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Julien Baker (live in Heidelberg 2017) © Fenja Zeppei

Julien Baker benötigt nicht viel um das Publikum zu begeistern: Mit ihrer Stimme, ihrer Gitarre und den bewegenden Texten sorgt sie im Karlstorbahnhof in Heidelberg für große Begeisterung. Zusätzlich verleitet ihr trockener Humor zum Schmunzeln.

Im Rahmen des Heidelberger Queer Festivals hat der Karlstorbahnhof Julien Baker eingeladen. Die junge Südstaatlerin ist etwas ganz besonderes: Sie vereint queer identity mit christlichem Glauben und zeigt, dass große Gefühle niemanden kaltlassen.

Schon beim Betreten des Karlstorbahnhofs zeigt sich: Julien Baker trifft offensichtlich den Nerv der Zeit. Für das Konzert einer jungen, relativ unbekannten Künstlerin ist der unbestuhlte Saal bemerkenswert gut gefüllt – vor allem mit jungem, studentischem Publikum.

Starker Support

Bevor Baker die Bühne betritt, spielt Lauren Denitzio, die Frontfrau der Punk-Band Worriers. Sie steht an diesem Abend alleine mit ihrer Gitarre vor dem Publikum und liefert etwas ruhigere Versionen ihrer Worriers-Songs ab.

Diese erweisen sich als eindrucksvoll. Ihre Musik ist in Solo-Form nicht sperrig oder punkig, sondern überraschend eingängig und melodisch. Da Denitzios Gesang ebenfalls ausdrucksstark ist, erleben die Zuschauer einen Support der besseren Sorte und eine gute Einstimmung auf den Hauptact.

Ruhig und kraftvoll

Somit ist das Publikum warmgeklatscht, als die Nebelmaschine auf Hochtouren läuft und kurz vor zehn endlich Julien Baker erscheint. Mit ernstem Gesicht begrüßt sie das Publikum nach tosendem Applaus. "Hi, my name is Julien Baker and I'm gonna play a few songs." 

Baker beginnt zu spielen – und der Saal lauscht gebannt. Die verletzliche und doch kräftige Stimme der Sängerin durchdringt den Nebel und zwingt die Besucher zum intensiven Zuhören. Bakers Texte handeln von Schmerz und Scheitern, aber auch von der Überwindung der Niederlagen und vom Stärkerwerden.

Kampf mit der Technik

Nach etwa der Hälfte der Performance treten plötzlich technische Schwierigkeiten auf: Ein Gitarren-Pedal funktioniert nicht richtig und produziert unschöne Töne.

Baker entschuldigt sich und behebt das Problem, das Publikum nimmt es mit Humor und feiert den Erfolg mit Applaus. Die Sängerin meldet sich erneut zu Wort: "Thank you guys, you're such a polite audience. Thanks for hanging out with me tonight."

Gewinnende Persönlichkeit

Spielt Baker hauptsächlich Songs von ihrem 2015 erschienenen Debütalbum "Sprained Ankle", so hat sie für das Publikum auch ein paar Leckerbissen im Gepäck. Ein Cover von Audioslaves "Doesn't Remind Me" als Verneigung vor dem verstorbenen Chris Cornell verleitet die Zuhörer zu Zurufen. Außerdem spielt Baker zwei neue Songs und verkündet, dass diese auf ihrer neuen Platte zu finden sein werden, die im Herbst 2017 erscheinen soll. 

Ganz ohne Bühnenshow schafft Julien Baker nur mit Gitarre und Stimme, ihre Fans mitzureißen und sie an ihren Gefühlen teilhaben zu lassen. Außerdem taut die zu Beginn etwas schüchtern wirkende Sängerin im Verlauf des Abends auf, punktet mit trockenem Humor, Aufrichtigkeit und selbst bekundeter Seltsamkeit, was die Sympathie der Zuschauer noch um ein Vielfaches steigert.

Nach der Zugabe "Go Home" ist das Konzert dann auch wirklich beendet, und die Leute tun genau das, mit einem Lächeln auf ihren Gesichtern: Sie gehen nach Hause. 

Setlist

Good News / Funeral Pyre / Sprained Ankle / Blacktop / Vessels / Everybody Does / ? / Happy To Be Here / Rejoice / Doesn't Remind Me / Something / Go Home

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