seine Fans den Luisenpark und genießen beim Hinausgehen das wunderschöne Ambiente dieses Konzerts.

 

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