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The 1975 (live in Offenbach 2017) © Torsten Reitz

Aus schwarz-weiß wird neonfarben: The 1975 können in der Stadthalle Offenbach auch mit komplett neuem Farbgewand überzeugen. Das junge Publikum feiert das Quartett aus Manchester während ihres 90-minütigen Sets wie im Rausch.

The 1975 haben mit ihrer zweiten Platte eine optische Kehrtwende um 180 Grad vollzogen. 2013 waren die Musiker aus Manchester noch umhüllt von einer geheimnisvollen Aura, die sie dem monochromen und spartanischen Design ihres Debütalbums und ihrer Live-Shows zu verdanken hatten. 

Heute hingegen könnte es für die Indie-/Synthie-Pop-Band nicht bunt genug zugehen: Mit 80s-Look und strahlenden bis knalligen Farben ziehen The 1975 eine klare Grenze zu ihrem Erstlingswerk. Die Botschaft: "Hey, wir können auch bunt!". Zurück in die Zukunft, wenn man so will.

Die Achtziger werden nie alt

Auch musikalisch hat sich einiges geändert: Der funky-groovige Sound ist geblieben, die rockigen Passagen sind jedoch zumeist größflächig angelegten Synthie-Sounds gewichen. Es ergibt sich ein Musik-Konstrukt, das stark an INXS und den New Wave der frühen Achtziger Jahren angelehnt ist.

Erwartungsgemäß ist die Offenbacher Stadthalle an diesem Abend vor allem von jungen Zuschauern bevölkert. Im Vergleich zum Konzert im Heidelberger Karlstorbahnhof vor drei Jahren ist der Altersdurchschnitt deutlich niedriger, außerdem sind weitaus mehr junge Frauen anwesend.

Kleider machen Leute

Entsprechend laut wird es, als The 1975 die Bühne betreten. Das Kreischen ist ohrenbetäubend. Dass Drummer George Daniel und Sänger Matthew Healy aussehen, als seien sie frisch aus dem Bett geschlüpft, scheint das Publikum umso cooler zu finden, ganz getreu dem Titel des zweiten Albums "I Like It When You Sleep For You Are So Beautiful Yet So Unaware Of It". Das ist Verehrung in ihrer Reinform.

Kleidungstechnisch hat sich die Band dem neuen Gesamtlook angepasst: Gitarrist Adam Hann trägt einen roten Rollkragenpullover, Healy ein hellblaues Hemd mit weißer Schildkappe und Daniel ein offen getragenes Hawaiihemd. Kostümdesigner von 80s-Soaps würden begeistert in die Hände klatschen. 

Ansprechende Inszenierung

The 1975 versetzen das Publikum von der ersten Minute an in Rage. Getanzt wird von vorne bis hinten, die Stimmung schraubt sich schnell nach oben. Zu hören gibt es vor allem Songs ihres neuen Albums, aber die Fans feiern die Stücke des Debütalbums ebenso enthusiastisch. Die leicht genuschelten Gesangslinien Healys schreien die Zuschauer inbrünstig mit.

Die Lightshow setzt die einzelnen Songs erstaunlich gut in Szene. Drei Rechtecke an der Bühnendecke und vier Säulen-Projektionen auf der Rückwand sorgen für ein farbenreiches Konzert mit perfekt getimten Wechseln. Rosatöne dominieren deutlich das Lichtspektakel. Besonders auffällig sind die filmenden Smartphone-Wände, die während der gesamten Show zu sehen sind. Viele jüngere Zuschauer besuchen an diesem Abend vermutlich zum ersten Mal ein Konzert. Kleiner Tipp: immer schön im Querformat filmen.

Der Roland Kaiser des Pop

Die Zuschauer beantworten jede noch so kleine Publlikumsinteraktion Healys mit lautem Gekreische. Einige Fans werfen dem Sänger nach einigen Minuten Rosen zu, die er lasziv zurück in die Menge wirft, während ihm von anderer Seite erneut Rosen entgegenkommen. Später kommt auch noch ein kleiner Teddybär geflogen. Ein Schlagerfest kann dagegen einpacken.

"Is everything okay?", fragt Healy daraufhin leicht belustigt das Publikum, nicht ohne auch noch eine wichtige Botschaft loszuwerden: Liebe und Gleichheit für alle. Viele Zuschauer halten Regenbogen-Flaggen in die Höhe. Zu "Love Someone" wird schließlich auch die Bühne in Regenbogenlicht getaucht – sicherlich das Stimmungs-Highlight der Show.

Das Publikum in der Hand

Bis zum Ende des Konzerts bleibt die Tanzlaune auf diesem hohen Niveau. Matthew Healy treibt das Publikum mit ausladenden Gesten an, seine Bandmitglieder bleiben mit einer Mischung aus Desinteresse und Coolness eher im Hintergrund. Besonders hervorzuheben sind dagegen die Saxophon-Soli eines zusätzlichen Livemusikers, die für frische Abwechslung sorgen.

Bunter Kern

The 80s Are Back! The 1975 kombinieren die Musik der Dekade mit hipper Sexyness. Der neue Look steht dem Quartett ausgesprochen gut. Unter der schwarz-weißen Haut kommt ein facettenreicher bunter Kern zum Vorschein. Das überwiegend weibliche Publikum zelebriert die Band und vor allem Healy ekstatisch. Wir freuen uns schon darauf, wenn The 1975 mit ihrem nächsten Album die 90er zurückholen. Und das im knalligen Gelb.

Setlist

The 1975 // Love Me // UGH! // Heart Out // A Change Of Heart // Medicine // You // I Like It When You Sleep, for You Are So Beautiful Yet So Unaware Of It // Loving Someone // She's American // Please Be Naked // fallingforyou // Somebody Else // The Ballad Of Me And My Brain // Undo // Paris // Girls // Sex // If I Believe You // Chocolate // The Sound

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