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Marteria (live in Heidelber, 2017) © Andreas Defren

"Back to the roots", so kann man das Konzept der "Allein auf weiter Tour 2017" von Marteria beschreiben, der im ausverkauften Heidelberger Karlstorbahnhof nicht nur zu den Anfängen seiner Karriere zurückkehrt, sondern auch sein neues Album "Roswell" fast komplett präsentiert.

"Wir sind eine Familie" betont der Rapper schon zu Beginn der Show und greift auf diese Worte im Laufe des Abends immer wieder zurück. Diese Familie, die Erfolgskünstler Marteria meint, sind seine Fans, die schon Stunden vor Einlass im Regen vor dem restlos ausverkauften Karlstorbahnhof stehen, um einen Platz weit vorne zu ergattern.

Auf seiner "AAWT – Allein auf weiter Tour 2017" peilt der Wahlberliner kurz vor Veröffentlichung seines vierten Studioalbums "Roswell" am 26. Mai nochmal alle kleinen Clubs an, in denen er im Verlauf seiner ersten Tour gespielt hat. Mit dabei auch der beliebte Club am Rande der Heidelberger Altstadt, der an diesem Abend aus allen Nähten platzt.

Stimmung auf dem Siedepunkt

Die kleine Clubtour ist aber nicht nur ein Geschenk von Seiten des Rappers an die treuen Fans der ersten Stunde, sondern bietet auch Gelegenheit die neuen Songs seines neuen Albums "Roswell" zum ersten Mal live vor Publikum zu spielen. Mit dem gleichnamigen Titelsong eröffnet Marteria zusammen mit seiner Band den Abend, bevor er mit "Aliens" und "Scotty beam mich hoch" zwar neue, jedoch schon veröffentlichte Tracks spielt, die von den Fans begeistert aufgenommen werden.

Richtig Stimmung kommt dann mit bekannten Hits wie "Bengalische Tiger" oder auch "Endboss" auf, zu denen nicht nur mit den Köpfen und Armen mitgewippt wird, sondern sich auch langsam der ein oder andere Moshpit bildet. Zu "Alles verboten" eskaliert die Halle dann komplett und Marteria hat nur nach wenigen Minuten sein Publikum voll unter Kontrolle. 

Viel intimer und authentischer

Der Rostocker, der auf der Bühne stets 100% gibt, präsentiert sich an diesem Abend gewohnt sympathisch und voller Energie. Durch die Nähe zur Bühne im Karlstorbahnhof und durch den Verzicht auf große Showeinlagen, Videos und eine große Band wirkt das Konzert noch viel authentischer und intimer als große Hallenshows.

Zum neuen Track "Skyline mit zwei Türmen" wird die Atmosphäre dann noch intimer, denn der Song handelt von Martens Zeit in New York und natürlich von Freiheit – einem Thema, das heute wichtiger ist denn je. Wie gewohnt behandeln auch die neuen Songs des Rostockers die gesellschaftlichen und politischen Zustände im Land und nehmen sie wieder teils humoristisch, teils pointiert auf die Schippe. Im Track "Links" bekennt der Rapper gar Farbe, spricht davon einfach Links zu wählen, wenn man keine Ahnung hat, was man sonst wählen soll und plädiert für mehr Toleranz im Land.

Green Heidelberg

Nach so viel Ernsthaftigkeit wird es Zeit für ein bisschen Auflockerung und so kommt das Set von Marterias Alter-Ego Marsimoto wie gerufen. Eingeläutet wird das ganze durch viel Nebel, schummriges grünes Licht und natürlich dem Geruch von Gras. Green Heidelberg empfängt den quietschigen und stimmverzerten Kumpanen mit freudiger Begeisterung und feiert zu Tracks wie "Grüner Samt", "Ich bin dein Vater" und "Der Döner in mir".

Als der grüne Samt sich sprichwörtlich wieder wie ein Schleier von der Bühne gelüftet hat, steht auch Marteria samt Band wieder dort und läutet mit "OMG" und "Kids" das Ende des Abends ein. War der Club nicht vorher schon am Toben, wackeln spätestens jetzt die Wände. Es wird nicht nur eifrig mitgesungen, sondern auch ausgelassen getanzt und gesprungen. Ganz zur Freude des Rappers, der es sich nicht nehmen lässt zum ein oder anderen Song auf Tuchfühlung mit den Fans zu gehen, indem er sein Publikum auffordert für ihn Platz zu machen und in der Menge vor der Bühne verschwindet, um mit ihnen zu feiern.

Den Song "Kids" stimmt er nach dem letzten Akkord nochmal allein an und lässt den größten Teil von der Menge singen. Zur Belohnung gibt es noch zwei weitere neue Songs und natürlich die längsten 20 Sekunden der Welt, die man schon von zahlreichen anderen Shows des Rappers kennt.

Paul Ripke lässt sich auf Händen tragen

Einer lässt es sich natürlich auch nicht nehmen, sich an diesem Abend im ausverkauften Karlstorbahnhof feiern zu lassen: Fotograf Paul Ripke, der nicht nur ein guter Freund des Rappers ist, sondern auch gebürtiger Heidelberger, präsentiert sich inmitten von Marterias Set auf der Bühne, rappt ein kleines Ständchen des gemeinsames Tracks "Blaue Augen, grüne Augen" und lässt sich dann vom Publikum durch die Halle auf Händen tragen.

Alles in allem ist dieser Abend ein Geschenk an die Fans, denn Marteria beweist erneut, dass er auch auf kleinen Bühnen ohne viel Pomp und Gloria genauso begeistern und unterhalten kann wie in großen Hallen. Marteria feuert in Heidelberg ein zweistündiges Set ab und zeigt keine Sekunde Erschöpfung, sondern springt stets euphorisch und energiegeladen über die Bühne.

Die neuen Songs werden von den Fans genauso gefeiert wie die großen Hits des Rappers – die Generalprobe für die Hallentour im Herbst ist also gelungen. Aber mehr noch: Der Abend in Heidelberg wird als eine der bedeutungsvollsten und ehrwürdigsten Marteria-Shows im Gedächtnis derjenigen bleiben, die das Glück hatten, dabei zu sein.

Setlist

Roswell / Aliens / Endboss / Scotty beam mich hoch / Cadillac / El Presidente / Bengalische Tiger / Skyline mit zwei Türmen / Alles verboten / Tauchstation / Blue Marlin / Marteria Girl / Das Geld muss weg / Links / Grüner Samt (Marsimoto) / Eine kleine Bühne (Marsimoto) / Ich bin dein Vater (Marsimoto) / Der Nazi und das Gras (Marsimoto) / Der Döner in mir (Marsimoto) / OMG! / Kids / Große Brüder / Elfenbein / Feuer

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