Les Yeux D'la Tête (2017)

Les Yeux D'la Tête (2017) © Hamza Djenat

Der Auftritt von Les Yeux D'la Tête im Karlstorbahnhof Heidelberg ist nicht einfach nur ein Konzert, sondern ein wahres Erlebnis. Die Spielfreude der Band überträgt sich sofort auf das Publikum und treibt so die Stimmung in die Höhe.

Am Ende eines sonnigen Feiertags ist es noch immer heiß in Heidelberg. Der Saal des Karlstorbahnhofs ist zu 70 Prozent gefüllt mit einem sehr durchmischten Publikum, von Kleinkindern direkt vor der Bühne bis hin zu Senioren in den hinteren Rängen ist alles vertreten. Die Hitze tut der Vorfreude keinen Abbruch.

Ganz gelassen

Als um 21.15 Uhr noch immer keine Band zu sehen ist, nimmt das Publikum die Sache selbst in die Hand. Es wird geklatscht und gepfiffen, um Les Yeux D'la Tête hervorzulocken - und es klappt. Das Sextett wird gebührend begrüßt und startet sofort in das erste Lied. Der Applaus ist enorm - man wundert sich, dass eine recht kleine Menge so viel "Lärm" machen kann.

Lebensfreude

Mit einem Mix aus Französisch und Englisch, hier und da versehen mit einem "Dankeschön", punkten die charmanten Franzosen noch mehr während ihrer Interaktion mit dem Publikum. Sie freuen sich zurück in Deutschland zu sein und wollen ihr zehntes Jubiläum ordentlich feiern. Das lassen sich auch die Zuhörer nicht zweimal sagen und schwingen das Tanzbein. Wenn man so viel Körpereinsatz zeigt, reißt auch schon mal der Gitarrengurt, aber trotzdem spielt der Sänger unbeirrt weiter.

Mit Liedern aus ihrer gesamten Schaffensperiode begeistern Les Yeux D'la Tête alle im Saal - "Muzika" bringt das südländische Lebensgefühl mit sich, während der "Balkan Boogie" nach Osteuropa entführt. Der tolle Instrumentenmix von Gitarren, Schlagzeug, Trommeln, Saxophon, Trompete, Klarinette und Akkordeon ermöglicht es, verschiedenste musikalische Einflüsse zu vereinen.

Schauspiel

Jedes Lied wird mit ganz viel schauspielerischem Talent vorgetragen. Die beiden Frontmänner verausgaben sich förmlich an ihren Gitarren, aber auch jedes andere Bandmitglied ist mit vollem Körpereinsatz bei der Sache.

Bei "Peur de tout" wird der Saal dunkel, nur eine Taschenlampe leuchtet noch. Alle Bandmitglieder bis auf den Sänger verharren im Standbild, als dieser a cappella das düstere Lied anstimmt. Quasi blind setzen dann die Instrumentalisten wieder ein und spielen nicht einen falschen Ton.

Ein weiteres Spektakel sind die Solo-Einlagen der einzelnen Franzosen. Besonders der Drummer spielt sich in Rage und treibt die Begeisterung des Publikums noch einmal in die Höhe. Spätestens jetzt hat sich jeder wieder nass-getanzt.

Grand finale

Am Ende des normalen Sets bedanken sich Les Yeux D'la Tête und laden alle herzlich zu ihren weiteren Konzerten ein, bevor sie die Bühne verlassen. Doch ihre Abwesenheit ist nur von kurzer Dauer, denn die Zurufe, Pfiffe und das Klatschen sind so laut und groß, dass sie gar keine andere Wahl haben, als zurückzukommen.

Wer dachte, dass sich Band sowie Publikum schon verausgabt haben, der liegt falsch. Schon nach den ersten Akkorden von "I don't speak English" bebt der Karlstorbahnhof wieder. Als Hommage an ihre großen Musiker-Inspirationen spielen Les Yeux D'la Tête Auszüge aus "Smells Like Teen Spirit", "Still D.R.E", "Love Me Tender" u.a. und lassen sich von den Zuschauern mit dem Text aushelfen.

Den krönenden Abschluss bildet dann "Liberté chérie", bei dem der Gitarrist nochmal eine heiße Sohle aufs Parkett hinlegt. Band und Zuschauer sind ekstatisch und glücklich. Mit dem Versprechen auf ein baldiges Wiedersehen verneigen sich Les Yeux D'la Tête, danken jedem einzelnen Bandmitglied, der Technik, ihrem Busfahrer und natürlich Heidelberg. Ein perfekter Abschluss des wortwörtlichen Feier-Tags.

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